rilke
Aitrach
- „Bonsoir Monsieur Rilke", unter diesem Titel gestalteten die Schauspielerinnen Karin Hoßfeld und Andrea Schilling aus Leipzig zusammen mit der Cellistin Verena Stei aus Aichstetten einen literarisch musikalischen Abend bei der VHS Aitrach. (Die Schauspielerinnen Andrea Schilling und Karin Hoßfeld, sowie die Cellistin Verena Stei (von rechts) haben Leben und Werk des Lyrikers Rainer Maria Rilke durch eine begeisternde Darbietung vorgestellt.)


Wie schon im Jahre 2005, als sie im Schillerjahr den Dichter Friedrich Schiller, sein Leben und sein Werk durch Lesungen, Dialoge und Musik vor einem begeisterten Publikum quasi wieder zum Leben erweckten, gelang es dem Künstlertrio auch diesmal, mit Rainer Maria Rilke einen großen deutschsprachigen Dichter den Zuschauern eindrucksvoll nahezubringen.

Unterstützt durch Dias, die großflächig an die Rückwand der Bühne projiziert wurden, ließen die Schauspielerinnen das Leben Rilkes, geboren 1875, sowie sein literarisches Schaffen Revue passieren.
Teils im Wechsel, teils alleine, rezitierten Hoßfeld und Schilling im Laufe des Abends immer wieder Gedichte vom Beginn bis zum Ende der Schaffensperiode des Lyrikers, wie z. B. „Ich will du sein", „Der Panther" oder „Die Einsamkeit", letzteres z. T. in französischer Sprache. Zu Rilkes Vorliebe für Rosen, die für ihn Metapher für unheimliche Schönheit und für den Tod waren, las Andrea Schilling das Gedicht „Die Rosennacht".

Wiederholt schlüpfte Karin Hoßfeld in verschiedene Rollen, die das Leben des Dichters betrafen, sei es als Musterungsoffizier, als Arzt oder als unstet reisender Rilke. Andrea Schilling gab die entsprechenden Informationen zu den dargestellten Szenen. .

Rilkes Leben war geprägt von häufigen Reisen durch ganz Europa. So besuchte er Russland, Italien, die Schweiz, Skandinavien oder Frankreich. Paris, die Stadt, von der er nach den Worten von Andrea Schilling „mal hingerissen, dann wieder angeekelt war", wurde 1905/06 vorübergehend Rilkes Hauptwohnsitz. Er arbeitete für den Bildhauer Auguste Rodin, wurde aber schließlich von ihm abrupt entlassen. Den Ausbruch des 1. Weltkrieges wenige Jahre später erlebte er in München. Der Dienst an der Waffe jedoch blieb ihm erspart.

Nach 1919 möchte Rilke Deutschland wenn möglich fern bleiben. Ab 1921 bewohnt er das Château de Muzot im Kanton Wallis. Trotz eines Gartens beim Haus und trotz guter Einnahmen bleibt er ruhelos, es treibt ihn weiter zum Reisen. Seine Gemütsverfassung ist einerseits himmelhoch jauchzend, andererseits zu Tode betrübt.

Mit 47 Jahren beendet Rilke die Elegien, die für ihn die Summe seines Lebens bedeuten. Ab 1923 zwingen ihn seine gesundheitlichen Probleme zu einem Sanatoriumsaufenthalt. Seine Schmerzen und Beschwerden werden größer. Schließlich stirbt er am 29. Dezember 1926 an Leukämie.
Zum Schluss der Veranstaltung las Andrea Schilling aus einem Brief Rilkes an Friedrich Westhoff. Gleichzeitig löschte sie die brennenden Kerzen, die vor ihr auf einem großen Kubus standen, eine nach der anderen, bis der Saal ganz im Dunkeln lag.

Gebannt verfolgten die zahlreichen Besucher die stimmungsvoll inszenierte Hommage an Rilke. Die Gedichtvorträge wurden stets sehr einfühlsam von Verena Stei am Cello begleitet und untermalt.
Mit anhaltendem Beifall bedankte sich das Publikum für einen eindrucksvollen Abend.

P. Roth

 

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