vs560Baden Württemberg - Das Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen (SOS) wird verlängert. Abteilungspräsident Dietmar Enkel, Landrat Harald Sievers und die Geschäftsführerin der PRO REGIO Oberschwaben GmbH, Christine Funk, unterzeichneten am 1. Juli 2015 in Kißlegg die Vereinbarung zur Fortführung des Programms über weitere 5 Jahre. Bild: Burkhard Schneider, Leiter der Abteilung Wasser bei der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Harald Sievers, Landrat des Landkreises Ravensburg, Dietmar Enkel, Abteilungspräsiden der Abteilung Umwelt beim Regierungspräsidium Tübingen, Christine Funk, Leiterin der PRO REGIO Oberschwaben GmbH, (sitzend von links) und Albrecht Trautmann, PRO REGIO Oberschwaben GmbH, (stehend) bei der Vertragsunterzeichnung.

 

„Die Landschaft Oberschwabens und des Allgäus wird insbesondere durch die zahlreichen Seen und Weiher geprägt. Diese Gewässer sind für viele, oftmals gefährdete Tier- und Pflanzenarten wichtiger Lebensraum und sie dienen der Naherholung und dem Tourismus. Sie sind aber auch kulturhistorische und geologische Denkmale, die es für die Nachwelt zu erhalten gilt. Das oberschwäbische Seenprogramm leistet zum Erhalt der Seen und Weiher wichtige Beiträge“, so Abteilungspräsident Dietmar Enkel bei der Unterzeichnung. Landrat Harald Sievers hob hervor, dass auch der Wirtschaftsstandort durch eine intakte und vielgestaltige Landschaft gestärkt wird, da dies ein wichtiges Kriterium für die Ansiedlung von Betrieben sei. Und dazu gehören die Seen und Weiher im Besonderen, so dass ihre Erhaltung und Verbesserung ein ökonomischer Standortfaktor sei. Die interdisziplinäre Ausrichtung des Seenprogrammes sei für diese Arbeit die Erfolgsbasis. Dies wird von der Geschäftsführerin der PRO REGIO Oberschwaben GmbH, Christine Funk, bestätigt. „Vor allem die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Fachverwaltungen sowie der Gemeinden, Gewässereigentümer und der Fischereivereine hat wesentlich zum Erfolg beigetragen“, so Christine Funk weiter.

In Baden-Württemberg gibt es über 4000 Stillgewässer. Über die Hälfte davon befinden sich in den Landkreisen Ravensburg, Bodenseekreis, Biberach und Sigmaringen. Ein Teil davon sind natürliche Seen, deren Entstehung eng mit der letzten Eiszeit verknüpft ist. Neben diesen natürlich entstandenen Gewässern gibt es aber eine Vielzahl insbesondere im Mittelalter künstlich angelegter Weiher, die als kulturhistorische Elemente unsere Landschaft mitprägen. Diese Weiher dienten den Klöstern und Adelshäusern zur Fischzucht oder zum Mühlenbetrieb und hatten noch eine Reihe weiterer Funktionen wie zum Beispiel als Löschwasserteich, als Hochwasserrückhaltung oder als Staubecken zur Wiesenbewässerung. Torf- und Kiesbaggerseen dagegen stammen aus jüngerer Zeit und werden zum Teil auch noch aktuell genutzt. Durch die vielfältige Bedeutung der Seen und Weiher für Erholung, Fischerei, Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung und den gleichzeitig hohen ökologischen Wert entstehen häufig Spannungsfelder zwischen Nutzung und nachhaltiger Entwicklung.

Deshalb wurde 1989 das Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen (SOS) ins Leben gerufen. Ziel ist es, die bedrohlichen Entwicklungen hinsichtlich Eutrophierung, Verlandung und der hygienischen Belastungen durch eine Verringerung der Nährstoffeinträge aufzuhalten. Seit Beginn des Aktionsprogramms zur Sanierung oberschwäbischer Seen (SOS) sind bereits für 106 Seen und Weiher entsprechende Sanierungsmaßnahmen umgesetzt worden. Im Bereich der Gewässer sind seither rund 3,8 Mio. Euro vom Land Baden-Württemberg und rund 1,4 Mio. von den Gemeinden für Gewässerentwicklungspläne, Erwerb von Gewässerrandstreifen, ökologische Verbesserungen der Zuläufe, dem Bau von sogenannten Mönchen und Absetzbecken investiert worden. Die Gemeinden des Seenprogrammes sind für Abwassermaßnahmen mit ca. 3,5 Mio. Euro Fördermitteln unterstützt worden.

Für den Betrieb des Programms, insbesondere für Gewässeruntersuchungen oder die Aufstellung von Sanierungsprogrammen, sind vom Land Baden-Württemberg seither etwa 1,8 Mio. Euro investiert worden. Den jährlichen Aufwand für die Koordinierungsstelle des SOS tragen die am Programm beteiligten Gemeinden und Landkreise. Beim jetzt vertraglich um weitere fünf Jahre verlängerten Programm sind die vier Landkreise und 45 Städte und Gemeinden beteiligt. Es wurden vier Seen neu in das Programm aufgenommen, ein Gewässer ist ausgeschieden. Insgesamt sind damit in der kommenden Phase 93 Seen und Weiher am Seenprogramm beteiligt.

Durch extensive Nutzungsformen mit reduzierter Düngung von Grünland- und Ackerflächen trägt auch die Landwirtschaft zur Verbesserung der limnologischen und ökologischen Situationen der Seen und Weiher bei. Insgesamt 500 Hektar landwirtschaftliche Flächen an Seen und Weihern sind derzeit im Rahmen des Programms auf freiwilliger Basis aus einer intensiven in eine extensive Nutzung überführt worden. Die Landwirte erhalten hierfür Ausgleichszahlungen von jährlich etwa 160.000 Euro, seit Beginn des Seenprogrammes insgesamt fast 4 Mio. Euro. Allerdings ging beim Seenprogramm in den letzten Jahren infolge veränderter agrarstruktureller Rahmenbedingungen die Akzeptanz von Extensivierungsmaßnahmen auf sogenannten „kritischen Flächen“ zurück. Zu den Hauptursachen des Rückganges zählt ein erhöhter Flächendruck, der unter anderem durch Vorschriften der Düngeverordnung, des Förderprogramms FAKT und die Ausdehnung von Flächen für die Bioenergiegewinnung ausgelöst wurde. „Das Seenprogramm ist heute umso wichtiger, da die Gefahr von höheren Nährstoffeinträgen wieder zunimmt“, betonte Landrat Sievers zum Abschluss. Mit einer Verstärkung der landwirtschaftlichen Beratungsleistungen soll dem entgegengewirkt werden.

Gemeinsame Pressemitteilung des RP Tübingen und der PRO REGIO Oberschwaben GmbH

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