Kißlegg - Vorstandssprecher Josef Hodrus hatte es mit seinem Bericht über das Fusionsjahr der Volksbank-Allgäu-Oberschwaben in der Festhalle Kisslegg so eilig, dass Uli Boettcher mit seinen „Silberrücken im Nebel“ dem Publikum vor seinem Auftritt noch eine kleine Entschleunigungsphase gönnte, wie es Artur Kling, der Regionalmarktdirektor für Kisslegg und Isny, als Moderator des Abends ausdrückte.

Doch bevor Uli Boettcher seine Wunden als 50 Plus-Best-Ager lecken konnte, hielt Vorstand  Josef Hodrus mit viel Herzblut und Engagement (und auch Tempo) Rückschau auf das Jahr der Fusion. Diese sei nach Ansicht des Vorstands bisher sehr positiv verlaufen, „wir liegen bisher bei etwa 85%“. Und das obwohl rund 2000 To-Do-Projekte abgearbeitet werden mussten. Dafür dankte er den Mitarbeitern, aber auch den Mitgliederversammlungen und den Aufsichtsräten, die ihr OK für die Fusion gegeben hatten und die neu entstandene Volksbank Allgäu-Oberschwaben zur Nummer 15 von 180 Banken in Baden-Württemberg gemacht hatten. „Mächtig stolz“ zeigte sich Hodrus auch auf das Kunden-Service-Center (KSC), das in Kisslegg angesiedelt bereits mehr als eine Viertel Million telefonische Anfragen bearbeitet habe.

 Besonders für die Kunden der ehemaligen Volksbank Allgäu-West habe die Fusion wegen der neuen IBAN Nummern eine Umstellung erfordert. Aber auch 77 Mitarbeiter hatten einen Ortswechsel vorzunehmen und bekamen es dabei mit neuen Kollegen zu tun.

 Trotz eines schwierigen politischen Umfeldes, u.a. aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB – so fiel der Zinsüberschuss für die fusionierte Bank  um 1,9 Mio € geringer aus – konnte der Bilanzgewinn im Vergleich zum kumulierten Gewinn der beiden Banken gehalten werden. Dies wurde möglich, weil sich der Verwaltungsaufwand um denselben Betrag verringerte.

 Bei allen anderen wichtigen Faktoren (Bilanzsumme, Kundenkredite, Kundeneinlagen) konnte die Bank überdurchschnittlich zulegen. Auch bei den Mitgliederzahlen legte die Volksbank Allgäu-Oberschwaben zu, zum Stichtag 31.12.2017 waren es 52.744 Mitglieder, nach der Bereinigung von Doppelmitgliedschaften (576) und anderen Abgängen legte die Bank hier effektiv um „nur“ 205 Mitglieder zu. Aber der Vorstand konnte beruhigen: „Im ersten Quartal 2018 haben wir bereits wieder viele Mitglieder dazugewonnen.“

Was Hodrus ebenfalls mit Stolz erfüllt: „Keine andere Bank in Deutschland, Ja in Europa hat ein besseres Rating als die Volksbank Allgäu-Oberschwaben mit AA-!“

Dass die Bank an die Kommunen rund 2,6 Mio. € an Gewerbesteuer überwiesen hat, wird der beim Forum anwesende Kisslegger Bürgermeister Dieter Krattenmacher gefreut haben. Geld das damit auch wieder den Bürgern in der Region zugute kommt. „Für die Menschen, für die Heimat“ getreu diesem Motto gab es im Jahr 2017 rund 388.000 € an Spenden, allein 100.000 € wurden beim  großen Spendenadventskalender in Wangen vergeben. 212 Crowdfunding-Projekte wurden in den letzten Jahren mit einer Summe 668.000 € unterstützt, allein 2017 mit rund 130.000 €.

 Am 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dem Gründer der Genossenschaftsbewegung, waren in Deutschland 22,6 Mio. Menschen (mit steigender Tendenz) Mitglied einer Genossenschaft. Weltweit, mit ebenfalls steigender Tendenz, sogar über eine Milliarde Menschen.

Zwei Drittel der Bundesbürger sehen laut einer Umfrage von Bitkom die Digitalisierung als Chance. „Nutzen sie die neuen Möglichkeiten und lassen sie sich beraten, damit ihr Geld nicht arbeitslos ist.“ forderte er die Mitglieder in der Festhalle in Kisslegg auf.

 „Statt Ü-50 Plus sollte unsere Generation eher 50-Minus heißen,“ erklärt der Kabarettist Uli Boettcher, der an diesem Abend für das Unterhaltungsprogramm zuständig war, in seinem  aktuellen Programm „Ü-50 – Silberrücken im Nebel“. Denn er wisse um den Zustand der Hilfsbedürftigkeit seiner Generation. Von wegen Anführer. „Wenn Anführer, dann höchstens als Anführer der Polonaise ins Grab.“  Mit 16 war für Boettcher „50 der kleine Bruder vom Tod.“ „Wenn man erwachsen wird ist das Alter um 50 so ein Aggregatszustand.“ Augenwischerei sei der Begriff der Generation 50 Plus: Das einzige was dazu kommt sind Gelenkschmerzen und Altersstarsinn.“ Ü stehe dabei wohl für Überraschung.

Er habe von seiner Frau zum 50er  eine Karte für die Chippendales erhalten, denn: „Wer sich so auf seinem Plakat ablichten lässt, muss auch einmal sehen wie es wirklich geht!“

Beim Thema Radfahren wurde auch Vorstand Josef Hodrus mit in die laut vorgetragenen Überlegungen einbezogen, der zugab neuerdings auch per Fahrrad seine Fitness zu verbessern. Boettcher freute sich an seinem neonfarbenen Raddress, wenn er es mal wieder nicht rechtzeitig aus seinen Klickpedalen beim Rennrad schaffte und vor Ampel liegend zum stehen kam.  Er warb für Verständnis und Mitleid, denn „das Fahrrad ist die Vorstufe zum Rollator.“

 Von wegen mit 50 wird man ruhiger: „Irgendwie ist man nicht mehr gesellschaftlich kompatibel“ sagt Boettcher, nachdem er sich über „McDonalds-Tüten aus dem Autofensterwerfer“ „Nicht-Blinker beim Abbiegen“ und „Hundedreck- nicht-Entsorger“ in Rage redet. Denn man werde nicht mehr von Freunden eingeladen, weil es dann immer heißt: „Noi komm, no regt er sich blos wieder so auf!“

Auch Kindheitsträume sind mit 50 ausgeträumt: Mit seinem Freund Gregor wollte er nach der Schule nach Kanada auswandern. Dann habe man sich aus den Augen verloren und erst wieder beim Klassentreffen wiedergetroffen. Nach 23 Jahren im Unternehmen war dem ein junger Chef vor die Nase gesetzt worden, gerade so Alt wie sein Sohn „und der hat auch keine Ahnung von Maschinenbau“. Als er sich bei seinem Chef beschweren will gibt es zwei Möglichkeiten, kündigen oder Materialausgabe. Den Traum von Kanada vor Augen wäscht seine Frau ihm den Kopf: „Früher waren wir ein Herz und eine Seele, jetzt nur noch wie zwei Nieren, die nebeneinander herschaffen.“ Und so kommt Freund Gregor nach Prüfung der Möglichkeit Kanada zu dem Schluss: „Materialausgabe ist auch nicht so schlecht.“

Die Frage wie der Künstler die Evolution überlebt hat, klärt Boettcher auch noch an diesem Abend: Als das Feuer,  in der Steinzeit erfunden wurde,„das erste Fernsehprogramm der Menschheitsgeschichte“  begann einer der Männer, die nicht wie die Schwarzrücken bei den Gorillas zum Jagen die Höhle verlassen durfte, sondern wie die Silberrücken „das Haus hüten musste“ kam einer auf die Idee Witze zu erzählen. Immer mehr Höhlenmenschen aus der Nachbarschaft kamen dazu,  bezahlten sogar für den Auftritt des ersten Comedians der Menschheit , der „Homo humoricus“ war geboren.

Dass Uli Boettcher ein ganz besonderes Exemplar dieser Spezies ist stellte er beim Mitgliederforum der Volksbank Allgäu-Oberschwaben in Kisslegg einmal mehr unter Beweis.

 

Text und Bilder von Ulrich Gresser

 

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