Pfaffenried/Rot - Am Sonntag blühten sie auf , die Gesichter der älteren Landwirtsfamilien, als Armin seinen Bulldog vor den Binder spannte. Er brauchte lediglich Standgas, um mit dem sonoren Blobb - blobb … … die filigrane, faszinierend transparente Mechanik des alten „FAHR“ mit der Zapfwelle in Bewegung zu setzen.

 

Da wurden sie gegenwärtig - die Erinnerungen … … .Die Jungen rieben sich die Augen. Sie konnten sich nicht satt sehen, mit welcher Eleganz und Umsicht der Dinkel geschnitten, von der Haspel parallel gelegt, unter den Tüchern verschwand , von diesen auf den Bindetisch befördert und dort mit einem eleganten Schwung, wie von Zaubernadel gebunden, mit einem leisen Rätsch Klick von der Auswurf Gabel in einer geraden Reihe auf den Stoppeln abgelegt wurde.

Warum suchten wir einen Bindemäher
Meine Frau, Dr. Annerose Weiß und ich, Walter Egel Weiß , halten seit vielen Jahren drei Esel. Aragon , Philomena und die dicke Ronja bekommen als Zusatzfutter Dinkel im Spelz, also ungeschälten Dinkel, um der hohlen Wand oder der Hufrehe vorzubeugen. Denn der Dinkel enthält von unseren Getreidesorten am meisten Silicium. Dieses ist im Spelz erstens bioverfügbar und zweitens hat er keine negativen Wirkungen wie Hornbrüchigkeit und Sklerose der Lunge bei elementarer Silicium Gabe. Täglich eine Handvoll Dinkel im Spelz reicht . Den Erfolg sieht man am seidigen und glänzendem Fell.

Bioverfügbares Silicium ist das „ Muniereisen“ einer jeden Zelle. Immer war es schwierig, an guten Dinkel zu kommen. So haben wir seit drei Jahren selber Dinkel angebaut. Damit war es möglich, den Eseln den ganzen Halm mit Ähre zu geben. Die Esel gerieten in Schnappatmung vor lauter Vorfreude auf die Ganzhalmgabe. Es ist immer wieder eine Freude die Esel bei diesem Genuss zu beobachten.

Wie kommen wir zu ungebrochenem Dinkel? Jedes Jahr mit der Hand mähen? Wir sind keine kernigen Schnitter von dreißig Jahren mehr. So machten wir uns vom Bodensee bis ins Hohenlohische auf die Suche nach einem Bindemäher. Die Museen geben ihren nicht her. Alle anderen sind entweder verschrottet  oder in den 70 iger Jahren nach Polen oder Übersee verschickt worden. Meine Annerose ließ sich von der Suche anstecken, und begann in ihrem Oberland nach zu forschen.

Und siehe, sie hatte Glück: Hermann Bär aus Truilz gab ihr den Tip, Georg aus Tristolz zu fragen, der schickte sie zum Fante nach Truilz, der über den Hubert Krattenmacher aus Seibranz wusste, dass dessen Schwager , der Karl Rigger aus Haslach keine seiner alten Maschinen hergeben wollte. Er könne sich vorstellen, dass der Karl noch einen Bindemäher in seiner alten Scheune stehen haben könnte. Der Kontakt war schnell erstellt. Hubert hat den Binder am gleichen Tag ans Tageslicht befördert.

Abends ging es auf die Reise in das Pfaffenried. Wie der Zufall es will, begann unser Nachbar mit zwei Claas der Merk und Daiber GBR, die Gerste zu dreschen. Da bot sich ein Technikvergleich an. Welch ein Unterschied der Dimensionen war da zu bestaunen! Die folgende Woche war gefüllt mit Sanierungsarbeiten. Franz Vomier aus Dietmanns half gründlich mit. Der Keilriemen aus gewickeltem Segeltuch begann sich nach dem ersten Probebetrieb aufzulösen. Ersatz gibt es nicht mehr. Der Schustermeister Jäger aus Ochsenhausen konnte den Riemen mit bester Schustertechnik kleben. Messer schleifen, … , hoffentlich hält die Technik!

Walter Egel Weiß

 

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