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Weissenau - Eine menschliche Psychiatrie braucht genug Personal. Mit dieser Botschaft gehen Mitarbeiter/innen psychiatrischer Einrichtungen dieser Tage bundesweit an die Öffentlichkeit. Auch Beschäftigte im ZfP Weissenau sind am 09.10.2018 mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion zusammen gekommen. Sie sorgen sich, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unzureichende Personalstandards beschließen könnte.

 

Krankenkassen und Kliniken verhandeln in dem Gremium über neue Personalmindeststandards, die die geltende Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) ersetzen sollen. Patientenvertreter/innen und Fachverbände haben lediglich eine beratende Funktion.

 

Die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft ver.di fordern, dass die Vorgaben dem tatsächlichen Bedarf in den Psychiatrien entsprechen. »Wir wollen eine Psych-PV plus, die den gestiegenen Personalbedarf berücksichtigt und eine gute Versorgung sowie gesunde Arbeitsbedingungen gewährleistet«, betont Benjamin Andelfinger Gewerkschaftssekretär von ver.di.

Personalmangel in der Psychiatrie habe dramatische Folgen, sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Beschäftigte, erläutert der ver.di Vertrauensleute Sprecher Roland Motz. »Die in der Psychiatrie vor allem notwendige Beziehungsarbeit braucht genug Zeit, nur dann können Patientinnen und Patienten optimal versorgt und behandelt werden.« Seien zu wenige Kolleg/innen vor Ort, komme es häufiger zu Gewalt gegen Beschäftigte. Auch Zwangsmaßnahmen, wie Fixierungen, könnten nur bei einer ausreichenden Personalausstattung weitgehend vermieden werden. »Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil vom Juli 2018 die Regelungen zu Zwangsfixierungen zu Recht verschärft. Jetzt stehen Arbeitgeber, Krankenkassen und Regierung in der Pflicht, für die nötigen Rahmenbedingungen zu sorgen«, so Roland Motz.

Mit den Aktionen will ver.di den Druck auf Klinikbetreiber und Versicherungen erhöhen, angemessene Personalstandards festzulegen. »Die Verhandlungen laufen hinter verschlossenen Türen. Wir Beschäftigte haben keinen Einfluss, werden nicht einmal angehört«, kritisiert Benjamin Andelfinger. »Das ist ein Unding, denn wir sind es, die täglich mit den Folgen der Personalnot konfrontiert sind«, so der Personalrat. Die Vorgaben müssten zudem verbindlich eingehalten werden. Aktuell werde die Psych-PV vielfach unterlaufen, Sanktionen erfolgten allerdings nur selten. Das liege auch daran, dass viele Kliniken ihrer Nachweispflicht schlicht nicht nachkämen. »So kann es nicht weitergehen. Dass psychisch kranke Menschen gut betreut werden, ist nicht nur im Interesse der Beschäftigten und Patienten, sondern auch der Gesellschaft als Ganzes.«

 

Bericht und Bild verdi
Benjamin Andelfinger

 

 

 

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