06Landw Bezirkslehrfahrt 2018Kreis Ravensburg – Die vom Landwirtschaftsamt Ravensburg jährlich organisierte Bezirkslehrfahrt lockte Anfang Juli wieder rund 500 interessierte Landwirte mit ihren Familien, Besucher aus Politik, Verbänden, Agrarhandel, Banken und Wirtschaft sowie Schulklassen an. Auf dem Programm stand die Besichtigung von drei Milchviehbetrieben, die sich entgegen dem Trend der Automation für eine konventionelle Melktechnik entschieden haben. Bild: Betriebsleiter Christoph Müller im Gespräch mit Bürgermeisterin Katja Liebmann (Gemeinde Schlier), Landrat Harald Sievers und Landwirtschaftsamtsleiter Albrecht Siegel



Die Teilnehmer wurden von Landwirtschaftsdezernent Gerd Hägele begrüßt, der in seiner Ansprache auf die Erwachsenenbildungs- und Beratungsangebote des Landwirtschaftsamtes verwies und über den erfreulichen Zuschlag des Landkreises zur Biomusterregion berichtete. Landwirtschaftsamtsleiter Albrecht Siegel stellte anschließend die neuen Mitarbeiter des Landwirtschaftsamtes sowie aktuelle landwirtschaftliche Themen vor. Anders als erhofft werde die Derogationsregelung für Grünland in den kommenden zwei Jahren noch nicht kommen, daher bete er die Landwirte, auf ihre Nährstoffbilanzen zu achten.


Auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete Waldemar Westermayer informierte im Laufe des Programms über die Novellierung der Düngeverordnung sowie über die Finanzierung der ersten und zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2020. Landrat Harald Sievers freute sich über das große Interesse an der Lehrfahrt und dankte den Bauherren, die ihre Ställe für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatten.


Auf dem Gemischtbetrieb der Familie Hansjörg Litz in Wolpertswende-Stroppel mit Milchvieh und Obstanbau werden 96 Kühe gehalten. Die durchschnittliche Jahresmilchleistung beträgt 10.700 Kilogramm. Die bestehenden Stallgebäude wurden in den vergangenen Jahren nach und nach umgebaut und erweitert. Aus dem ehemaligen Anbindestall wurden inzwischen ein Boxenlaufstall für die weibliche Nachzucht sowie ein Vorwarteraum und ein Doppel 5er Fischgrätenmelkstand für die laktierende Herde. Im vergangenen Jahr wurde zudem ein großzügiger Offenstall mit Abkalbebuchten, Kälberboxen und Plätzen für trockenstehende Kühe fertig gestellt.


Der Neubau schließt nahtlos an die bestehenden Betriebsgebäude an, sodass der Futtertisch praktischerweise verlängert werden konnte. Der Unterbau des Gebäudes wurde in kompletter Eigenleistung erbracht. Bei der Schieberentmistung wurde die Führungsrille lediglich in den Boden gefräst und die Anzahl der Antriebswinden halbiert. Durch diese und weitere Maßnahmen wurden die Kosten für Stall und Technik bemerkenswert gering gehalten. Ziel der Familie war es, durch den Neubau das betriebliche Management und die Tiergesundheit zu optimieren, ohne die Anzahl der Tiere aufzustocken.


Der Betrieb der Familie Christoph Müller in Schlier wirtschaftet seit dem Jahr 2016 nach Bioland-Richtlinien. Dementsprechend haben die Tiere im Sommer freien Zugang zur Weide und einen Außenlaufhof für den Winter. Der neu gebaute Boxenlaufstall umfasst 47 Kuhplätze und 35 Plätze für die weibliche Nachzucht. Mit einer durchschnittlichen Jahresmilchleistung von 8.200 Kilogramm liegt der Betrieb im oberen Bereich der Biomilcherzeuger. Antonia Müller sieht den Grund dafür in vielen einzelnen Aspekten.


Unter anderem ist sie davon überzeugt, dass ihr Jungvieh besser heranwächst, weil es wie die Milchkühe auch auf Spaltenboden mit Tiefstreuboxen gehalten wird. Des Weiteren ist der komplette Fressgang, in dem sich die Tiere viel aufhalten, mit Gummimatten ausgelegt. Gemolken werden die Kühe in einem 2x3 Autotandem-Melkstand. Um ganzjährig angenehme Temperaturen im Melkstand zu gewährleisten, kann das gesamte Dach des Melkstandes mittels einer Winde geöffnet oder geschlossen werden. Zusätzlich zum Neubau wurde ein Güllegrube errichtet, der Altstall umgebaut, mit Abkalbebuchten und Kälberbuchten ausgestattet und ein Heukran in den alten Heustock eingebaut. Betriebsleiter Christoph Müller wies jedoch auch darauf hin, dass die Phase der Umstellung von der konventionellen auf die biologische Wirtschaftsweise, vor allem aufgrund der Mehrkosten ohne entsprechende Entlohnung, keine einfache Zeit gewesen sei und ermutigte die Landwirte, in schwierigen Zeiten zusammenzuhalten.


Der Betrieb der Familie Matthias Zürn in Wangen-Primisweiler stellte in den vergangenen Jahren ebenfalls von der konventionellen auf EU-Bio-Landwirtschaft um und ist mittlerweile Naturland-zertifiziert. Dem Neubau des freistehenden Laufstalls mit angebautem Laufhof, der erst im Frühjahr 2018 fertiggestellt wurde, ging eine lange und gründliche Planung voraus. Die 110 Kühe des Betriebes werden in einem separaten Melkhaus mit einem 16er Swing-Over Melkstand gemolken. Die durchschnittliche Jahresmilchleistung beträgt 8.500 Kilogramm. Die Laufgänge bestehen aus Fertigelementen mit Rillen, die auf Split verlegt wurden; die Entmistung erfolgt mit einem kammartigen Schieber, der in den Rillen läuft. Bei den Liegeboxen entschied sich der Betriebsleiter für Sandbettwabenboxen mit Dinkelspelzenpellets.


Die Pellets haben den Vorteil, dass sie bei Nässe aufquellen und die Feuchtigkeit aufnehmen. Eingestreut werden laut Betriebsleiter alle zwei Wochen circa zwei Tonnen Dinkelspelzenpellets. Die Kosten pro Tonne liegen zwischen 120 und 140 Euro. Momentan ist die Jungviehaufzucht noch ausgelagert. Die alten Stallgebäude werden jedoch derzeit so umgebaut, dass die eigene Nachzucht in Zukunft am Hof aufgezogen werden kann. Eine Besonderheit ist die Erweiterbarkeit des neuen Stalles. So besteht die Möglichkeit, den Stall in identischer Weise auf die gegenüberliegende Seite zu spiegeln und somit den Bestand zu verdoppeln.


Die Bezirkslehrfahrt verdeutlichte einmal mehr, welche Herausforderungen auf die Landwirtschaft zukommen. Gleichzeitig wurden den Besuchern Möglichkeiten aufgezeigt, wie es gelingen kann, landwirtschaftliche Betriebe mit Mut, unternehmerischem Handeln, individuellen und innovativen Lösungen für die Zukunft zu wappnen.



Presseinformation LANDRATSAMT RAVENSBURG


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