Landschaftsschuetzer Bad Wurzach (Leserbrief) - Bei der Vorstellung der „Wandertrilogie" im Kurhaus Bad Wurzach waren sicherlich alle Besucher von der gelungenen Präsentation von Fotos und Filmen beeindruckt. Leider hielt sich die Teilnahme von „Normalbürgern" in Grenzen, so dass es sich eher um eine Veranstaltung für Gemeinderäte, Bürgermeister und für im Tourismusbereich tätige Personen aus unseren Nachbargemeinden handelte. Auffällig war, dass bei den vielen Fotos aus dem Vortragsgebiet ganz selten mal ein halber Rotor oder gar ein halbes Windrädchen über den Horizont hervorlugte.

Vor etwa 5 Jahren zählte ich bei einem Flug hier schon über 70. Da müssen sich die Fotografen bei den Bildschnitten schon große Mühe gegeben haben. Eindeutig war, dass die Landschaft mit zunehmender Reliefstruktur interessanter und vielerorts auch reizvoller wurde. So lebt unser als „Wiesenläufer" bezeichneter Landschaftsteil hauptsächlich vom reizvollen und unverbauten Blick nach Süden auf die stetig ansteigenden bewaldeten Hügelketten bis hin zur Nagelfluhkette und das dahinter aufragende Hochgebirge.

Verbaut man diesen Blick mit Monsteranlagen, kann man die „Wiesenläuferregion" touristisch vergessen, meinte ein Besucher der Veranstaltung.

Mit ihrer Zustimmung zur Erschließung der Infrastruktur für die Anlagen auf dem Beurener Berg haben die Isnyer Gemeinderäte einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet. H.-J. Schodlok

 

Dieser letzte Satz missfiel dem Zensorenteam Bürkle/Tapper der Bad Wurzacher Bürger- und Gästeinformation wie folgt:

Sehr geehrter Herr Schodlok,

vielen Dank für Ihren Beitrag zur Wandertrilogie. Allerdings hat der letzte Satz zur Entscheidung des Isnyer Gemeinderates wiederum nicht den von uns mit Ihnen diskutierten und besprochenen Lokalbezug. Wenn Sie den letzten Satz noch umformulieren oder weglassen, können wir den Beitrag gerne bringen.

Wir warten auf Ihre Rückmeldung.

Nochmal ganz allgemein:
Unter Lokalbezug sehen wir unstrittig all das, was unmittelbar auf dem Wurzacher Gemeindegebiet geschieht oder geplant wird. Bitte glauben Sie uns - es ist für uns weder Freude noch Genugtuung einzelne Texte näher anzuschauen. Es geht aber letztlich um eine Gleichbehandlung aller Beitragsverfasser. Wir werden immer wieder von Bürgern und anderen Vereinen gerade auf Ihre Berichterstattung hin angesprochen.

Um den Umfang der Bürger- und Gästeinformation innerhalb des vom Gemeinderat beschlossenen und mit dem Schwäbischen Verlag vertraglich vereinbarten Kostenrahmen zu halten, müssen wir uns alle an gewisse "Spielregeln" halten. Es geht letztlich ja auch um Gelder aller Bürgerinnen und Bürger. Das haben wir zuletzt auch mit anderen Gruppierungen schon so kommuniziert.

Wir bitten nochmals um Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Tapper
StadtVerwaltung Bad Wurzach

Eine weitere Erklärung des Bürgermeisters:

Mit Schreiben vom 07.04.2014 teilt uns Herr BGM Bürkle mit: „ Ein „Lokalbezug" muss gegeben sein. Dies wird auf jeden Fall dort zu bejahen sein, wo auf örtliche Veranstaltungen oder Anlagen oder Planungen im Gemeindegebiet Bezug genommen wird. Herr Tapper wird die eingereichten Berichte künftig in Abstimmung mit mir auf den Lokalbezug hin prüfen. Ist dieser aus unserer Sicht nicht gegeben, werden wir die jeweiligen Berichte nicht veröffentlichen ........................... .

Unser Kommentar:
Werte Leser, kommt Ihnen diese Formulierung nicht bekannt vor? Sie könnte direkt von einem
„lupenreinen Demokraten" (Begriff von Altkanzler Schröder für seinen Duz-Freund aus Moskau) stammen.
Der Hinweis auf den Umfang unserer Veröffentlichungen und die Kosten, die – fiktiv – durch diese verursacht werden, ist hier völlig fehl am Platze. Seit November haben wir die uns als Maximum genannte Zeichenzahl nicht überschritten, jedoch häufig unterschritten.
Soll, nachdem wir mit der Begrenzung des Umfangs unserer Veröffentlichungen nicht mundtot gemacht werden können, der „örtliche Bezug" als Waffe eingesetzt werden?

Auswahl zukünftig erlaubter und verbotener Meldungen:

Unsere BI trifft sich am Montag bei Kaffee und Kuchen (erlaubt). Mitglied C zeigt Panoramafotos vom Aussichtspunkt zwischen Ellwangen und Bellamont über das Wurzacher Becken hinweg zur Alpenkette (Ganz schwieriger Fall für den Chefzensor, da Ellwangen/Bellamont und die Alpenkette zum Ausschlussberichtsgebiet gehören, über das Wurzacher Becken hingegen (gerade noch) berichtet werden darf. In einem vergleichbaren Falle schlug vor 14 Tagen die Bürkle-Tappersche-Verbotskeule zu.).

Beim zukünftigen Windpark bei Ringschnait müssen 200 m mehr Abstand zur Wohnbebauung eingehalten werden als beim Windpark Diepoldshofen (wurde bereits verboten). Die Türme des Windparks Bergatreute werden den bisher gewohnten Blick vom Kurhaushügel oder vom Gottesberg massiv verändern (verboten). Herr Manz von der Stadtverw. Bad Waldsee hält an den Windkraftplänen für die Grabener Höhe fest (Selbstverständlich verboten! Lernen es die bei dieser BI nie, dass alles, was sich 1 cm außerhalb der Gemeindegrenze befindet, Tabu-Gebiet ist?). Am Ende unserer Versammlung sang unser BI-Chor zur Würdigung des regen Kurlebens von Bad Wurzach „Abendstille überall" (Kommt wegen der enthaltenen Anzüglichkeit bezüglich der Attraktivität des abendlichen Kurtortes vermutlich auf den Zensoren-Prüfstand.).

Der Leser möge selbst entscheiden, was er von derartiger Bevormundung durch Informationsunterdrückung hält. Nach 65 Jahren Grundgesetz meinen wohl einige, dass die dort festgeschriebenen elementaren Grundrechte nicht mehr zeitgemäß seien und ihrer persönlichen Interpretation unterlägen. Art 5 Abs. 1 GG ist trotzdem zur Lektüre empfohlen.

Übrigens: Bei der Pressefreiheit lag Deutschland 2010 im Ranking von „Reporter ohne Grenzen" auf Platz 17. Sollten die Wurzacher Verhältnisse Schule machen, könnte daraus eine ganz andere Platzziffer hervorgehen.

Hans-Joachim Schodlok

 

 

Hans-Joachim Schodlok

 

 

 

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