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Herlazhofen
- Im Ortschaftsrat Herlazhofen wurde vom Leiter des Ordnungsamtes in Leutkirch Elmar Haag und Ortsvorsteher Alois Peter über den Modellversuch „Fahrradschutzstreifen außerorts" berichtet.

10 % der bei Unfällen getöteten Verkehrsteilnehmer sind Radfahrer. Von diesen Unfällen ereignen sich je 50 % innerorts und außerorts. Die Erhöhung der Verkehrssicherheit für Fahrradfahrer bleibt daher ein wichtiges Ziel in der straßenverkehrsrechtlichen Praxis.
Nach bislang bestehender Rechtslage gelten außerorts von der Fahrbahn getrennte gemeinsame Geh- und Radwege als Standardlösung zur Sicherung des Radverkehrs. Allerdings setzen die aktuellen Regelwerke eine Verkehrsbelastung von 2.500 – 3.000 Fahrzeuge pro Tag voraus. Unterhalb dieser Verkehrsstärke gibt es auf den Landstraßen nur den reinen Mischverkehr.
Schutzstreifen außerorts sind gem. der StVO 1997 wegen fehlenden Erfahrungen bisher nicht zulässig. Um diese Erfahrungslücke zu schließen, werden bundesweit verschiedene Modellversuche durchgeführt. Auf Vorschlag des Regierungspräsidiums Tübingen soll ein derartiger Modellversuch für einen Fahrradschutzstreifen außerorts auch auf der Strecke L 319 zwischen Urlau und Winterstetten durchgeführt werden.

Aus diesem Grund fand am 19.12.2013 in Leutkirch ein Treffen der mobilen Verkehrssicherheitskommission der obersten Straßenverkehrsbehörde des Landes Baden-Württemberg statt, bei dem neben dem Ministerium für Verkehr– und Infrastruktur und Regierungspräsidium Tübingen auch Vertreter der Polizei und des Straßenbaulastträgers anwesend waren. Alle Beteiligten sprachen sich nach Klärung und Diskussion der maßgeblichen Aspekte für die Durchführung dieses Modellvorhabens aus. Für die Zustimmung der Stadt Leutkirch i. A. war Voraussetzung, dass hierdurch keine Kosten entstehen und dass dieses Vorhaben keine Konkurrenz zum geplanten und favorisierten straßenbegleitenden Radweg darstellt. Beides wurde vom Ministerium für Verkehrs- und Infrastruktur zugesichert.

Das Modellvorhaben hat folgende Zielsetzung:

Die Erkenntnislücken sollen entsprechend der StVO geschlossen werden.
Der Radverkehr soll unterhalb der Schwelle der Einsatzbereiche gemeinsamer Geh- und Radweg sowie im Übergangsbereich der Erforderlichkeit von Radwegen, wenn diese aufgrund der Rahmenbedingungen absehbar nicht realisiert werden können (Naturschutz, Grunderwerb, Finanzierbarkeit) gesichert werden Netzlücken sollen geschlossen und Beiträge zur Netzbildung geleistet werden

Kriterien und Parameter für die Streckenauswahl:

Auswahlkriterien für die Untersuchungsstrecken
Die Untersuchungsstrecke soll schwerpunktmäßig Nahbereichsstraßen angehören.

Räumliche Lage der Straße:
- Die Strecken sollen außerhalb der verkehrsrechtlichen Grenzen von Ortsdurchfahrten (Ortstafeln)
liegen
- Sie können direkt an eine Ortslage anschließen, auch wenn der Abschnitt noch Bestandteil einer stra-
ßenverkehrsrechtlichen Ortsdurchfahrt ist
- Streusiedlungen können einbezogen sein
- Die Mindestlänge soll etwa 1 km betragen
Kfz-Verkehrsstärke:
- Nach Möglichkeit sollen die Untersuchungsstrecken ein Spektrum unterschiedlicher Kfz-Stärken
abdecken
- Die Kfz-Belastung soll bis zu Verkehrsstärken von 4.000 Kfz/Tag möglich sein, um damit den
Grenzbereich von Radwegen für Straßen mit Tempo 70 abzudecken
- Als Stärke des Schwerverkehrs ist eine Obergrenze von ca. 150 Kfz/ Tag anzulegen

Zulässige Höchstgeschwindigkeit:
- Im Regelfall soll Tempo 70 auf den Untersuchungsstrecken angeordnet werden.

Querschnittausbildung:
- Die Mindestbreite der Kernfahrten wird deshalb auf 2.75 m festgelegt.
- Zuzüglich einer Mindestbreite der beidseitigen Schutzstreifen von 1,25 m ergibt sich eine Mindestfahrbahnbreite von 5,25 m
- Die Schutzstreifen sollen ab einer Fahrbahnbreite von 6,50 m eine Breite von bis zu 1,50 m erhalten.

Weitere Untersuchungsmerkmale:
- Netzfunktion der Strecke und Radverkehrsstärke
- Voraussetzung ist eine Führung des Radverkehrs im Mischverkehr auf der Fahrbahn. Auch für den Radverkehr nutzbare parallele Wirtschaftswege sollten nicht bestehen.
- Art und Funktion von Knotenpunkten, die am Anfang und am Ende der Strecke oder in deren Verlauf liegen
- Linienführung, Kurvigkeit Vorhandensein einzelner scharfen Kurven
- Engstellen
- Ortseinfahrten

2.2.4 „Steckbrief" für die Versuchsstrecke L319 Leutkirch – Urlau nach Leutkirch - Winterstetten

• Länge: 4,0 km
• Fahrbahnbreite: 6,00 – 6,50 m
• Kfz-Verkehr: 1.501 Kfz/Tag; Schwerverkehr 47 Kfz/Tag
• Zul. Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
• OD Hinznang mit Tempo 50 km/h
• Funktion Radverkehr: Strecke liegt im Einzugsbereichs des Glasmacherdorfs Schmidsfelden
• Buslinienverkehr
• übersichtlicher Streckenverlauf, leichte S-Kurve

Weiteres Vorgehen

Das weitere Vorgehen stellt sich wie folgt dar:
§ Das MVI erteilt die nach StVO erforderlichen Ausnahmegenehmigungen für das Modellvorhaben „Schutzstreifen außerorts" auf der L319.
§ Die Stadt Leutkirch i. A. erlässt die erforderlichen verkehrsrechtlichen Anordnungen.
§ Nach einem Jahr erfolgt die Evaluierung dieses Modellvorhabens. Bei negativen Erfahrungen werden Schutzstreifen und Geschwindigkeitsbegrenzungen wieder entfernt. Bei positiven Erfahrungen kann das Projekt bis zur Realisierung der baulichen Lösung fortgeführt werden.

Dieses Projekt soll auch durch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden.
Finanzielle Auswirkungen ergeben sich für die Stadt Leutkirch keine.
Folgende Lebensbereiche von Familien sind betroffen:
Verkehrssicherheit
Die getroffene Entscheidung soll zu folgender Verbesserung der Lebensbedingungen für Familien in Leutkirch im Allgäu beitragen:
Durch die Teilnahme an diesem Modellvorhaben leistet Leutkirch i. A. einen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, insbesondere für Familien, die mit dem Rad unterwegs sind.
Die Sitzungsvorlage lag allen Ortschaftsräten als email oder in Papierform vor.
Bei einer positiven Bewertung soll das Projekt weitergeführt werden und die Lücke bis zur baulichen Verwirklichung des Radweges schließen.
Von den Ortschaftsräten wird insbesondere die Geschwindigkeitsreduzierung auf der Teststrecke auf 70km/h begrüßt.
Beginn der Teststrecke liegt nach dem Kreuzungsbereich und Zufahrt zur Unterführung. In diesem Zusammenhang sollte die zur Unterquerung der L 318 angebrachten Viehdurchlässe kontrolliert werden, um Radfahrern das Unterqueren der Landstraße zu ermöglichen.
Sollten Gefährdungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch das Projekt auftreten ist ein Abbruch geplant.

Alois Peter

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