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Bad Wurzach – Im vierten Jahr veranstaltet die „Stiftung Gymnasium Salvatorkolleg - Horizonte für die Zukunft unserer Kinder“ die Vortragsreihe „Menschen überwinden Grenzen“. Der Schwerpunkt der Stiftung liegt darin, die Schülerinnen und Schülern dabei zu unterstützen, durch Auslandsaufenthalte ihren Erfahrungshorizont zu erweitern. Durch diese Vortragsreihe, die das Salvatorkolleg gemeinsam mit der Stiftung veranstaltet, wird  dieses Anliegen dadurch unterstützt,  indem die Schule Gäste einlädt und sich damit  ein „Stück Welt“ ins Haus holt. An diesem Mittwochabend war dies der Physiker und ehemalige Vorsitzende von Greenpeace- International Gerd Leipold mit dem Thema „Zeit, sich einzumischen“. Bild: Gerd Leipold bei seinem Vortrag vor mehr als 100 Zuhörern im Foyer des Salvatorkollegs

Gerd Leipold wurde in den 1980er Jahren durch seinen spektakulären Ballonflug über die Berliner Mauer weltbekannt. Als Umweltaktivist hat er jahrzehntelang für Greenpeace gearbeitet — zuletzt als Vorsitzender von Greenpeace-International.

Bereis am Vormittag war Gerd Leipold, Physiker und ehemaliger Vorsitzender von Greenpeace-International, der in Rot an der Rot geboren wurde und dort jetzt seit kurzem wieder lebt,  im Salvatorkolleg bei den Schülern der Jahrgangsstufe 10 zu Gast gewesen, um sein Buch, das er gemeinsam mit dem Schauspieler Walter Sittler verfasst hat, vor zustellen. Dabei war so sehr ins Erzählen gekommen, dass aus Zeitmangel die Fragestunde etwas zu kurz gekommen war.

Leipold war  gemeinsam mit seinem Ko-Autor Sittler in neun verschiedenen Städten Europas mit interessanten Personen wie WikiLeaks Aktivisten, mit Politikern wie dem ehemaligen Premierminister Griechenlands Papandreou, der ehemaligen Präsidentin von Island, Vigdis Finnbogadottir und dem Bürgermeister von Reykjavik, Jon Gnarr, einem in Island berühmten Comedian und Aktionskünstler, den die Entrüstung über die Bankenkrise 2010 zum Bürgermeister macht. In Istanbul trafen sie wegen der Proteste am Taksim-Platz die Publizistin Dilek Zaptcioglu, die in Deutschland aufgewachsen war, dort vielfach preisgekrönt  wurde und später in ihre, wirtschaftlich boomende, Heimat zurückgekehrt war.

Der ehemalige Greenpeace-Aktivist, begann seine Buch-Lesung in Stockholm im Vasa-Museum. Die Vasa war ein gigantisches Kriegsschiff, das der Schweden-König Gustav Adolf 1626-28 bauen liess und das bereits nach 20 Minuten bei der Jungfernfahrt kenterte und sank. Ursache dafür waren zahlreiche Veränderungen, wie den Einzug eines zusätzlichen Deckes, die der König während des Baues vornehmen liess. Sehenden Auges war das Schiff in den Untergang gesegelt. Die Verantwortung des Königs dafür wurde in einer Untersuchungskommission aufgearbeitet, dokumentiert und gemeinsam mit dem Schiff in dem Museum ausgestellt.

In Budapest sprachen die beiden mit dem Investigativ-Journalisten Attila Mong, den sein – im wahrsten Sinne stiller – Protest gegen die neuen Mediengesetze der Orban-Regierung seinen Job als Radio-Moderator kostete, weil er es wagte, aus Protest eine „Schweigeminute“ einzulegen.

Mit Anekdoten zur  Ballonfahrt aus Protest gegen die Atomwaffentest der Allierten über die damals furchteinflössende Berliner Mauer, die von weit oben betrachtet „nur aussah wie Strich in der Stadtlandschaft“ begann er über seine Zeit bei Greenpeace zu erzählen. Provokation sei wichtig, um Leute zum Nachdenken anzuregen. Die Fahrt, nach der sie Passanten sie bei der Landung in einem Park für fehlgeleitete Republikflüchlinge hielten und er und seine Mitfahrer von Vopos mit gezückten Kalschnikovs zum Aussteigen gezwungen wurden, empfand er als „schönes Erlebnis“.

Sie hatten sich akribisch vorbereitet und wussten, dass ihnen nicht allzu viel geschehen konnte. Diebische Freude empfand er, dass er den Stasi-Mann, der  sie am Bahnhof Friedrichstrasse quasi zum Schwarzfahren mit der S-Bahn aufforderte, ein wenig ärgern konnte.

Geärgert hat er mit Greenpeace auch viele Wirtschaftsbosse, darunter auch den  Apple Boss und -Gründer Steve Jobs mit einer Kampagne über die mangelhafte Ökobilanz des Konzerns. Leipold war überrascht, dass er von diesem zu einem Gespräch nach Cupertino eingeladen wurde. Jobs sei explodiert, habe geschimpft und ihn einschüchtern wollen. Aber er habe nicht mit seiner schwäbischen Sturheit gerechnet. Jobs sei sehr direkt gewesen, aber bei allem Streit und seinen Einschüchterungsversuchen habe er das Gefühl gehabt, dass er es ihm immer um die Sache ging. In der Tat machte Apple in den folgenden Jahren Fortschritte auf dem Gebiet der Ökologie...

Bei einer kleinen Lesung aus dem Schlusskapitel des Buches, als er sich mit Sittler nach den Hauptstädten Europas in seiner Heimat Rot a.d. Rot traf, stellte er in seinem Resümee fest, dass Intoleranz „keineswegs das Privileg eines kleinen Dorfes“ sei. Auf die Frage, ob wir heute in einer besseren Welt leben, sagte er: „ Flüsse und Luft sind sauberer geworden, aber die Zerstörung der Umwelt schreitet dennoch voran.“ Das Umweltbewusstsein wachse, Bürgerbeteiligung werde anders diskutiert. Aber man solle die Hoffnung nie aufgeben.

Text und Bilder: Ulrich Gresser

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Schulleiter Pater Friedrich Emde bei der Vorstellung des berühmten Gastes

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Gespräch unter Physiker-Kollegen: Leipold mit dem früheren Konrektor Karl Midderhoff

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Sorgte mit vielen Anekdoten für Schmunzler: der Schwabe und Weltbürger Gerd Leipold

 

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