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Landkreis Ravensburg - Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling bringt in Pressemitteilungen seine Sorgen über die Zinsentwicklung im Euro-Raum zum Ausdruck. Dabei sieht er auch eine mögliche Minuszins-Weitergabe an Privatkunden. Die Bildschirmzeitung erkundigte sich nach der Zinspolitik der regionalen Banken. Der Vorstand der Volksbank Allgäu Oberschwaben, Josef Hodrus, gibt umfassende Informationen zur aktuellen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und der Volksbank Allgäu Oberschwaben.

 

 

Fragen an die Banken
(Die Kreissparkasse beantwortet die Fragen bei einem Pressegespräch am 19.09.2019)

 

Die Europäische Zentralbank setzt den Zinssatz für Finanzinstitute auf minus 0,5%. Dieser Zinssatz müssen Kreditinstitute bezahlen, wenn bei der Zentralbank Geld geparkt wird. Erläutern Sie unseren Lesern bitte diese Systematik, weshalb ein Kreditinstitut für das Parken von Geld etwas bezahlen soll?

 

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt legt für die 19 Länder des Euroraums die Geldpoltik fest. Eine Kernaufgabe der EZB ist es, für stabile Preise zu sorgen. Um dies zu erreichen, beeinflusst sie die Menge an Geldmitteln, die den Banken und letztlich auch den Unternehmen und Bürgern zur Verfügung stehen. Ein wichtiges geldpolitisches Steuerungsinstrument dafür ist der Leitzins. Ist der Leitzins niedrig, sind auch die Zinsen für Kredite und Einlagen niedrig.

Im Juni 2017 hat die EZB erstmals den Einlagenzins in den negativen Bereich gedreht. Seitdem müssen Banken auf Geld, welches sie bei der EZB hinterlegen, Zinsen bezahlen. Banken sind gesetzlich dazu verpflichtet, eine sogenannte Mindestreserve bei der EZB zu halten. Diese Mindestreserve soll unter anderem zur Stabilisierung der Geldmarktzinsen beitragen.

Das Ziel der Niedrigzinspolitik ist es, durch günstige Finanzierungsbedingungen die Wirtschaft anzukurbeln. Dies soll dazu beitragen, dass die Verbraucherpreise stärker ansteigen. Wir glauben aber nicht daran, dass die Minuszinspolitik der EZB die Investitionsfreudigkeit der Unternehmen anregt. Aus unserer Sicht sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und nicht der geringe Zins ausschlaggebend. Damit vertreten wir auch die Meinung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e. V. (BVR), der die geldpolitischen Maßnahmen der EZB mit Nachdruck kritisiert - und das schon seit Jahren. In einer Pressemitteilung vom 12.09.2019 erklärte die Präsidentin des BVR, Marija Kolak: "Die EZB betreibt eine Geldpolitik mit der Brechstange, wo Geduld gefragt ist. Es wäre besser gewesen, die Geldpolitik unverändert zu belassen und die weitere Stimulierung der Wirtschaft durch die günstigen Finanzierungsbedingungen abzuwarten." Auch Andreas Martin, Vorstandsmitglied des BVR, betonte vor einigen Tagen: "Aus unserer Sicht ist eine weitere Absenkung des Einlagenzinssatzes nicht erforderlich. Sollte sie aber dennoch kommen, dann fordern wir Freibeträge oder Staffelzinsen." Auch wir fordern die EZB und die Politik auf, zur Normalität in der Zinspolitik zurückzukehren. Das Überlassen von Kapital an ein Kreditinstitut muss eine Zinsgutschrift mit sich bringen.

 

 

Die Ertragsmöglichkeiten der Banken werden zusehends schwieriger. Diversifizieren und erweiterten Sie mit Ihrem Institut Ihre Einnahmequellen ?

Die aktuelle Politik der EZB gefährdet das Geschäftsmodell der Regionalbanken. Der Rückgang des Zinsergebnisses kann nicht durch weitere Einsparungen ausgeglichen werden. Aktuell halten wir aber an unseren Einnahmequellen fest.

 

 

Plant Ihre Bank die Minuszins-Politik an ihre Kunden weiter zu geben? Ab welchem Betrag werden von der Bank Minuszinsen gefordert?

 

Die Volksbank Allgäu-Oberschwaben eG (VBAO) verlangt von Firmenkunden aktuell ab einem Guthaben pro Giro- oder Geldmarktkonto von 500.000 Euro bzw. einem Gesamtguthaben ab 1,0 Mio. Euro einen Negativzins. Bei Privatkunden ist dies derzeit nicht der Fall.

Wir sind uns sicher, dass wir ein verlässlicher Finanzpartner in unserer Region sind - auch ohne Negativzinsen für Privatkunden. Prinzipiell glauben wir nicht daran, dass durch die Minuszinspolitik der EZB die Investitionsfreudigkeit der Unternehmen angeregt wird. Aus unserer Sicht sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und nicht der geringe Zins ausschlaggebend.

 

 

Ist in absehbaren Zeiten mit weiteren Veränderungen wie Kontoführungsgebühren o.ä. zu rechnen?

 

Auch bei unseren Kontomodellen wird es in der nächsten Zeit keine Änderungen geben. Seit 01.10.2018 gibt es für unsere Kunden neue Kontomodelle. Hier können sowohl die Privat- als auch die Firmenkunden aus jeweils drei Modellen wählen und entscheiden, welches am besten zu ihnen passt.

 

 

Die Fragen wurden beantwortet von Josef Hodrus, Vorstandssprecher der Volksbank Allgäu-Oberschwaben eG.

Die Bildschirmzeitung bedankt sich herzlichst!

 

 

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