LeserbriefWangen/Berlin (Leserbrief) - Was Bundespräsident Gauck begonnen hat, setzte sich auf Betreiben von Bundestagspräsident Lammert im Parlament fort: Eine aus parteipolitischen Gründen entfachte Hetze gegen demokratisch gewählte Abgeordnete der Linkspartei.

 

Lammerts „Verdienst“ ist es, dass der als Egomane bekannte Liedermacher Biermann Beifall einheimsen darf für einen pauschalen Tiefschlag gegen die gewählten Bundestagsabgeordneten der Linkspartei. Gauck und jetzt Lammert haben ihr Amt missbraucht. Lammert hat zudem ganz gezielt den Affront im Bundestag organisiert.

Die Abgeordneten wurden zum Anschiss durch Biermann freigegeben ohne in dieser Situation auch nur die geringsten Chance auf angemessene Gegenwehr zu haben. Was Biermann mit seinen unsäglichen Formulierungen bezweckte war klar. Er wollte die Abgeordneten der Linkspartei so sehr provozieren, dass sie sich über seine Polemik empören, möglicherweise falsch – nämlich mit gleicher Münze – reagieren, um dann als Störenfriede einer Gedenkstunde angeprangert zu werden. Es war ein Zeichen der Souveränität der Linken, Biermann und Lammert diesen Gefallen nicht getan zu haben.

Peinlich und schändlich zugleich aber das Verhalten derjenigen Abgeordneten, die Biermanns selbstgefälligen Ausfällen Beifall zollten. Das war ein weiteres Mosaiksteinchen für das immer mehr schwindende Vertrauen der Menschen in die Redlichkeit gewählter Volksvertreter. So wird Staatsverdrossenheit immer mehr befördert. Wer den politischen Gegner in dieser Art zum Abschuss freigibt, muss sich nicht wundern, wenn dieser Schuss nach hinten losgeht.

Sowohl Bundespräsident Gauck als auch Bundestagspräsident Lammert haben der repräsentativen Demokratie einen Bärendienst erwiesen.

Als aktives Mitglied der Grünen und gewählter Volksvertreter in verschiedenen kommunalen Gremien sind die Linken meine politischen Gegner und ich werde ihnen dort, wo ich es für angemessen halte, auch immer laut und deutlich widersprechen. Aber ich sehe es als meine Pflicht an, sie vor üblen Tiefschlägen in Schutz zu nehmen. Schade, dass dies von anderen so nicht gesehen wird.


Siegfried Spangenberg
Wangen

Ihr Leserbrief zu diesem Thema

PS: Noch eine Anmerkung: Im gleichen Frühjahr als Biermann mit 16 Jahren noch vor dem Aufstand vom 17. Juni 1953 als Jungkommunist aus der BRD in die DDR umgesiedelt ist, um dort Karriere zu machen bin ich als 14jähriger Bub allein aus der DDR in die BRD geflüchtet, weil mir als Pfarrerssohn der Besuch einer weiterführenden Schule verweigert worden ist. Aber ich habe trotz kritischer Begleitung meiner neuen Heimat in Süddeutschland mich niemals in solche Sätze verstiegen wie Biermann als er bei seinem erzwungenen erneuten Wechsel in der BRD bleiben musste und dann behauptete, „vom Regen in die Jauche“ gekommen zu sein.

 


 

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok