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Unterschwarzach - Mit einer Mitgliederversammlung und einer Feierstunde mit vielen Gästen feierte der VdK-Ortsverband Unterschwarzach-Mühlhausen sein 70jähriges Bestehen, nachdem zuvor in der Pfarrkirche St. Gallus ein Dankgottesdienst gefeiert worden war. Damit ist der Ortsverband sogar noch zwei Jahre älter als der Bundesverband, wie der Kreisverbandsvorsitzende des Kreises Biberach, Helmut Stebner in seinem Grußwort zu berichten wusste.

 

Eine lange Begrüßungsliste hatte Ferdinand Steiner, der Vorsitzende des Geburtstagskindes, abzuarbeiten. Da war Pfarrer Paul Notz, der die Gelegenheit gleich nutzte, Mitglied im Ortsverband zu werden, seinen Mitgliedsantrag auf das historische Datum, den 11.11. 2018 zurückdatierte (100 Jahre Ende des Ersten Weltkrieges), „Ihr nemmet mi sicher auch rückwirkend“. Dazu waren die Bürgermeister Alexandra Scherer (Bad Wurzach), Guntram Grabherr (Eberhardzell), die Ortsvorsteherinnen von Unterschwarzach Silvia Schmid, Dietmanns , Monika Ritscher, und den Ortsvorsteher von Mühlhausen, Hugo Weber, der Ortsverbandsvorsitzende von Eberhardzell-Oberessendorf, Wolfgang Kaiser, die beiden Ehrenvorsitzenden Josef Glaser und Eugen Mayerhofer in das Katholische Gemeindezentrum in Unterschwarzach gekommen. Neben den zahlreichen Gästen waren auch 26 Mitglieder der Einladung gefolgt.

Mit dem Totengedenken, Anfang 2018 war mit Leopold Pfarr ein Mitglied verstorben, eröffnete Vorstand Ferdinand Steiner die eigentliche Mitgliederversammlung, nachdem er die fristgerechte und satzungsgemäße Einberufung festgestellt hatte.

Schriftführer und Vorstandstellvertreter Ralf Mönnecke ging in seinem Rechenschaftsbericht zunächst auf das Protokoll der letztjährigen Mitgliederversammlung am 18.11.2017 im „Hirsch“ ein.

Bei der Ausschusssitzung am 26. März waren der Jahresausflug, der Kreisverbandstag in Fischbach am 21. April, an dem dann Ralf Mönnecke und Josef Glaser teilnahmen, sowie die Vorbereitung der 70 Jahrfeier die besprochenen Themen. Über das Jahr verteilt feierten Beisitzer Rudi Längst, Vorstand Ferdinand Steiner, Frauenbeauftragte Inge Neß, Maria Mayerhofer, Ehrenvorsitzender Josef Glaser, Klothilde Rude, Ottilie Brauchle, Karl-Heinz Müller, Manfred Fleischer und Rudolf Tanner runde Geburtstage, zu denen jeweils eine Delegation des Vorstands zum Gratulieren kam.

Am 02. Juli fand die zweite Ausschusssitzung statt, Themen dort waren Rückschau auf den Ausflug am 16. Juni, Besuch einer Infoveranstaltung am 17. Juli  in Ochsenhausen und das Sommerfest am 27. Juli.

Bei der dritten Ausschusssitzung waren u.a.  die Vorbereitung der Jubiläumsfeier , Bannerwerbung auf dem Sportplatz Eggmannsried sowie der Ausflug 2019 und die Umsetzung der leidigen Datenschutzgrundverordnung.

Kassier Paul Wirth konnte in seinem letzten Kassenbericht einen Gesamtüberschuss vermelden und verkündete danach nach über 30 Jahren seinen Rücktritt vom Amt des Kassiers. Kassenprüfer Eugen Mayerhofer, der gemeinsam mit Karl-Josef Boscher die Kasse geprüft hatte, sprach scheidenden Kassier ein großes Kompliment aus: „Schad dass Du aufhörst, Du hast die Arbeit wieder sehr gut gemacht.“

Ortsvorsteherin Silvia Schmid, die die Entlastung des Vorstandes leitete, sah in ihrem Grußwort gerade im VdK-Ortsverband Unterschwarzach-Mühlhausen das Leitwort des VdK „Im Mittelpunkt steht der Mensch“ sehr gut umgesetzt. „Die Gemeinschaft braucht solche Menschen wie Euch, ohne sie funktioniert sie nicht. Macht weiter so.“

Nach der einstimmig vorgenommenen Entlastung wurden Vorstand Ferdinand Steiner, Stellvertreter und Schriftführer Ralf Mönnecke, bei der von Helmut Stebner geleiteten Wahl einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Nach dem sich zunächst kein Kandidat für den Posten des Kassiers fand er aufmunternde Worte an die Versammlung: „I bee au Kassier, do hoschd wenigstens immer Geld im Sack.“ Schließlich einigte man sich auf einen Postentausch: Kassenprüfer Karl-Josef Boscher tauschte mit Paul Wirth die Position. Beide wurden einstimmig in ihre neuen Ämter gewählt. Inge Ness als Frauenbeauftragte, die Beisitzer Manfred Fleischer, Rudolf Längst und Anneliese Wiest wurden wie Kassenprüfer Eugen Mayerhofer einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

Vorstand Ferdinand Steiner ging zur Eröffnung der Feierstunde kurz auf die Gründung des Ortsverbandes im Jahre 1948 ein. Gründungsmitglieder damals waren Constantin Steuer, Gebhard Schad, Karl Brauchle und Alois Gaupp der „Wiese von Hummertsried“, der zum Vorstand gewählt wurde und diesen Posten 56 (!) Jahre bis 2004 inne hatte. Gebhard Schad übernahm 1951 den Posten des Kassier und hatte diesen 37 Jahre inne. Die Ortsgruppe sei von Jahr zu Jahr gewachsen, allein 2018 seien (mit Pfarrer Notz) acht neue Mitglieder dazugekommen.

Nach dem Krieg als Interessenvertretung der Kriegsopfer gegründet, fühlten sich heute vor allem  behinderte, chronisch Kranke, Rentner und Senioren, Pflegebedürftige und pflegende Angehörige beim VdK zu Hause. Jeder der Hilfe brauche oder sich sozial engagieren möchte könne Mitglied werden.

Festredner Helmut Stebner skizzierte in seinem Festbeitrag die Entwicklung des VdK vom Kriegsopferverband zum Sozialverband, der auch in der Bundespolitik als Sprachrohr sehr vieler Menschen seine Stimme erhebt. „Die noch heute gültige Devise „Hilfe zur Selbsthilfe“ wurde im Nachkriegsdeutschland geprägt und ist ein Markenzeichen geblieben.“

In den ersten Nachkriegsjahren 1946-48 begannen die Menschen sich in Selbsthilfegruppe zu organisieren, schließlich wurde am 20. März 1948 der VdK Kreisverband gegründet. Dabei Hervorragendes leistete Eugen Maucher, der als MdB Mitte der 50er Jahre die Kriegsopferfürsorge-Gesetze im vollem Umfang beim damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer durchsetzte. Am 28. Januar 1950 wurde durch mehrere Landesverbände in Düsseldorf der VdK-Deutschland gegründet. Damals zählte der VdK 676.530 Mitglieder, zu 90% Kriegsopfer und war nach den Gewerkschaften der größte Sozialverband Deutschlands. Der parteipolitisch und konfessionell neutrale Verband ist aber nicht unpolitisch. So war er aktiv an der Erarbeitung der Rentenreform 1957 beteiligt, nach der die Renten unmittelbar an die aktuelle Löhne und Gehälter gekoppelt sind. Nach dem „Marsch auf Bonn“ von 35.000 VdK-Mitgliedern aus der ganzen Bundesrepublik im Jahre 1963 wurde die unzureichende Versorgung der Kriegsopfergeneration durch das zweite Neuordnungsgesetz geregelt. 1974 wurde die Benachteiligung von arbeitslosen Schwerbehinderten  per Gesetz geregelt. Die Wiedervereinigung stellte die Systeme der sozialen Sicherung vor neue Herausforderungen. 1994 wurde, nachdem 5 neue Landesverbände hinzukamen, die Umbenennung in „Sozialverband VdK Deutschland “ um zu benennen, ein neuer Name auf dem Weg in ein neues Jahrtausend. Im selben Jahr wurde auch eine Grundgesetzänderung vorgenommen, in dem Artikel 3, Absatz 3 heißt es nun: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Auch die Einführung der Pflegeversicherung 1994 oder auch die Mütterrente gehen mit auf das Konto des VdK. Lediglich fünf Persönlichkeiten standen in den 68 Jahren des Bundesverbandes an dessen Spitze: 1950-62 Hans Nitsche, Friedrich Wilhelm Weltersbach, 1962-74, Karl Weishäupl 1974-89, Walter Hirrlinger 1989-2008, Ulrike Mascher 2008-2018 und seit dem 15.06.2018 die ehemalige Biathletin und Paraolympionikin Verena Bentele, vormals auch Behindertenbeauftragte der Bundesregierung.

Stebner schloss seinen Vortrag mit dem Lob an die Vorstandschaft und bat darum, weiterhin für die Gemeinschaft und die Ziele des VdK aktiv zu sein: „Helfen Sie mit, dass der VdK eine Heimat für viele Menschen wird, die bereit sind, sich für andere einzusetzen.“

Bad Wurzachs Bürgermeisterin Alexandra Scherer sagte in ihrem Grußwort: „Der mit 1,9 Mio. Mitgliedern größte Sozialverband vertritt die sozialpolitischen Interessen aller Bürgerinnen und Bürger und setzt sich politisch für einen starken Sozialstaat ein.“ Durch die Finanzierung über Mitgliedsbeiträge sei er finanziell unabhängig.  Der Ortsverband Unterschwarzach-Mühlhausen zähle mit seine nunmehr 70 Jahren zu den Urgesteinen. „Gegründet um den Kriegsbeschädigten zu helfen, setzt sich der Verband heute auch für chronisch Kranke, sozial Schwache und ältere Menschen ein.“ Diese Hilfe werde zunehmend gefragt, wie die steigenden Mitgliederzahlen  vieler Ortsverbände zeigten. Die Arbeit der Ortsverbände sei auch für die Gemeinde wichtig, so dass die Bürger vor Ort entsprechende Beratung erhalten können.

Der Eberhardzeller Bürgermeister Gunter Grabherr sagte in seinem Grußwort, der Verband könne die Interessen der Mitglieder durchsetzen: „Vor zwei Jahren bei der Mitgliederversammlung im Hirsch war eines der großen Themen „Barrierefreiheit“. Seit eineinhalb Jahren gibt es nun den 250.000€ teuren, u.a. mit Bundesmittel finanzierten Aufzug am barocken Rathaus in Eberhardzell, vor einigen Jahren wäre dies noch undenkbar gewesen.“ Er fand auch mit Blick auf die politischen Verirrungen bei vielen Wahlen der letzten Zeit auch nachdenkliche Worte zu den bevorstehenden Kommunalwahlen: „Bedenkt was Krieg für die Menschen bedeutet und achtet bei den nächsten Wahlen darauf.“

Pfarrer Notz ging in seiner kurzen Ansprache auf die Rückdatierung seines Mitgliedsantrages auf Ende der Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren ein. Aus persönlichen Gründen: Sein Vater war im Elsaß verwundet worden. Er erinnerte die Versammlung daran,  in welch langer Epoche des Friedens wir nun schon leben dürfen und wie wichtig es sei, „den Menschen in die Mitte holen“.

Für 10 Jahre Mitgliedschaft wurde Reinhard Schwarz, für 25 Jahre Eugen Mayerhofer geehrt. Paul Wirth wurde mit einem Geschenkkorb als Kassier verabschiedet.

Mit Kaffee und Kuchen und netten Gesprächen ließ man  danach die Jubiläumsfeier gemütlich ausklingen.

 

 

Text und Bilder von Ulrich Gresser

 

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