Zürich – Keine Woche ist es jetzt her, da konnte Kris Kristofferson seinen 81. Geburtstag feiern. Am Mittwochabend stand er schon wieder auf der Bühne des ausverkauften Zürcher Kongresshauses, wohlgemerkt ganz ohne Band, nur er alleine im Scheinwerferkegel, mit Gitarre und Mundharmonika. Die Besucher durften einer Sternstunde der Musik beiwohnen und bekamen dazu noch eine unbezahlbare Lehrstunde über Stolz, Gottvertrauen, Verwegenheit und Lebensweisheit obendrauf.

 

Kristofferson hat englische Literatur studiert, ging 1960 in die US Army und wurde Hubschrauberpilot. 1965 vierließ er die Army und zog nach Nashville, um dort seine Musikkarriere zu beginnen. Kein geringerer als Johnny Cash erkannte sein Talent und landete mit dem von ihm geschriebenen Song „Sunday Morning Coming Down“ einen Nummer-Eins-Hit. Janis Joplin wurde durch seinen Song „Me and Bobby McGee“ weltbekannt und Kristofferson wurde als Sänger ebenfalls erfolgreich und sogar mehrmals mit Grammys ausgezeichnet.

 

Als Schauspieler kennt man ihn aus „Cisco Pike“, in dem er neben Gene Hackman die Hauptrolle spielte, aus „A Star Is Born“ an der Seite von Barbra Streisand oder aus Western wie „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ und dann natürlich, unvergessen, in „Convoy“ als Trucker „Rubber Duck“.

 

Was Kristofferson in Zürich abliefert ist kaum zu toppen, zweimal eine dreiviertel Stunde alleine auf der Bühne und man hätte zu jeder Zeit eine Stecknadel fallen hören. Die Fans hängen ihm abgöttisch an den Lippen und kennen seine Textzeilen in- und auswendig. Ein schier unerschöpfliches Repertoire hat dieser Ausnahmekünstler in seiner Karriere geschaffen und so spielt er, wahrscheinlich weil er es einfach so will, schon zwei seiner größten Hits, „Me and Bobby McGee“ und „Help Me Make It Through The Night“, gleich am Anfang und eben nicht als die obligatorischen Zugaben.

 

Keine Minute Langeweile an diesem Abend, jeder Song ist eine kleine Geschichte für sich, mal von der Liebe, mal von Frauen, vom Geld, von Gott, vom Alkohol und natürlich den Drogen. Fast wäre auch Kristofferson daran zu Grunde gegangen, aber er ist auch ein lebendiges Beispiel von seinem oft besungenen „Gottvertrauen“ und dass es doch immer irgendwie gut ausgeht im Leben.

 

„The Silver Tounged Devil“ oder „Jody And The Kid“, es ist alles unglaublich wahrhaftig und man spürt die Sensibilität und Sanftheit dieses lebensweisen Mannes. Einfach grandios, wie er mit seiner immer noch unverkennbaren, vielleicht etwas zerbrechlicher als früher klingenden Stimme, mit einem „One, Two, Three…“, die Lieder in den Takt bringt.

 

Geradezu herzergreifend wird es als er die Zugabe „Please don´t tell me how the story ends“ anstimmt. Der Text könnte angesichts seines Alter traurig stimmen, aber bei ihm funkeln in diesem Moment aufmüpfig die Augen und man erkennt in diesem Blick immer noch den Draufgänger, dem er sein ganzes Leben gegeben hat. Ein grandioser Konzertabend geht zu Ende und Zürich gibt ihm für diesen Auftritt wohlverdient Standing Ovations.

 

Waylon Jennings, Willie Nelson, Johnny Cash und Kris Kristofferson waren einst „The Highwaymen“, übriggeblieben davon sind nur noch Nelson und Kristofferson, beide inzwischen über 80 und immer noch auf Tour. Zumindest Kris Kristofferson sollte man sich in diesen Sommer auf keinen Fall entgehen lassen. Gelegenheit dazu gibt es noch am 30. Juni in Ludwigsburg, am 3. Juli in Frankfurt, am 4. Juli in Ulm und am 6. Juli in Freiburg.

 

Text und Bilder von Oliver Hofmann

 

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