vs200Kißlegg - Auch in diesem Jahr folgten über 110 Teilnehmer der Einladung nach Kißlegg, ihr kreatives Können im Rahmen der Kißlegger Kunstwoche unter Beweis zu stellen. Zwischen dem 25. Oktober und 8. November 2014 konnten erneut Nachwuchs- und Hobbykünstler in zahlreichen Workshops ihre Fertigkeiten mit Hilfe namhafter Dozenten ausbauen und festigen. Das breite Kursangebot reichte in diesem Jahr von der Malerei über die Radierung und die Bildhauerei bis hin zur Literatur.

 

Die Dozentin Barbara Ehrmann gehört zu den begeisterten Wiederholungstätern. Seit 2007 nimmt die Künstlerin regelmäßig als Seminarleiterin an der Kunstwoche teil. Die 1962 in Ravensburg geborene Malerin absolvierte ihr Studium an der Kunstakademie Stuttgart, war Stipendiatin der Kunststiftung Baden Württemberg sowie der renommierten Cité Internationale des Arts in Paris. Ehrmann lehrt heute im In- und Ausland. In diesem Jahr bot sie erstmals in Kißlegg den Kurs „Schichtung und Transparenz" an, ein Experiment aus dem Zusammenwirken von Acrylmalerei und Paraffinwachs.

 

Frau Ehrmann, eine intensive Kunstwoche liegt hinter Ihnen. Bitte geben Sie uns ein kurzes Resümee über die zurückliegende Zeit

Ich blicke auf eine spannende Woche mit vielen tollen Teilnehmern zurück. Die Teilnehmer meines Kurses „Schichtung und Transparenz" waren konzentriert bei der Sache und ich habe es so empfunden, dass ihnen der nicht alltägliche Umgang mit dem Material Wachs sehr viel Spaß bereitet hat. Das Niveau war in diesem Jahr auch allgemein in den Kursen recht hoch und wir hatten den einen oder anderen Profi als Teilnehmer in unseren Reihen, was natürlich nochmals zu Bestleistungen motiviert hat. Für mich als Dozentin ist es jedes Mal wichtig, meinen Schülern einen individuellen, künstlerischen Raum zu geben, damit sie ihre eigene kreative Handschrift weiterentwickeln können. Ich denke, das ist mir auch in diesem Jahr gelungen und jeder Teilnehmer hat in seiner Weise von der intensiven Arbeitswoche profitiert.

 

Was ist für Sie die Besonderheit an der Kunstwoche in Kißlegg?

Ich empfinde den Zeitraum von einer Woche als ein sehr kompaktes und gelungenes Konzept. In dieser Woche können die Teilnehmer richtig intensiv in das jeweilige Thema eintauchen, die Gruppengrößen sind beschaulich und diese majestätisch barocken Räumlichkeiten des Neuen Schlosses strahlen eine gewisse Ruhe aus, die zu der gesamten Atmosphäre sehr positiv beiträgt. Das Niveau der Teilnehmer steigt auch Jahr für Jahr merklich und diese Art konzentrierten, hochprofessionellen Arbeitens übertrifft bei Weitem jeden Volkshochschulkurs. Das ist auch der Grund, warum die Teilnehmer teils lange Anfahrten bis aus Kiel auf sich nehmen. Was man auch nicht vergessen darf: die Kunstwoche in Kißlegg entwickelt sich stetig weiter. In diesem Jahr empfand ich die Einrichtung der Open Studios und auch den Fachvortrag durch Dr. Stefan Feucht sehr erfrischend und wohltuend für das Gesamtkonzept.

 

Jetzt haben Sie uns neugierig gemacht. Was genau muss man sich unter den „Open Studios" vorstellen?

Die Idee der sogenannten „Open Studios" stammt aus Amerika. Außenstehenden war es dadurch in diesem Jahr nicht nur möglich, die Werke final in der abschließenden Finissage zu begutachten, sondern an zahlreichen Nachmittagen, immer ab 17 Uhr, den Künstlern im aktiven Schaffensprozess über die Schulter zu blicken und das Werk in seiner Entstehung zu verfolgen. Für uns Künstler bedeutete dies einen regen Publikumsverkehr und auch wir Teilnehmer selbst haben es sichtlich genossen von Atelier zu Atelier zu schlendern und uns durch die anderen Werke inspirieren zu lassen.

 

Dieses Jahr gab es ja auch erstmals einen Kurs rund um Lyrik und Poesie, der Kunstbegriff wurde um die Sprachkunst quasi erweitert.

Kunst entwickelt sich, möchte in kein starres Korsett gepresst werden. Daher fand ich es auch eine tolle Idee, das Konzept der Kunstwoche durch Herrn Weing mit seinen poetischen Grenzüberschreitungen zu erweitern. Unter Kunst verstehen die meisten noch immer vor allem das Malen. Dinge rund um die Sprachkunst sind eher exotischen Charakters. Besonders schön fand ich, dass eine Teilnehmerin aus einem der klassischen Kurse sich spontan entschlossen hat, eine kleine Lesung zu geben, hier im Atelier, in kleiner Runde. Das ist dann ein sehr kreativer Moment und eine inspirierende Vermischung von Kunstformen, die man sich als Veranstalter nur wünschen kann. Jürgen Weing hat das in diesem Jahr sehr schön angestoßen und ich bin mir sicher, dass dieser Kurs auch im kommenden Jahr ein voller Erfolg wird.

 

Werden Sie auch im nächsten Jahr wieder als Dozentin mit von der Partie sein?

Bisher spricht von meiner Seite nichts dagegen. Natürlich ist so eine Woche auch immer in einer gewissen Art und Weise fordernd, aber letztendlich ist die Begeisterung und der Zuspruch der Teilnehmer immer das überzeugendste Argument, auch im kommenden Jahr wieder vertreten zu sein. Man wächst ja in dieser Woche auch immer ein bisschen zu einer künstlerischen Familie zusammen, trifft auf bekannte Gesichter. Für mich ist dieser kreative Austausch essentiell, der den meisten Künstlern zu Hause, in ihren privaten Ateliers, meist fehlt. Die Finissage, der durchaus provokante und diskussionsfreudige Fachvortrag durch Dr. Stefan Feucht, die Atelierführung bei Herrn Huber - all das waren wunderbare Bereicherungen für das eigene kreative Schaffen, die ich nur ungern missen möchte.

Die Kißlegger Kunstwoche findet jedes Jahr im Herbst im Neuen Schloss Kißlegg statt. Ausführliche Informationen zur Veranstaltung unter www.kunstwoche-kisslegg.de.

Pressemitteilung Gemeinde Kißlegg

 

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