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Reichenhofen - Beim ersten VBAO-Agrar-Forum im Pfarrstadel stand die Landwirtschaft im Fokus. Das Programm war durch drei Vorträge  zu ganz unterschiedlichen Themen im mit rund 150 Gästen besetzten Pfarrstadel sehr informativ.  Bild: Die Protagonisten Der Veranstaltung v.l. Andreas Menig (Organisation VBAO), Josef Epp (Referent), Georg Kibele (Vorstand VBAO) , Monika Wohlfahrt (Refernentin) und Andreas Loritz (Organisation VBAO). Nicht mit auf dem Foto ist der Referent Achim Lorch.

 

Die Landfrauen Allgäu sorgten für die Bewirtung mit Weißwurstfrühstück und im Anschluss an die Vorträge mit Kaffee und Kuchen.

Vorstandsmitglied Georg Kibele  stellte in seiner Begrüßung die Bank kurz vor, nachdem sich die Gäste, das Organisationsteam und die Referenten gestärkt hatten. Er sagte, die Bank habe sich trotz Spar-Katastrophe und Regulatorik konsequent weiterentwickelt. Die Digitalisierung sei zugleich Belastung und Herausforderung, die auch Chancen biete. Weil die Landwirtschaft nach dem Immobiliengeschäft das zweitgrößte Kundengeschäft für die Bank darstelle,  sei eine solche Veranstaltung ein wichtiges Informationsinstrument. Die beiden Organisatoren der Veranstaltung Andreas Loritz und Andreas Menig stünden den Landwirten gerne zur Seite, wenn es um die Beantragung von Fördermittel gehe.

 

Den Reigen der Vorträge eröffnete Achim Lorch, Vertriebsdirektor der Union Investment Privatfonds GmbH in Frankfurt. In seinem Vortrag „Vermögensanlagen in einer Welt ohne Zinsen - gibt es einen Ausweg?“ beleuchtete er die Entwicklung von Anlagevermögen. Konnte man seine Geldanlage z.B. in Bundesanleihen in 70er Jahren noch innerhalb neun Jahren verdoppeln, dauerte dies in den Jahren 2010 bis 2014 bereits 38 Jahre. Derzeit erleidet ein solches Anlagevermögen von z.B. 50.000 € wegen der Inflation innerhalb von drei Jahren einen Verlust von 2.500 €. Die Ursachen für die Niedrigzinspolitik sieht Lorch zum einen, weil Politiker die Notenbanken übernommen haben und damit der Staat auf Kosten der privaten Haushalte 368 Mrd Zinsen gespart hat. Dadurch werde die lockere Notenbankpolitik zum Dauerzustand, Lorch sieht die 0 % Zinspolitik mindestens in den nächsten 10 Jahren auf uns zukommen. Zum anderen belasten Brexit und der Handelsstreit zwischen den USA und China die Weltkonjunktur. Doch während das Zinsniveau in den letzten zehn Jahren immer tiefer sank, stiegen die Aktien-Indizes etwa beim Dax  um das dreifache. Zwar sprächen 25 Gründe gegen die Investition in Aktien, angefangen vom Austritt Großbritanniens aus dem Währungsraum der EU 1992, über Terroranschläge, Kriege, Immobilienblasen, Hypothekebnkrisen bis hin zum weltweit wachsenden Populismus. Dennoch seien Aktienfonds eine der wenigen Geldanlagen die Gewinn erbrächten. Wichtig sei zur Risikominimierung dabei eine möglichst große Streuung. Als Beispiel für eine mögliche Strategie führte er den Vergleich zweier Autofahrerinnen an: Die Eine tankte immer die gleiche Menge Benzin, die andere immer für den gleichen Betrag:    Am Ende des Vergleichs fuhr die „Betragstankerin“ mit ihrer Strategie um rund 10 % günstiger!       

Als Fazit sieht er eine politisch bedingte Abflachung der Weltwirtschaft, weiterhin niedrige Zinsen, aber ohne Risiko gebe es halt auch keinen Ertrag. Er empfahl, regelmäßig zu sparen und dabei die sich bietende Chancen flexibel zu nutzen. Die Bankberater würden für jeden eine individuelle Lösung finden.

 

Die weiteste Anreise der drei Referenten hatte Monika Wohlfahrt, die von der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung GmbH extra aus Berlin anreiste, um über aktuelle Entwicklungen des Milchmarktes zu berichten. Sie hatte viel Wissenswertes über Milchmarkt, Milcherzeugnisse, Vertrieb, aber auch über beeinflussende Faktoren von außen in ihren Vortrag gepackt.

Von den 33,1 Mio. t  Milch, die in Deutschland 2018 erzeugt wurden, ging knapp die Hälfte in den Export, 36 % in den Lebensmitteleinzelhandel und 15% in die weiterverarbeitende Industrie. Die Milchproduktion  je Kopf ist in Deutschland sehr unterschiedlich, am höchsten ist sie in Mecklenburg- Vorpommern, am niedrigsten im Saarland. Baden-Württemberg liegt knapp die Hälfte unter dem Bundesdurchschnitt. Der Bestand an Milchkühen sank seit 2015 bundesweit um 5,1%, in Baden Württemberg um 3,0% in Bayern dagegen mit 5,8% fast doppelt soviel.

Das Milchaufkommen Weltweit stieg in den meisten Staaten leicht an, am stärksten in der Türkei, in Indien und Kanada, während es in einigen skandinavischen Ländern, Holland und dem Baltikum stärker, aber auch in Frankreich und Australien leicht sank. Der größte Wachstumsmarkt für Milch und Milchprodukte ist erwartungsgemäß China.

Wohlfahrt beleuchtete in ihrem Vortrag auch die Weltmarktpreise für Milchprodukte.2018 hatte dabei Butter den höchsten Preis seit 12 Jahren, während Vollmichprodukte und Magermilchprodukte nach Tiefständen 2016 wieder gut erholten.

Was hat die Asiatische Schweinepest  mit der Nachfrage nach Käse zu tun? auch diese Frage beantwortete Wohlfahrt in ihrem Vortrag. Weil die Importnachfrage aus  China den Schweinepreis in die Höhe treibt, werden die Wurstwaren teurer Werden und damit die Nachfrage nach Käse stimulieren. Käse ist auch vor Naturjoghurt und Milch das beliebteste Milchprodukt in Deutschland. Gouda ist bundesweit der beliebteste Käse, wobei er in Süddeutschland mit dem Emmentaler gleichauf liegt. Der Durchschnittspreis für Milch wird in Deutschland durchschnittlich bei 33,5 Cent pro Kilogramm liegen, dabei wird Baden-Württemberg leicht vor Bayern und Niedersachsen liegen und damit über dem Bundesdurchschnitt.

Zukünftig sieht Wohlfahrt eher ein Sinken der Milcherzeugung in Deutschland,. Ursachen dafür: Die Düngeverordnung, Diskussionen um Tierwohl, Gesundheit, aber auch Futterknappheit und sinkender Tierbestand sind Ursachen hierfür. Die Weltmarktnachfrage ist im ersten Halbjahr erneut gestiegen, während der Milchpreis seit Jahresbeginn bis unter das Vorjahresniveau gesunken ist.

 

Der dritte im Bunde der Referenten widmete sich einem ganz anderen Thema. Josef Epp Buchautor und Klinikseelsorger in Ottobeuren fragte „Höher, schneller, weiter – und wo bleiben wir?“ Anhand von zwei Fallbeispielen aus seiner Arbeit, zeigte er auf wie schnell man in der Landwirtschaft in schwere Lebenskrisen kommen kann, wenn man nicht gegensteuert. Bei einer Bäuerin war als sie in die Klinik kam, eine schwere Depression festgestellt worden, weil sie sich in 30 Jahren  Landwirtschaft aufgearbeitet hatte. In eine schwere Krise kam auch ein 60jähriger Landwirt, nachdem ihm sein Sohn eröffnet hatte, den Hof nicht übernehmen zu wollen. Sein ganzes Lebenswerk, all die Arbeit  erschien ihm umsonst. „Wo bleiben wir? Wie kann ich dem Leben einen Sinn geben?“ „.Diese Themen müssen angegangen werden, sie sind aber ein gesamtgesellschaftliches Problem“, erläuterte Epp am Beginn seines Vortrages. All zu gerne werde für Probleme Sündenböcke gesucht: in den 90er Jahren wurden türkische Mitbürger für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht. 2015 gab es mit den Flüchtlingen eine ähnliche Tendenz. Und jetzt auch die Landwirte für die Umwelt.

Die Probleme seien aber in der Gesamtgesellschaft zu suchen. Der große Flächenfraß zum Beispiel:  wenn er etwa auf dem Weg in die Bischofsstadt Augsburg kilometerweit an Logistikzentren von DHL und Amazon vorbeikomme, die viele wertvolle landwirtschaftliche Flächen gekostet haben. Kernpunkt sei der Konsument und sein Verhalten: Fünf Paar Schuhe bestellen, vier zurückschicken, die dann weil es am billigsten ist, gleich vernichtet werden!

Oder die globalen Lieferketten: Am Beispiel Senegal, wo viele Jahre versucht wurde einen Regionalmarkt für Tomaten aufzubauen. Das scheiterte, weil der Markt von billigen EU Tomaten überschwemmt wurde. Die Folge: ein Flüchtlingsstrom nach Europa. Die Menschen, mit der Erfahrung beim Tomatenanbau wurden in Italien von der Mafia eingesackt. Jetzt dürfen sie für einen € in der Stunde auf italienischen Plantagen ihr Knowhow einbringen.

Auf den Monokulturen bei der Sojaproduktion als Futtermittel wird in Südamerika Glyphosat verwendet. Dieses landet dann bei uns und anderswo in der Gülle und auf den Feldern. China habe zur Zeit die Gesundheitsprobleme wie wir vor 20 Jahren, etwa bei Herzinfarkten usw.

Höher weit schneller, was macht das mit uns? „Wir haben zum Beispiel das Jahrhundert mit dem größten Zeitgewinn hinter uns, sparen im Haushalt ohne Ende Zeit. Mit Fernsehen und modernen Medien breche ein Bilderflut über uns herein, die nicht mehr beherrschbar sei.„Aber wie kann ich Kräfte tanken, um mit all diesen Belastungen im Alltag fertig zu werden?“ Zu den Hochrisikopatienten zählte der damalige Chefarzt, als er vor vielen Jahren in der Klinik anfing, Landwirte und Fernfahrer, weil sie zu kurze Ruhepausen haben.

Epp zeigte am Beispiel von Vater und Sohn auf, wie sich die Schwerpunkte in der Landwirtschaft verschoben haben: Der Vater schlief nach der schweren körperlichen Arbeit am Abend sofort ein. Der Sohn musste wegen vieler moderner Maschinen nicht mehr so schwer körperlich arbeiten, dennoch konnte er nicht einschlafen, weil er über viel Dinge nachgrübelte. „Chronischer Stress ist gefährlich und ungesund, hat die Stressforschung festgestellt.“ Dabei sei es wichtig, in den Ruhepausen runter zukommen und etwas zu machen, das Lust und Freude macht, um die Entspannungsphase richtig zu nutzen.

Der sorgsame Umgang mit sich selbst sei wichtig, um eine große Widerstandsfähigkeit aufzubauen. Als Sinnbild für das Christentum, (Christen=die Gesalbten) präsentierte Epp dafür eine Tube Salbe. Berühren, Kuscheln, eine Massage, die soziale Beziehung ist die stärkste menschliche Resource. „Sie ist der Schlüssel um die Kraft zu finden, Probleme anzugehen und im Gespräch über uns und dem Austausch untereinander innere Stabilität zu gewinnen.

 

Mit dem Dank der beiden Organisatoren Andreas Loritz und Andreas Menig an die Referenten und an die zahlreich gekommenen Landwirte endete das erste VBAO-Agrarforum im Pfarrstadel in Reichenhofen.

 

 

Bericht und Bilder: Ulrich Gresser

 

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