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Leutkirch
- Was Neckermann nicht mehr möglich machen kann, das hat Moderator Raimund Haser im 163. Talk im Bocksaal möglich gemacht: Die aus dem schweizerischen Mosnang im Kanton Sankt Gallen stammende Maria Walliser, die als eine der besten Skirennläuferin aller Zeiten gilt, und Karin Dedler, ehemalige deutsche alpine Rennläuferin aus dem Oberallgäuer Dietmannsried, haben sich nach 26 Jahren erstmals wieder getroffen.

 

1989 war es, als die beiden Ski-Asse der schnellen Disziplinen gemeinsam in Vail/Colorado auf dem „Stockerl“ gestanden haben. Die Schweizerin, die heute im Kanton Graubünden zu Hause ist, hatte nach zweifachem Gold (Abfahrt, Super-G) 1987 in Crans Montana ihr 3. WM-Gold gewonnen. Die Allgäuerin feierte mit der Bronzmedaille in der Abfahrt den größten Triumph ihrer Karriere.

Es sei bei der Anreise des ersten ausländischen TiB-Gastes außerhalb der Schweiz schon ein „ganz, ganz tolles Gefühl“ gewesen, gestand sie dem Gastgeber, es mit ihrem goldbraunen Tuareg V6 auf einer deutschen Autobahn mal wieder so richtig krachen zu lassen. Aber, so ihre Einschränkung, mit Rücksicht auf ihre Familie mit zwei Töchtern gehe der Sicherheitsgedanke natürlich vor. Siri, die jetzt 24-jährige ältere Tochter, die Jura studiert, ist von Geburt weg an den Rollstuhl gebunden, weil sie wegen Mangel an Folsäure (für die Zellteilung zuständiges Vitamin) während der Frühschwangerschaft mit einem offenen Rücken (Spina bifida) zur Welt kam und unter Lähmungen leidet. Die jüngere Tochter fährt, ganz wie einst die Mama als „junge Maid“, im Schweizer Team Skirennen im Europa-Cup.  

Drei Jährchen zählte das Mädchen Maria gerade mal, als sie die Billetts am heimischen Skilift abknipste, der von ihren Eltern betrieben wurde. Dabei sei sie zwischendurch ganz schnell mal mit rauf und noch schneller wieder runter gefahren. So habe sie in ganz jungen Jahren Skifahren gelernt. Ihren Aufstieg in den Schweizer A-Kader erklärt sie ohne jeden Anflug von Star-Allüren ganz simpel damit, dass sie das Glück hatte, „immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ zu sein. Ihren ersten Weltcup-Sieg schaffte sie 1983 im französischen Megéve. Bis zum Karriereende 1990 brachte sie es außer den drei WM-Titeln auf 25 Weltcup-Siege, zweimal gelang ihr der Gewinn des Gesamt-Weltcups. Und olympisches Edelmetall gab‘s auch: Abfahrts-Silber 1984 in Sarajevo!

Mit Siris Geburt 1991 „hat sich unsere Ebene verschoben, dadurch bin ich auf die soziale Schiene geraten“, erklärt die prominente Schweizerin. Man spürt im Bocksaal, weshalb sie in ihrem kleinen reichen Land als Sympathieträgerin, ja sogar als nationaler Mythos verehrt wird, als sie von „Glück“ spricht, „dass wir sie haben“. Haser zitiert aus einem Brief Siris, in dem sie vor rund 10 Jahren rührenderweise geschrieben hat: „Wenn ich die Wahl hätte, gehen zu können, würde ich gar nicht wollen, denn das würde alles völlig verändern“.

Maria Anesini-Walliser ist überzeugt, dass das Kämpferische in ihr auch dem Kind viel Kraft und starken Willen mitgegeben hat. Sie schätzt sich glücklich, dass die Tochter einen netten Kerl als Freund gefunden hat, der Siri „annimmt, wie sie ist“, auch wenn „beide etwas unsportlich“ seien.     

Die 723 Euro der Saalspende gehen an die Stiftung „Folsäure Offensive Schweiz“, deren Präsidentin die 51-Jährige ist.

Zum nächsten Talk im Bocksaal erwartet Haser am 11. Mai ALBA-Chef und DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer. „Der Müll, die Wirtschaft und mein Hund“ lautet der Titel.

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