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Bad Wurzach - Große Freude bei den Verantwortlichen des Naturschutzzentrum Wurzacher Ried und bei der Stadt: Das für u.a. auch den Fremdenverkehr so wichtige Europa-Diplom für das Naturschutzgebiet Wurzacher Ried ist jetzt offiziell bis Juli 2029 verlängert worden. Bild: Horst Weisser, Leiter des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried und Bürgermeisterin Alexandra Scherer freuen sich über die Erneuerung des Europadiplomes. Aus diesem Anlass hatte Horst Weisser extra die Orginal-Urkunde von 1989 aus dem Archiv geholt.

 

Dies nahmen Horst Weisser, der Leiter Naturschutzzentrum und Bürgermeisterin Alexandra Scherer, qua Amtes die Vorsitzende der Stiftung Naturschutz Bad Wurzach, bei einem Pressegespräch zum Anlass, die von der Europäischen Kommission an die Erneuerung des Diplomes geknüpften Bedingungen und Empfehlungen zu analysieren.

 

Bürgermeisterin Scherer freute sich sehr, dass der Gutachter Robert Brunner, der im Juni/Juli 2018 die Erfüllung der Vorbedingungen überprüft hatte, so begeistert war von dem vorherrschenden Konsens und darüber, dass alle Beteiligten an einem Strang zogen.

Ihr war auch wichtig, dass in dessen Expertise auch der Bau eines Turmes, um den Besuchern einen ungestörten Blick über einen Großteil des Naturschutzgebietes zu ermöglichen, mit in dessen Empfehlungen steht. Denn die Stadt hat im Haushaltsplan dafür bereits für die Vorplanungsarbeiten einen Betrag eingestellt, auch um damit die Ernsthaftigkeit an dem Projekt zu untermauern.

 

Horst Weisser war auch hocherfreut darüber, dass Gutachter und Kommission sich so positiv und aufgeschlossen dem bisher Geleisteten gezeigt hatten und auch mit den nun gestellten Bedingungen und Empfehlungen ganz auf der Linie der Bad Wurzacher Naturschützer lagen. „Sie haben uns keine Steine in den Weg gelegt.“

Bürgermeisterin Scherer bestätigte die gute Arbeit, die Bad Wurzach geleistet werde: „Alle Bemühungen um den Rückbau wurden mit viel Fingerspitzengefühl durchgeführt.“

 

Insgesamt listet das Gutachten eine (verpflichtende) Bedingung und sechs Empfehlungen auf.

Die Bedingung bezieht sich auf die Ergänzung des FFH-Management für die gesamte Fläche des Gebietes, sodass alle noch vorhandenen „weißen Flecke“ auf der Karte getilgt werden. Dies sei laut Horst Weisser auch ein selbstgestecktes Ziel und bereits in Arbeit.

 

Der Gutachter und die Kommission empfehlen in ihrer Expertise, alle möglichen Methoden zu erforschen, wie die beiden Wassersysteme der durch die B 465 getrennten Teile des Riedes über Kanäle verbunden werden können. Eine weitere Empfehlung betrifft die Aufstellung eines Präventionsplanes, um artfremde Pflanzenarten vom Ried fern zu halten. Hier sieht sich Horst Weisser auf einem guten Weg und erinnerte an ein einen großen Bauhofeinsatz, mit dem die Ausbreitung des Japan-Knöterich erfolgreich bekämpft worden war.

Zur Turmfrage erklärte die Bürgermeisterin, wenn die Standortfrage geklärt sei, könne mit den eigentlichen Planungen begonnen werden. Parallel dazu liefen natürlich bereits Pläne und Gespräche zur Finanzierung. Der Turm sei sehr wichtig, um den Besuchern und Einheimischen einen Einblick in das Naturschutzgebiet zu bieten und um die Akzeptanz der getroffenen Maßnahmen zu erhöhen.

Scherer und Weisser freuen sich auch, dass die Aktionen der Kunstflieger, die nicht nur den Naturschützern, sondern auch vielen Bad Wurzachern ein Ärgernis waren, mit in die Liste aufgenommen wurden. „Es war schwierig, einen Fuß in die Tür zu bekommen“ sagte Weisser, „weil das zuständige Amt eine Bundesbehörde ist.“ Aber er freute sich nun um so mehr, „dass da ein Prozess in Gang gekommen ist.“

Die fünfte Empfehlung betrifft den Landankauf von landwirtschaftlich genutzten Grundstücken bei Albers, um dort den Nährstoffeintrag zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Da stehe das Land Baden-Württemberg mit der halbstaatlichen Landsiedlung Baden-Württemberg GmbH bereits  in Verhandlungen.

Und schließlich empfiehlt das Gutachten die ganzheitliche Betrachtung des Wurzacher Beckens mit seinen Moränenhügeln, das geologisch z.B. in West-Ostrichtung von Molpertshaus bis nach Hauerz reiche. In Zeiten der Energiewende (Stichwort: Wind- und Solarenergie) werde dies zukünftig immer mehr zum Thema werden. Natürlich werde diese Empfehlung nur in Bereichen der Sichtweite zum Ried relevant werden.

Horst Weisser fasste seine Freude über die Erneuerung des Diplomes für das „größte intakte Hochmoorfläche in Mitteleuropa“ so zusammen:  „Wir sind unter den 73 mit dem Diplom ausgezeichneten europäischen und den acht deutschen Gebieten eines der kleinsten, aber auch eines der feinsten.“

Bürgermeisterin Scherer erklärte, die Entwicklungsstrategie der Stadt basiere auf der Natur als Grundlage. Die besondere Klimaschutzausrichtung werde zukünftig noch verstärkt.

 

Bericht und Bild: Ulrich Gresser

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