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Diepoldshofen
- Am vergangenen Sonntag (26. April) gedachten die Stadt Leutkirch und die Ortschaft Diepoldshofen der zwei Tage vor dem Einmarsch der Franzosen im Wald bei Diepoldshofen getöteten 15 Wehrmachtssoldaten.

 

Nach dem Sonntagsgottesdienst in der Pfarrkirche machten sich etwa 50 Personen auf zur Gedenkwanderung. Ab der Größermühle gingen sie exakt denselben Weg wie 70 Jahre zuvor 16 junge Soldaten, die damals auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung waren. Einer der vermutlich wegen Desertion Verurteilten konnte noch fliehen, an den anderen 15 wurde oben im Wald zwischen Diepoldshofen und Bauhofen mit kaltblütiger Konsequenz ein Urteil vollstreckt, das – in den 1950er-Jahren als formaljuristisch rechtmäßig gewertet – bis heute die Menschen bewegt und erschüttert. Warum, fragten Bürgermeister Martin Bendel und Stadtarchivarin Nicola Siegloch bei der Gedenkfeier am Grab der 15, warum hat es der Befehlshaber Otto Siebler nicht geschafft, die Vollstreckung zu verzögern? Der Krieg war doch offensichtlich verloren, die Befreier so nahe! War es Rachsucht, war es blinder Gehorsam, war es ein legalistisches Funktionieren, das jegliche Gewissenseinwände ausblendete? Man wisse nicht, was den Hauptmann angetrieben habe, die etwa zweistündige Exekution durchzuführen, sagte Nicola Siegloch.

Sie – wie auch Bürgermeister Bendel – erinnerte an andere Männer, die in der Stunde der Not und der Notwendigkeit, das Richtige zu tun, gehandelt haben, wie es Vernunft und Gewissen verlangen: Siegloch und Bendel verbeugten sich vor Michael Maischberger und Josef Luz, die in Leutkirch in der Memminger Straße Panzersperren abgebaut hatten und das mit ihrem Leben bezahlten, und vor Major Günter Zöller, der den „Nero-Befehl" zur Sprengung der mit Giftgas und Munition übervollen Muna bei Urlau ignorierte. Sie erinnerten auch an die Familie Gollowitsch und an die Geschwister Hassler, die demselben Ungeist zum Opfer gefallen waren, der den Hauptmann Siebler bei seinem Vollstreckungseifer angetrieben haben mag.
Zum Abschluss der bewegenden Gedenkfeier sprach Pater Eugen Kloos Gebete für die Toten und die Lebenden und gemeinsam beteten die Teilnehmer ein Vaterunser und ein Ave Maria. Anschließend gingen die Teilnehmer hoch zur 450 Meter entfernt im Wald liegenden Hinrichtungsstätte, um am Gedenkstein innezuhalten und der um ihr Leben betrogenen jungen Männer zu gedenken.

Unsere Bilder zeigen Ortsheimatpfleger Anton Steiner (im Hintergrund der Zug der Gedenkwanderer), die nähergekommene Gruppe der Gedenkwanderer, Bürgermeister Martin Bendel bei der Gedenkrede, die über 90-jährige Emma Bank und eine Begleiterin (Emma Bank und ihre Familie pflegen das Soldatengrab seit Jahrzehnten), Bürgermeister Bendel und Ortsvorsteher Josef Mahler sowie einen jungen Staatsbürger, der mit Interesse die Inschrift am Gedenkstein studiert.

Text und Fotos: Gerhard Reischmann

Siehe auch PDF „Gedenkblatt Soldatengrab Diepoldshofen"

 

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