Zu Schade

Reichenhofen - Die Theatergruppe Reichenhofen präsentierte am vergangenen Samstag im Hans-Multscher-Haus in Reichenhofen ein ganz besonderes Programm: Die besten Sketche, Einakter, Gags und musikalischen Einlagen der vergangenen Jahre wurden noch einmal gezeigt. Und das für einen guten Zweck, denn der Erlös kam dem Förderverein der Grundschule Reichenhofen zugute, der auch für die Organisation verantwortlich zeichnete.


Das Besondere der Veranstaltung war dass alle Akteure aus der Region rund um Leutkirch kamen, z.B. Engerazhofen, Diepoldshofen, Bad Wurzach und natürlich Reichenhofen. Sämtliche Programmpunkte wurden schon einmal mit großem Erfolg bei Fasnetsbällen, Hochzeiten, Geburtstagen usw. aufgeführt und für die „Macher“ einfach „zu schade für einmal“. Spiritus rector dieser Idee und Veranstaltung war Helmut Brack. Laut Laudatio seines Mitstreiters Martin Schöllhorn am Ende der Veranstaltung, „redet der Helmut it viel, der macht oifach und ka it viel drfür!“

Das Programm umfasste dabei viele Genres: vom A- Capella-Gesang, dem kurzen Einakter bis zum urschwäbischen Klamauk war alles dabei. So liess  Martin Schöllhorn als Hausmeister Erich das Publikum schon mal Begeisterungsstürme üben, nach dem er über die „emotionale Intelligenz“ räsoniert hatte, die bei seinem Job notwendig sei. Und natürlich war echt „zum Schiessen“ wie er Nordlichtern dank des Schwäbisch- Hochdeutsch-Wörterbuches vor einer Veranstaltung klar machte, dass sie nach der Veranstaltung selbst für die Sauberkeit des Veranstaltungsortes verantwortlich seien.

Helmut Brack und Anja Vincon mischten danach als „die letzten Gäste“ das Publikum in den ersten Reihen kräftig auf. Als hinterwäldlerisches Ehepaar stiegen sie den Leuten fleissig über die Füsse, ehe ehe sie als „die letzten Gäste“ endlich ihre Plätze gefunden hatten.

Als die Vorstellung endlich beginnen konnte, zeigte Karl-Josef Bauer mit seiner Heino-Parodie seine stimmlichen Qualitäten, die das Publikum mit Begeistertem Applaus quittierte.

Eine andere Gewichtsklasse war der Moderator des abends, „JJ“ Jochen Jöchle, der vor kurzem zum besten Witzeerzähler gekürte worden war. Mit seinen manchmal „englisch“ anghauchten Spässen sorgte er für heftig Lachsalven während der Umbaupausen.

Anja Vincon versuchte ihrer Partnerin Margit Waibel als Flower-Power-Relikt mit esotherischem Einschlag in einem Rollenspiel das Rüstzeug bei zubringen, wie man durch Interaktion am besten Männer anbaggern kann. Die Rolle des umschmeichelten Macho schien Margit Waibel eher zu liegen als die des verhuschten Haus- und Ehefrauchen, nachdem die beiden ihre Rollen getauscht hatten.

Sich die ganze Wahrheit zu sagen, trauten sich im zweiten Versuch Irene Brauchle, Simone Butscher, Martin Schöllhorn und Helmut Brack als befreundete Ehepaare, ein Schritt auf dem Weg zu neuer Ehrlichkeit in deutschen Wohnzimmern?!

Zuvor hatte Marion Gaile als „neue“ Putzfrau des Hans-Multscher-Hauses mit  ihrer Version des „Kampfes der Organe“ um die Herrschaft im Menschlichen Körper den Weg für die „ganze Wahrheit“ freigemacht.

Selbstkritisch war Moderator „JJ“ was seine Tanzkünste anging. Denn die „HKD-Harmonists“ liessen ihn bei einem ihrer Stücke als „Vortänzerin“ agieren, was seiner Meinung nach aussah, wie wenn ein angeschossener Bär getanzt hätte. Aus der „Kleinen Kneipe“ von Udo Jürgens wurde mit viel Lokalkolorit „Ja bei Geislers im Gasthaus zum Löwen“  in ihrer Heimat Diepoldshofen. Auf den Tag genau 22 Jahre nach ihrem ersten Auftritt feierten die HKD Harmonists nach langem Üben („gestern und heute“) ihre Wiedergeburt, zu der sie auch die drei bekannten Tenöre wiederausgruben.

Als aufgeregter, werdender Vater verwählte sich Martin Schöllhorn am Telefon und hatte statt der erhofften Geburtshilfe,  Karl-Josef Bauer als Automechaniker an der Strippe, dessen Ratschläge zur Zangengeburt den Ärmsten bereits vor der Präsentation des Kostenvoranschlages aus Schuhen kippen liess.

Nocheinmal voll aufdrehen konnten Rüdiger Bubek als gehörnter Ehemann, Marion Gaile als dessen Ehefrau und Helmut Brack als deren Liebhaber beim Improvisationstheater, das laut Ankündigung von Helmut Brack, wegen der 22 möglichen Buchstaben im Alphabet schon mal mehrere hundert Stunden dauern könne. Dies wollten sie den rund 350 Besuchern an diesem Abend dann doch nicht antun, und so beliessen sie es bei ihrem G-B Sketsch bei ebenddiesen beiden Buchstaben: Der betrogene Ehemann, der zu früh von seiner Geschäftsreise zurückkehrte und seine Gattin inflagranti erwischte, kündigte, nachdem er seine Pistole gezogen hatte, „grausiges Gemetzel“ in der G-Version an, aus dem in der B-Version dann ein „baldiges Blutbad“ wurde, und, nach dem finalen Schuss beim Liebhaber aus „Gesäss getroffen“ ein „Backe betroffen“ wurde.

Damit endete ein amüsanter Theaterabend und die Kinder der Grundschule Reichenhofen können sich dank des ausverkauften Hauses auf eine erkleckliche Spende freuen.

 

Text und Fotos Uli Gresser

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