vs100Bad Wurzach - Sepp Mahler (1901-1975) zählt zu den bedeutendsten Künstlern Oberschwabens im 20. Jahrhundert. Das Leprosenhaus Bad Wurzach präsentiert vom 9. Mai bis 5. Oktober 2014 die sogenannte „Sturm"-Mappe mit 30 Zeichnungen und Aquarellen, die der selbstbewusste junge Künstler 1924 an die berühmte Galerie „Der Sturm" in Berlin gesandt hatte. Die Galerie »Der Sturm« wie auch die gleichnamige Zeitschrift gelten 1924 als wichtiges Sprachrohr der modernen Kunst. Der Verleger Herwarth Walden, der beide „Institutionen" 1910 bzw. 1912 gründete, gilt heute als einer der wichtigsten Kunstvermittler der damaligen Zeit, der zahlreichen avantgardistischen Künstlern zum Durchbruch verhalf.

 

Als Sepp Mahler ihm im Sommer 1924 seine Zeichnungen zusandte, war Mahler 23 Jahre alt. Er war noch ohne eine einzige Ausstellung und noch ohne Kontakte in die Kunstszene. Dass er sich an Herwarth Walden wandte und auf eine Ausstellung und auf einen Abdruck in dessen Zeitschrift hoffte, unterstreicht die Bedeutung, die er dieser Galerie, aber auch seinen eigenen Entwürfen beimaß.

„Sepp Mahler wollte der Kunstwelt etwas Neues vorlegen: eine Schöpfungsgeschichte und eine Vorstellung von den Anfängen des Universums. In einem 30 Blätter umfassenden Werkkomplex entwarf er das Entstehen der Welt und der Zivilisation", berichtet Michael Maurer vom Kultur- und Archivamt des Landratsamts Ravensburg. „Für seine Visionen entwickelte Mahler eine Formensprache, mit der er sich einerseits gegenständlich ausdrückt, andererseits flächig-geometrisch. Bemerkenswert war sein Versuch, das Schöpfungsgeschehen auch in einer abstrakten Formensprache darzustellen."

Sepp Mahler nahm mit der „Sturm"-Mappe an einer bedeutenden Neuerung der modernen Kunst teil. Neben Gottfried Graf war er der einzige Künstler Oberschwabens, der sich in den 1920er Jahren in einer kubischen Formensprache ausdrückte. Er zählt damit zu den frühen Vertretern dieser Stilrichtung und findet eine eigenständige und zeitgemäße Bildsprache.

2013 haben die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) 29 Zeichnungen und Aquarelle der „Sturm"-Mappe für ihre Kunstsammlung erworben und restaurieren lassen. Ein Werk befand sich bereits im Bestand der Stadt Bad Wurzach. Gemeinsam mit dem Landkreis Ravensburg stellt die OEW die Mappe künftig der Stadt Bad Wurzach als Dauerleihgabe zur Verfügung. „Der gesamte Zyklus kann damit erstmals zusammenhängend in einer Ausstellung präsentiert werden", freut sich Bürgermeister Roland Bürkle. „Herrn Landrat Widmaier, der OEW und dem Landratsamt gilt unser besonderer Dank, dass die Ausstellung in dieser Form zustande kommen konnte".

Zur Ausstellung ist eine reich illustrierte Broschüre erhältlich (56 Seiten, 7,50 €, ISBN 978-3-944685-02-1), die die Zeichnungen in ganzseitigen Abbildungen vorstellt und erläutert. Die Broschüre ist im Rahmen der Ausstellung im Leprosenhaus sowie in den Buchhandlungen „Zengerle" und „Der Buchladen" in Bad Wurzach erhältlich. Nähere Informationen sind auch unter www.bad-wurzach.de/news bzw. www.leprosenhaus.de zu finden.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung, Anschrift und Kontakt
Leprosenhaus
Ravensburger Straße 10
88410 Bad Wurzach
Tel. 07564/3626 (Herr Rothenhäusler)
www.leprosenhaus.de
informationen@leprosenhaus.de

Öffnungszeiten
9. Mai bis 5. Oktober 2014
Samstag, Sonntag und Feiertag von 14 bis 17 Uhr
Eintritt Ausstellung frei

Begleitprogramm
Fr 9.5., 19 Uhr: Ausstellungseröffnung im Leprosenhaus
Sa 24.5., 17 Uhr und Fr 20.6., 19 Uhr: Lesungen und Vortrag „Sepp Mahler, Entstehungszeit und kultureller Hintergrund der Sturm-Mappe", Wolfram Frommlet, Leprosenhaus
Sa 5.7., 17 Uhr und So 7.9., 19 Uhr: Literarische Wanderungen mit Wolfram Frommlet, Treffpunkt Torfmuseum
Sa 19.7., 15 Uhr und So 17.8., 11 Uhr: Führungen „Sepp Mahler, Werke aus den zwanziger Jahren", Dr. Uwe Degreif, Leprosenhaus

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