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Ravensburg – Der Kreisverband Ravensburg der SPD veranstaltete am Mittwoch im Kornhaussaal in Ravensburg eine Podiumsdiskussion zu aktuellen religionspolitischen Fragen. Das Verhältnis des deutschen Staates zu den Religionsgemeinschaften und das Verhältnis der Religionen untereinander sind aktuelle Themen und viele Bürger sind besorgt und fragen sich, wie sich das Miteinander von Menschen unterschiedlichen Glaubens in Deutschland entwickeln wird. (Im Bild v.l.n.r.: Kai Gräf, Moderator der Diskussion, Andreas Stoch, SPD Fraktionsvorsitzender im baden-württembergischen Landtag, Rudolf Bindig, ehemaliger SPD Bundestagsabgeordneter aus Weingarten)

 

Nach den einführenden Worten der SPD Kreisvorsitzenden Heike Engelhardt übernahm Kai Gräf die Moderation der Diskussion im mit gut 50 Gästen besuchten Kornhaussaal in Ravensburg.

 

Für Andreas Stoch, ehemaliger SPD Kultusminister in Baden-Württemberg, ist ein früher und ständiger Dialog mit den Religionsgemeinschaften eine wichtige Basis. Er verteidigte ein christlich geprägtes Wertefundament für unsere Gesellschaft. Ziel ist für ihn ein von allen Religionen getragenes gemeinsames Wertefundament. Ein aktuelles Problem sieht er da allerdings beim Islam, weil da zu viel Ansprechpartner der einzelnen Ausprägungen vorhanden sind. So sollte man dort auf einen gemeinsamen Ansprechpartner hinarbeiten. Allerdings sollte man mit der momentanen Situation pragmatisch umgehen, d. h. um islamischen Religionsunterricht zu ermöglichen, sollte man durchaus auch Kompromisse eingehen und nicht ewig darauf warten, bis es etwa zum Thema eines gemeinsamen Ansprechpartners eine Lösung gibt. Die Vermittlung der gemeinsamen Werte muss aber an den Schulen das Wichtigste bleiben.

 

Rudolf Bindig, ehemaliger SPD Bundestagsabgeordneter aus Weingarten, ist ein Verfechter des Laizismus wie er etwa in Frankreich praktiziert wird, d. h. einer völligen Trennung von Staat und Religion. Für ihn ist ebenfalls eine gemeinsame Wertebasis wichtig, die er allerdings komplett von der „Erklärung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen ableitet. Er hält allerdings die Neutralität gegenüber den Religionen, so wie sie in unserem Grundgesetz verankert ist nicht für problematisch. Da die Mehrheit in unserer Gesellschaft, nämlich 33 Prozent, ohnehin konfessionslos ist, macht seine geforderte Ableitung für ein Wertefundament in unserer Gesellschaft von der „Erklärung für Menschenrechte“ durchaus Sinn.

 

Für Prof. Dr. Herbert Rommel, katholischer Theologe an der PH Weingarten, ist ein interreligiöser Dialog wichtig. Geschichtlich gesehen ist für ihn die Trennung zwischen Religion und Staat gut, denn sie hat zumindest die Religionskriege in Europa befriedet. Allerdings hinterlässt für ihn der Staat eine „Sinnlücke“, die wiederum nur die Religionen auffüllen können. So gibt er auch zu bedenken, dass der Staat nicht nur Religion schützen kann, sondern er kann sie auch fördern. Sehen sich die Religionen erst einmal als Mitglieder des Staats, dann müssen sie sich in dieser Position auch in ihrer Rolle reflektieren und das ist für ihn durchaus positiv zu sehen. Sehr schlüssig ist seine Argumentation, dass man in der Wertebasis nicht differenzieren kann, die ist klar vorgegeben, allerdings kann man in der Begründung differenzieren und das kann die jeweilige Religion liefern. So sieht er auch das „Religions-Verfassungsrecht“ für alle Religionen als absolut nutzbar an.

 

Mit besonderer Aufmerksamkeit wurden die Beiträge von Dr. Abdelmalek Hibaoui, Islamwissenschaftler an der Universität Tübingen und Mitglied in der deutschen Islamkonferenz, verfolgt. Er bestätigte, dass sich die Frage der Trennung von Staat und Religion durchaus auch in arabischen Ländern stellt. In Deutschland wir der Islam zunehmend als Herausforderung gesehen. Es werden in der Öffentlichkeit oft nur Gewalt und Extremismus gesehen, die von politischen Gruppierungen ausgehen, diese haben aber mit dem Islam meistens nichts gemeinsam, sie missbrauchen ihn nur für ihre Ziele. Für ihn muss die Religionsfreiheit im Grundgesetz der Rahmen sein und für ihn ist das Wort „Gott“ im Grundgesetz kein Problem, da es schließlich um denselben Schöpfer gehe. Da sich die Muslime nicht einig sind und sich schwer damit tun, mit einer Stimme zu sprechen, plädiert auch er, wie Andreas Stoch, dafür, dass man in dieser Situation nach Zwischenlösungen suchen muss, weil es sonst zu lange dauert. Auf die Frage, ob der Islam ein Integrationshindernis sei, hat er eine ganz klare Antwort parat, die Integration ist eine Aufgabe von vielen und nicht nur ein Problem des Islam.

 

Der SPD Kreisverband Ravensburg hat mit dieser Diskussion eine hochkarätig besetzte Veranstaltung organisiert, die mit ihrer Themenstellung absolut am Puls der Zeit ist und mit den kompetenten Referenten auch sehr viele offene Fragen zu diesem Thema beantworten konnte.

 

Text und Bilder von Oliver Hofmann

 

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