Heike Riester   200Ravensburg - Die Krankheitszahlen weisen einen steigenden Trend auf: Schuld ist nicht nur die Zunahme an Neuerkrankungen, sondern auch die gesteigerte Sensibilität gegenüber dem Thema. (Bild: Heike Riester - AOK-Ernährungsfachkraft)

 



Wem nach dem Essen der Magen schmerzt, der Darm rumort, die Schleimhäute anschwellen oder die Haut juckt, der denkt automatisch an eine Lebensmittelallergie. Häufig ist es aber „bloß“ eine Lebensmittelunverträglichkeit. Eine Allergie entsteht, wenn das Immunsystem auf kleinste Mengen eigentlich harmloser Stoffe Antikörper bildet. Beim nächsten Kontakt reagiert das Immunsystem dann sofort mit Symptomen wie Atemwegsproblemen, Hautreizungen, Magen-Darm-Beschwerden oder sogar einem Schock. Bei den wesentlich häufiger auftretenden Lebensmittel-Intoleranzen ist das Immunsystem nicht beteiligt. Lebensmittelbestandteile können vom Darm nicht ins Blut transportiert werden. Das führt zu Beschwerden insbesondere im Magen-Darm-Bereich.

Milchzucker als Übeltäter: Laktose ist bei uns „Säugetieren“ vor allem für Babys vorgesehen. Das erwachsene Verdauungssystem kann manchmal den Milchzucker (Laktose) nicht verwerten, was zu Durchfällen, Blähungen, Völlegefühl und Bauchkrämpfen führt. Da wir Deutschen sehr viel Milchprodukte zu uns nehmen, ist unser Körper jedoch normalerweise an den Milchzucker gewöhnt. In der Region Bodensee-Oberschwaben waren in 2016 aber 1.300 AOK-Versicherte wegen einer Laktoseintoleranz in ärztlicher Behandlung (Landkreis Ravensburg: 503, Landkreis Sigmaringen: 420, Bodenseekreis: 377). 2012 waren es noch 765 AOK-Versicherte (Landkreis Ravensburg: 306, Landkreis Sigmaringen: 193, Bodenseekreis: 266). „Menschen, die bei sich eine Milchzuckerunverträglichkeit feststellen, müssen selten ganz auf Milchprodukte verzichten. Oft genügt es bereits, weniger Milchprodukte zu essen. Zudem spielen Temperatur, Zeitpunkt und Konsistenz eine Rolle. Flüssiges wird meistens schlechter vertragen als feste Speisen. Das muss der Betroffene ausprobieren“, empfiehlt AOK-Ernährungsfachkraft Heike Riester, die bei Laktose-Intoleranz berät. Eine Laktose-Intoleranz kann der Arzt mit einem Test feststellen.

Gesundheitsrisiko Getreide: Auslöser für die Unverträglichkeit auf die Getreidesorten Weizen, Gerste, Roggen und Dinkel ist das Klebereiweiß Gluten, das die Darmzotten schädigt. Dadurch kann der Körper nicht ausreichend Nährstoffe aufnehmen und erkrankt an Blutarmut, Osteoporose, Vitamin- und Mineralstoffmangel oder Wachstumsstörungen. Betroffene müssen eine glutenfreie Diät einhalten – es gibt keine Medikamente. Im Handel findet man jedoch eine gute Auswahl an glutenfreien Nudeln, Brot und Kuchen. Glutenfreie Alternativen sind Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth und Quinoa. Mit viel Gemüse, Obst, Kartoffeln und Hülsenfrüchten beugen Betroffene einem Ballaststoffmangel vor. Die Glutenunverträglichkeit oder auch Zöliakie genannt kann der Arzt durch einen Bluttest (Transglutaminase-IgA-Antikörpertest) feststellen. Der nächste Schritt ist dann eine Darmbiopsie, es werden mehrere Gewebeproben aus dem Zwölffingerdarm entnommen. In der Region Bodensee-Oberschwaben waren in 2016 268 AOK-Versicherte wegen einer Zöliakie in ärztlicher Behandlung (Landkreis Ravensburg: 110, Landkreis Sigmaringen: 87, Bodenseekreis: 71). 2012 waren es 159 AOK-Versicherte (Landkreis Ravensburg: 69, Landkreis Sigmaringen: 52, Bodenseekreis: 38).

Die Anzahl Versicherter, die unter den Nahrungsmittelunverträglichkeiten Laktoseintoleranz und Zöliakie leiden, steigt bis zum jungen Erwachsenenalter stark an. Unter den AOK-Versicherten sind mehr Frauen wegen Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Behandlung als Männer; dies gilt sowohl für Laktoseintoleranz als auch für Zöliakie. Die Behandlungsprävalenz aufgrund von Nahrungsmittelunverträglichkeiten hat in den letzten Jahren sowohl für Frauen als auch für Männer zugenommen. „Es konnten nur Versicherte ermittelt werden, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden, die Dunkelziffer könnte höher sein“, so Heike Riester und ergänzt: „Es ist zu bedenken, dass die Steigerung der Krankheitszahlen nicht ausschließlich mit einer Zunahme an Neuerkrankungen zu erklären ist, sondern auch die gesteigerte Sensibilität gegenüber dem Thema Nahrungsmittelunverträglichkeit sowohl auf ärztlicher als auch auf Versichertenseite nimmt hier Einfluss.“

Werden Lebensmittelunverträglichkeiten festgestellt, helfen die Ernährungsfachkräfte der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben persönlich bei der Ernährungsumstellung.

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