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Bad Wurzach - Einige Neuerungen hatten sich Narrenzunft und Stadt für den traditionellen Rat- bzw. Amtshaussturm der Narren und das Narrenbaumsetzen am Rathaus überlegt. Nicht alles war dabei aber Gold was zu glänzen schien.

 

Soviel kleine und große Narren wie selten einmal drängten sich beim Narrenbaumsetzen und der Machtübernahme durch die Narren um das Podest beim Stadtbrunnen. Damit konnte sich die Narrenzunft in ihrer Entscheidung bestätigt fühlen, die Halle erst nach dem gemeinsamen Zug der Mäschkerle vom Stadtbrunnen zur Narrenhalle bei der Grundschule zu öffnen.

Dass der erstmals durchgeführte Amtshaussturm zum lauen Lüftchen geriet, lag nicht etwa am Bürgermeisterstellvertreter Klaus Schütt, dessen Kostüm als Vogelscheuche mit einer Krähe als Kopfputz durchaus originell war, sondern eher an der verbesserungswürdigen Kommunikation zwischen Narrenzunft, die im Fasnetscafe (Sitzungssaal im 2. OG) auf die Lumpenkapelle wartete, um die Obrigkeit mit TamTam aus der Zentrale der Macht zu entfernen. Stattdessen zog es die Kapelle, wohl wegen des sonnigen Wetters vorzog auf der Straße vor dem Amtshaus ihrer Tätigkeit nach zu gehen. So mussten denn die Blaukittel mit ihrem neuen Chef Markus Birk im Schweinsgalopp der Musikkapelle hinterher hecheln.

„Aller Anfang ist halt schwer" kommentierte Verwaltungssprecher Martin Tapper das Missgeschick.

In seiner Antrittsrede als Zunftmeister hielt Markus Birk der Obrigkeit und seinem Kontrollgremium den (Narren)-Spiegel vor. Ob er das versehentlich falsch publizierte Datum für die Bürgerversammlung sezierte, oder die konfessionslosen Strahlen von W-Lan für die Innenstadt, für das dann auch noch österreichisches Recht gilt, aufs Korn nimmt. Oder wenn er die Anschaffung von E-Bikes für städtische Mitarbeiter „mir Narra moined – a Farrad zom Dappa hät au groicht" oder die mangelnde Bürgernähe der Gemeinderäte: „ Lasst uns alleine regieren – ihr habt uns ja gewählt, und 5 Jahre lang wird keiner von uns Gemeinderäten gequält." kritisiert. Sein Statement zur Lage der Stadt beleuchtete einige Vorkommnisse und Entscheidungen des vergangenen Jahres mit einem gewissen Biss.

Klaus Schütt durfte erstmals als Bürgermeisterstellvertreter den Rathausschlüssel gegen das Narrenzepter eintauschen. In seiner launigen Verteidigungsrede gab er zu, lieber selber ungeniert in der Fanet im Rathaus regieren zu wollen, den Gedanken aber „glei ab'g'schminkt, weil Widerstand bei eich Narra sowieso nix bringt." Einen guten Rat gab er ihnen mit: Alle Narren sollten im Fasnetsleben aufpassen und ihre E-Mailadresse an Wolfgang Weiss weitergeben: „Immer parat, und über alles sottet ihr ebbes wisse und mit Antworte it verlege sei." Der neue Gemeinderat könne da ein Lied davon singen.

Unter der wie immer fachlich präzisen Ansage durch Franz-Josef Maier, genannt der Chief, sorgten die Zimmerleute für ein reibungsloses Stellen des Narrenbaumes. Und hielt natürlich als im Mai frisch gekürter Gemeindrat mit seiner Meinung zu politischen Themen nicht hinterm Berg. Z.B. über die neuen Kräfteverhältnisse im Gemeinderat und darüber dass dem Schultes, der auch zuhause nicht mehr die Hosen anhabe, seit seine Frau in Sigmaringen Landrätin wurde, am Sonntag schon vor dem Montagabend graue.

Angeführt vom Fanfarenzug zog der bunte Zug von großen und kleinen Mäschkerla zur Narrenhalle bei der Grundschule, wo die Narrenzunft mit einer Spielstraße, Musik und natürlich Speis und Trank für die Kleinen für einen schönen Ausklang des Gumpigen Donschtig sorgte.

Text und Fotos Uli Gresser

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