Arbeitskreis Asyl

Bad Wurzach - Der Helferkreis „Treffpunkt Asyl“ in Bad Wurzach hatte zu einer Informationsveranstaltung ins Foyer des Salvatorkollegs eingeladen. Fast alle der erst vor kurzem angekommenen Asylbewerber aus Syrien und Gambia nahmen an der von rund von 120 Ineressierten besuchten Veranstaltung teil. Im Bild: Ulrich Barmann, Diakon Berndt Rosenthal, Dolmetscher Wissam Chebli mit einem der Syrer, der sich im Namen der Gruppe für die Hilfe und freundliche Aufnahme bedankte.

 

Diakon Berndt Rosenthal, Leiter des Bad Wurzacher Helferkreises Treffpunkt Asyl, übernahm die Begrüssung der zahlreichen Besucher, unter denen sich auch mehrere Gemeinderäte sowie Paul Riss von der Stadtverwaltung befanden.

Zum Einstieg sang die Versammlung das Lied von St. Martin. Pastoralrefent Raimund Miller zeigte mit seinen Gedanken zu dem Heiligen die Paralellen zur aktuellen Flüchtlingslage auf. Was dieser getan habe, sei gerade heute wieder hochaktuell und zutiefst menschlich. Er forderte die Besucher auf, sich Gedanken zu machen, wie St. Martin mit den Flüchtlingen sein Leben zu teilen und sie nicht sich selbst zu überlassen.

Wissam Chebli übersetzte diese Gedanken dabei für die Syrer ins Arabische, dessen Familie 1986 selbst als Flüchtlinge aus dem Libanon nach Bad Wurzach gekommen war. Diakon Rosenthal wies bei seiner Vorstellung des Helferkreises darauf hin, daß bereits eine gewisse Grundstruktur aus jener Zeit vorhanden war, auf die man jetzt aufbauen könne. Er bat den Übersetzer darum, die Männer auf die Wichtigkeit des angebotenen Deutschkurses hinzuweisen.

Nach einem kurzen Film über die Erstaufnahme von Asylbewerbern in Berlin, erklärte Ulrich Barmann vom Helferkreis in Bad Waldsee einiges zu den Hintergründen, wie Asylanträge ablaufen. Nach dem Dublin 3-EU Gesetzes Verfahren, werden Asylsuchende dorthin zurückgeschickt, wo erstmals in der EU ihre Fingerabdrücke registriert wurden. Duldungsrecht erhalten sie hierzulande nur, wenn in den EU Ländern selbst keine geordneten Zustände herrschen, wie z.B. in einigen ehemaligen Ostblockländern. Nur die Syrischen Kriegsflüchtlinge müssen das Verfahren nicht duchlaufen, können direkt hier Asyl beantragen. Die Gambier, die derzeit ebenfalls in dem Container beim Netto leben, schon. Gambia ist eine Diktatur, die Opposition muss das Land verlassen oder sich verstecken. Das westafrikanische Land, eine Enklave im Senegal, in dem die Todesstrafe praktiziert wird und Minderheiten diskriminiert werden, ist im vergangenen Jahr aus dem Commonwealth ausgetreten, aus Protest gegen die Kritik an der Kritik an den Menschenrechtsverletzungen des Regimes.

Mit harscher Kritik antwortete Rosenthal auf Gerüchte, nach denen die Flüchtlinge ein Begrüssungsgeld ehalten hätten. Diese erhalten monatlich 330 €, von denen sie Lebensmittel und Kleidung, aber auch ihre Handies oder den Rechtsanwalt, der für sie Rechtsmittel einlegt, finanzieren müssen.
Nach der neuen Gesetzeslage dürfen die Asylbewerber frühestens nach drei Monaten arbeiten. Um bis dahin eine geregelte Tagesstruktur zu bekommen, können die Leute gemeinnützige Tätigkeiten in einem entsprechenden Verein annehmen oder aber bei staatlichen oder kommunalen Stellen. Das Landratsamt hat dafür ein spezielles „Merkblatt für Arbeitsgelegenheiten nach § 5 Asylbewerberleistungsgesetz (ASylbLG)“ herausgebracht.

Barmann erklärte , daß bei der Arbeitssuche Deutsche oder EU-Ausländer ihnen immer vorgezogen sollen. Dazu seien Papiere nötig, wobei die Gambier nur provisorische Papiere erhalten, während die Syrer kaum in die Erstregistrierungsländer zurückgeführt werden.

In kleinen Gruppen von etwa 20-30 Personen mit einem Moderator wurden die Gespräche danach noch intensiviert. In einer Gruppe erzählten zwei junge Asylbewerber die schon länger in Bad Wurzach leben, ein Pakistani und einer aus Indien, von ihren Erfahrungen bei der Arbeitssuche. Und von ihren Versuchen über den Sport z.B. Fussball oder Volleyball „in die Gesellschaft zu kommen“. Ganz wichtig sei es, in ihren Tagesablauf eine gewisse Struktur zu bringen, um Langeweile zu verhindern.

Eine Mitarbeiterin des Arbeitskreis Asyl in Bad Waldsee berichtete von Abschiebungen trotz ausgesprochener Duldung. Duldung heisse nämlich nicht, daß ihnen, bei ausgeschöpften Rechtsmittel, nicht dennoch die Abschiebung drohe. Deswegen lebten diese Menschen in einem ständigen Angstzustand.

Nachdem die ganze Gruppe aus dem Container am Nachmittag bei der Wurzacher Tafel einkaufen war hatten sie den Besuchern der Veranstaltung quasi als Dankeschön ein Reisgericht gekocht.

Mit einem weiteren, gemeinsam gesungenen Lied, von Raimund Miller mit Gitarre und Mundharmonika begleitet, endete der offizielle Teil der Veranstaltung, aber über das Gehörte wurde noch in viele kleine Grüppchen eine ganze Weile diskutiert.

Zur Information
Merkblatt für Arbeitsgelegenheiten nach § 5 Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG)

 

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

 

 

 

 

 

 

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