3Kißlegg - Fast ein halbes Jahrtausend im Sinne christlicher Nächstenliebe: Die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist in Kißlegg ist 440 Jahre alt geworden. Im festlichen Rahmen des Kißlegger Neuen Schlosses feierte sie das Jubiläum zusammen mit vielen Gästen. Bild: Zusammen mit Pater Provinzial Hubert Veeser und Pfarrer Josef Hänsler zelebrierte Prälat Michael H. F. Brock den Jubiläumsgottesdienst in der Heilig-Geist-Kapelle.

 

Manifestation der Barmherzigkeit

„Jenen die Hand reichen, die sich nicht selbst helfen können im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit – dies war der Wunsch von Hans Ulrich von Schellenberg“, sagte Vorstand Prälat Michael H. F. Brock über die Idee des Gründers der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist. Zusammen mit Pater Provinzial Hubert Veeser und Pfarrer Josef Hänsler hielt er den Jubiläumsgottesdienst in der Heilig-Geist-Kapelle. Brock sprach von einer Manifestation der Barmherzigkeit. „Menschen in Not haben aus christlicher Sicht ein Recht auf Fürsorge.“ Heute gelte es mehr denn je, die unbedingte Würde des Einzelnen zu achten und zu bewahren.

 

Christliche Motivation bis heute

Im barocken Ambiente des Kißlegger Neuen Schlosses trafen sich die Gäste dann zum Empfang und stießen auf 440 Jahre Stiftung Hospital zum Heiligen Geist an. Mit Blockflöte und Gitarre setzten Larissa und Julia Ziegler, beide Bundespreisträgerinnen von „Jugend musiziert“, klingende Akzente zwischen die Grußworte. S. D. Johannes Fürst von Waldburg-Wolfegg-Waldsee begrüßte die Geladenen als Aufsichtsratsvorsitzender und ehemaliger Kurator der Stiftung Hospital zum Hl. Geist. „An der christlichen Motivation hat sich im Laufe der Jahrhunderte nichts geändert.“ Im Jahr 1999 habe er die Kuratur an die Stiftung Liebenau übergeben. Mit einem Betreuungsdienst, Häusern in Kißlegg, Wolfegg und Bad Wurzach und der Übernahme der Rhein-Main-Bildung gGmbH in Frankfurt hat die Hospitalstiftung neue Aufgaben übernommen. „Auch sie sind ganz im Sinne des Gründers“, bekräftige S. D. Fürst Johannes.

 

Stiftung auf der Höhe der Zeit

„Zur Zeit der Gründer waren Sozialsysteme unbekannt und die Bedürftigen von Almosen abhängig“, erinnerte Regierungspräsident Dr. Jörg Schmidt an die Zeit, als Adlige ihr Vermögen in Hospitalstiftungen eingebracht hatten, motiviert durch das Gebot christlicher Nächstenliebe. Seit 2010 hat die Hospitalstiftung in Abstimmung mit der Stiftungsaufsicht des Regierungspräsidiums Tübingen eine neue, zeitgemäße Satzung. „Die Texte sind zwar nüchterner als damals, aber es geht nach wie vor darum, das Vermögen einem guten Zweck zuzuführen“, so Dr. Schmidt. „Damit ist die Hospitalstiftung auf der Höhe der Zeit.“ Nicht zuletzt sei sie ein wichtiger Arbeitgeber und Teil der gemeindlichen Infrastruktur.

 

Praktizierte Nächstenliebe auch in Zukunft

„Stiftungsgründer Ulrich und seine Frau Anna wären sehr zufrieden, wenn sie heute hier wären“, lobte Dieter Krattenmacher, Bürgermeister der Gemeinde Kißlegg. „Mit der Stiftung Liebenau und der St. Anna-Hilfe die Weichen neu zu stellen war die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit.“ Müsse doch eine Stiftung heute anders geführt werden als vor einem halben Jahrtausend. Thomas Ducrée, Mitglied des Beirats des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, sieht die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist als Beleg für die Zukunftsfähigkeit und einzigartige Sinnhaftigkeit von Stiftungen. Heute zeige sie sich professionell gemanagt und organisiert. „Ich wünsche mir, dass sie ihre Aufgaben im Sinne der praktizierten Nächstenliebe noch lange fortsetzt“, sagte Ducrée.

 

Musik aus vier Epochen

Im Anschluss an den Festakt begleitete das Tuba-Quartett der Jugendmusikschule Württembergisches Allgäu unter der Leitung von Thomas Räth mit Musik aus vier Epochen die Menüfolge durch die Jahrhunderte. Dabei spannten die jungen Musiker den Bogen von der Renaissance über Barock und Klassik bis zur Moderne. Thomas B. Weiland gab zu den einzelnen Gängen passende, humorvolle Kostproben aus seinem Buch „Das Hospital zum Heiligen Geist in Kißlegg. Ein Streifzug durch die Geschichte“. So erfuhr man zur Vorspeise mit Forellenfilet was auf dem Speisezettel von 1722 stand: Milchsuppe, „Brennt’s Mus“, Knöpfle und fast täglich Kraut gab es für die Pfründner. Streng geregelt war das Zusammenleben in früheren Zeiten“, erfuhren die Festgäste zum Dessert. So war der Alkoholgenuss, „unnötiges Geschwätz“ und „Ausschwärmen bei Nacht“ gar nicht gern gesehen. Heute sei das selbstbestimmte Wohnen im Alter eine Selbstverständlichkeit, so Weiland.

 

Pressemitteilung Stiftung Liebenau

 

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Vorstandsvorsitzender Dr. Berthold Broll (ganz re.) begrüßt die Festredner: Bürgermeister Dieter Krattenmacher (stehend), Johannes Fürst zu Waldburg-Wolfegg-Waldsee mit Gattin Viviana und den neuen Präsidenten des Regierungsbezirks Tübingen Dr. Jörg Schmidt.

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Die Begrüßungsrede hielt der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist: Johannes Fürst zu Waldburg-Wolfegg-Waldsee.

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Gratulierte der ältesten bürgerlichen Stiftung im Landkreis Ravensburg zum 440-jährigen Jubiläum: der neue Regierungspräsident Dr. Jörg Schmidt.

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