Bad Wurzach (pn) - Rund 45 Teilnehmer hatte das jüngste Netzwerktreffen der Clusterinitiative Forst und Holz Baden- Württemberg am 16. Oktober in der Region Allgäu-Oberschwaben. Mit dem Holzbauunternehmen Weizenegger in Bad Wurzach hatte ein mittelständischer Familienbetrieb eingeladen, der 1914 als Sägewerk gegründet wurde und 2013 als Holzhaus- und Objektbaubetrieb 11 Mio. Umsatz erreichte. (Die Referenten des Netzwerktreffens: (v.l.) Uwe André Kohler, Andreas Morlok, Lars Müller, Daniela Weizenegger-Daiker, Wolfgang Knöpfle, Heinrich Weizenegger, Wolfgang Selbach, Kurt Schwaner.)

 

Clustermanager Uwe André Kohler lieferte die übliche Zusammenfassung zu den Hintergründen und Zielen der Clusterinitiative. Kurt Schwaner von der (30 km entfernten) Hochschule Biberach lieferte einen Überblick über wichtige Innovationsschritte im Holzbau. Die Auswahl des Betriebs zur Vorstellung in der Reihe „Cluster innovativ“ war auch eine Folge des langjährigen ehrenamtlichen Engagements von Seniorchef Heinrich (Heinz) Weizenegger für den Holzbau. Als Motor der Weiterentwicklung des Betriebs von einer klassischen Zimmerei zum Individualbau-Allrounder leitete Weizenegger 1994 mit dem Umzug aus dem Stadtzentrum von Bad Wurzach heraus die Neuausrichtung ein. Dabei wurde das eigene Sägewerk aufgegeben. 2010 stieg mit Tochter Daniela Weizenegger-Daiker und Lars Miller die dritte Generation in die Geschäftsführung ein, womit auch der Generationswechsel eingeleitet wurde. Eine zeitlang ungelöst stellte er einen nicht unerheblichen Bremsklotz in der Weiterentwicklung des Unternehmens dar, wie Heinz Weizenegger jetzt erleichtert berichtete.

Holzbau-Weizenegger ist heute in zwei Hauptbereiche „innovativer Holzhausbau“ und „Objektbau“ untergliedert. Damit deckt die Firma im Prinzip ein sehr weit gestecktes Feld im Holzbau ab – so weit, wie es mit 45 Mitarbeitern (darunter fünf Lehrlinge) und den gegebenen knappen Platzverhältnissen (3000 m² Hallen- und Verwaltungsgebäude auf 0,85 ha Grund) zur Vorfertigung möglich ist. Geplant und ausgeführt werden nur individuelle Objekte im Holzrahmenbau, keine Typen- oder Kataloghäuser.
Die Sparte Holzhausbau unter der Leitung von Weizenegger-Schwiegersohn Lars Miller erstellt rund 20 Wohneinheiten im Jahr und liefert diese in einem Radius von 100 km um Bad Wurzach: 60 % technisch fertig, 25 % schlüsselfertig, in 15% der Fälle wird nur die Gebäudehülle geliefert.

Den 2012 gegründeten Weizenegger-Objektbau, der mit fünf Mitarbeitern etwa die Hälfte des Umsatzes beisteuert, stellte Mitgesellschafter Wolfgang Knöpfle vor. Knöpfle berichtete, dass sein Bereich Angebote über rund 50 Mio. Euro Volumen erstellen muss, um den geplanten Zielumsatz (5 Mio. Euro) zu erreichen. Der wurde zuletzt zu 75% mit öffentlichen und zu 25% mit privaten bzw. gewerblichen Auftraggebern erbracht. Im Objektbau zieht Weizenegger allerdings auch viel weitere Kreise als im individuellen Holzhausbau – es wird bundesweit mitgeboten. Knöpfle stellte eine ganze Reihe ausgeführter Objekte vor: Schulgebäude, Kindergärten, Sanierungen von Mehrfamilienhäusern, Aufstockungen usw..

Im Bereich der öffentlichen Aufträge hat sich der Schwerpunkt von Kindergärten bzw. -tagesstätten aufgrund des Auslaufens von Förderprogrammen hierfür verschoben. Als neue Schwerpunktaufgabe im Bereich des Bauens für die öffentliche Hand scheint sich derzeit der Bau von Unterkünften für Flüchtlinge und Zuwanderer herauszukristallisieren. Hier stößt ein Individual-Obejektbaubetrieb wie Weizenegger dann aber auf Konkurrenz aus dem Modulbaubereich (Container-Heime). Bei Objekten, die aus dem Raster des Modulbaus fallen (höhere Anforderungen an Brand- und Schallschutz, Mehrgeschossigkeit) hat der vorelementierte Holzbau dann aber wieder bessere Chancen, zum Zuge zu kommen.

 

Heinz Weizenegger erläutert Teilnehmern aus verschiedensten Teilen des Regionalclusters Oberschwaben und darüber hinaus die Entwicklung der Firma

 

Andreas Morlok, Mitarbeiter der oberschwäbischen„Pro-Regio“-Gesellschaft für Landschaftsentwicklung und hier zuständig für die Regionalentwicklung und das Regional-Cluster Forst und Holz, berichtete über die regionalen Branchenaktivitäten im württembergischen Teil des Allgäus mit Schwerpunkt um Ravensburg. Morlok berichtete, dass die Branchenkommunikation (auch unter Wettbewerbern) seit dem ersten „Forst- und Holztag“ (22. November 2013 in Wangen/Allgäu) an Intensität gewonnen habe. Die Mitglieder des Netzwerks (u.a. drei Sägewerke, sechs Zimmerei- und Holzbaubetriebe, fünf Schreinereien, zwei Holzfachhandlungen und viele Waldbesitzer (6300 Kleinwaldbesitzer und 12 Kommunen) hätten sich bei gemeinsamen Terminen und Exkursionen näher kennengelernt und die Rückmeldungen seien sehr positiv.

Morlok berichtete von dem Ziel der Netzwerkarbeit, dass das Rundholz und damit auch möglichst viel Wertschöpfung in der Region bleibe. Die Weißtanne als Rohstoff spiele eine wichtige Rolle, die schrittweise die Fichte als „Brotbaum“ ersetzten solle und werde..
Architekt Wolfgang Selbach (Fa. Architekturlokal, Ravensburg) berichtete über seine Erfahrungen bei einem Weingartener Holzbau in der Gebäudeklasse IV (Gebäude mit einer Höhe bis zu 13 m und nicht mehr als 400 m² Nutzfläche). Mit neuen Werkstoffen und Verbindungsmitteln ließen sich heute leichtere und schlankere Bauwerke erreichten. Ohne ein Brandschutzgutachten laufe in dieser Gebäudegröße jedoch nichts, selbst wenn man sich an alle Bestimmungen halte. Wegen des hohen Aufwands bei der Detailplanung von Wärme-, Brand- und Schallschutz müsse ein Holzbau schon bei der Genehmigungsplanung fertig durchgeplant sein, weil in der Ausführungsplanung dann nur noch sehr geringe Spielräume blieben.

Heinz Weizenegger äußerte die Hoffnung auf Erleichterungen bei der Kapselung von Holzbauteilen, um besser in den Bau von Gebäuden der Klassen III (bis 7 m) und IV (bis 13 m) vordringen zu können. Die Planer benötigten für Holz einen Katalog mit Regeldetails wie im Massivbau (mineralischer Bau).

 

Bilder Firma Weizenegger
Artikel mit Genehmigung: DRW-Verlag Weinbrenner, Leinfelden-Echterdingen/Autor Leonhard Pirson

 

Blick in die Vorfertigungshalle für den Holzhausbau

 

 

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