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Schloss Zeil - Bei der Matinee in den Räumlichkeiten des Malers Manfred Scharpf in der Alten Schule auf Schloss Zeil, die vom jungen Saxophonisten Julius Greshake musikalisch untermalt wurde, zeigte der Künstler, nach einem Jahrzehnt von diagnostischen Arbeiten wieder „Bilder positiven Lebensgefühls, die sich mit den elementaren Quellen unserer Existenz beschäftigen“, wie Renata Scharpf  zu Beginn ihrer einführenden Rede erklärte. Foto: Renata Scharpf bei ihrem Vortrag

Rund 50 Kunstinteressierte aus nah und fern hatten sich aufgemacht, die Werke der neuen Schaffensperiode zu begutachten. Schon 1995 stellte der Maler in lebenden Bildern und daraus entwickelten gemalten Werken das „schöpferisch ewig-weibliche“, den Gefahren faust´schen Fortschrittsglauben gegenüber. „Oft vor AKWs inszeniert oder in industriellen Ruinen, weist er auf eine ursprüngliche Lebensqualität hin, die er selbst am liebsten unverfälscht genießt“, sagte Renata Scharpf weiter.

Diese Venusbankette fanden in Mähren im Umland von Brünn statt. Und das habe seinen Grund – Mähren gilt seit der Steinzeit als Venusland – ein sprichwörtlicher Busen der Natur. Im jüngsten Venusbankett sei er zu den Obdachlosen, die in der Ruine der ehemaligen Mühle von Breclav hausen, gegangen. Hier kam er mit einer Lebensfreude in Berührung, die sich erstaunlicherweise oft dort ereigne, wo die Lage aussichtslos erscheine.

In dem vom Maler spontan nach seinem Erlebnis mit den Obdachlosen aufgezeichneten Bericht stellt er die Personen vor und liefert dazu eine fotografisch detailgetreue Millieustudie ab. Darunter auch die Beobachtung, wie zwei Punker ohne viele Worte einem verzweifelten Rollstuhlfahrer halfen, einen Randstein zu erklimmen, während „empathieresistente“ Passanten hämisch zuschauten.

„Inmitten eines Höllenkreises modernen Unrats aus Spritzen, leeren Flaschen, Brennnesseln und Plastiktüten leuchten auf gebügeltem Grund Melonen in sattem Rot aus tiefgeschnittener Wunde, Tomaten, Paprika, Zwiebel und Äpfel. So beschreibt Scharpf voller Poesie ein Festmahl bei den Obdachlosen.

„Dem Maler... öffnen sich visionäre Bilder, steigern sich – und plötzlich,

wenn auch nur für einen Augenblick
entflammt er,
der oszillierende Lichtbogen
puren Lebens dort,
inmitten des Chaos von Nesseln und Scherben,
versöhnt und überspannt es,
reicht hell hinein in den Himmel,
weit hinter die von Feuer geglühten Zeichen
geborstenen Eisens.“

Mit den Zwillingsschwestern Dana und Hana, beide Opfer der politischen Wende  mit nachfolgender westlicher Investo-Invasion, inszeniert er bei dem achttürmigen Atommeiler von Dukovany ein Venusbankett. Beflügelt wird die Fantasie des Künstlers nach einem Schluck aus der Stolychnaya Flasche: „Vor meinen Augen wogt plötzlich ein ockrigsilbernes Weizenfeld, gerade dort wo sich zuvor Beton in den wässrig blauen Himmel schwang. Hana tanzt im Kornfeld, roter Mohn und das zarte Weiß der Winden markieren das Paradies mit farbigen Punkten. Dann treibt Schnee als  befriedender Fall-out über die Halme. Wie seltsam, die Blöße der Frauen wird von ihm nicht angetastet. Ihre Haut schillert perlmutten in den grünen Schatten und dem Rosa des Fleisches. Auf den Tisch mit den Gaben der Natur hat sich glitzerndes Eis gelegt, aber heitere Stimmen füllen die Weite der Felder, über denen in der Ferne ein Lichtstreif glänzt. Dann streicht wieder warmer Hauch über dieses wunderbare Land sanfter Hügel.
Wo bin ich?
Am Busen der Natur.“

Solchermassen auf die neuen Werke Scharpf´s eingestimmt fanden die Matinee- Besucher bei einem Gläschen leichteren Zugang zum „contre culture“ des Malers.

Bericht und Fotos: Ulrich Gresser

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Renata Scharpf mit Julius Greshake

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Die begeisterten Besucher

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Begutachtung mit Kamera

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Dokumentation der Matinee mit den Mitteln der jüngeren Generation

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Der Maler (rechts) im entspannten Gespräch

 

 

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