Landschaftsschuetzer 01Bad Wurzach - Die gemeinsame Sitzung des Haidgauer Ortschaftsrates und des Bad Wurzacher Gemeinderates über den Genehmigungsantrag eines Landwirts für eine 3,8 ha große Photovoltaikanlage brachte wesentliche Erkenntnisse. Eigentlich sollte es klar sein, dass es in den Empfehlungen zum Europadiplom heißt, die Randbezirke um das Wurzacher Becken sollten frei bleiben von allen großtechnischen Anlagen, d.h. auch von Windkraft- und Photovoltaikanlagen.

 

 

Deshalb die mehrfach gestellte besorgte Frage, ob solche Anlagen im Becken zulässig seien, sofern ein Betrachter, der sich im Europa-Schutzgebiet aufhält, sie nicht sehen kann. Wo die Grenzen, wo man so etwas dürfe und wo es eben untersagt sei, liegen, konnte auch die Bürgermeisterin nicht beantworten.

 

Vermutlich sind bisher weder Vertreter der Verwaltung, noch des Gemeinde- und des Ortschaftsrates auf die Idee gekommen, dass die im Auftrag des Europarates tätigen Gutachter nicht nur im Ried spazieren gegangen sind, sondern sich die Landschaft auch von den Randhöhen aus angesehen haben.

Von dort aus würde man die geplante Großflächenphotovoltaikanlage auf jeden Fall deutlich sehen. Sie passte dann recht gut zu den übrigen Hässlichkeiten im Wurzacher Becken, wie die abstoßend wirkenden Biogasballone von Krattenweiler. Das Europadiplom wurde aber nicht nur für den Torfkörper, für Flach- und Hochmoorpflanzen, für Amphibien, seltene Vögel und Insekten, sondern auch für ein noch einigermaßen erhalten gebliebenes Landschaftsbild in seiner geomorphologischen Besonderheit verliehen.

 

 

Wir können nur vermuten, dass der letzte Gutachter, der nur von den Rändern und nicht vom flachen Anteil des Beckens sprach, gar nicht auf die Idee gekommen ist, dass Bad Wurzacher Gemeinderäte mit etwas Wortklauberei meinen könnten, wenn er schon die Randlagen so betonte, könne er den flachen Bereich nicht gemeint haben.

 

Warum so viel heruminterpretieren? Der Gutachter kommt aus Österreich. Die Verwaltung hätte von ihm unschwierig eine Stellungnahme einholen können.

 

 

Auch hat die Verwaltung einen gar nicht so lange zurückliegenden Vorgang nicht in ihre Erwägungen einbezogen. Mit ihrem Plan, der Schaffung eines interkommunalen Gewerbegebietes, sind die Antragsteller, die Gemeinden Bad Waldsee, Bergatreute und zuvorderst Bad Wurzach vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim krachend gescheitert.

 

Auch „schlaue“ Maßnahmen unseres damaligen Bürgermeisters, wie das Belegen von mehreren ha mit Plastikfolien, um die störenden Feldlerchen am Brüten zu hindern, gingen als „Schuss nach hinten“ los.

Die Verwaltungsrichter hatten sich die Landschaft gerade von diesen Anhöhen, die auch von den Gutachtern für das Europadiplom aufgesucht wurden, genau betrachtet. Schließlich scheiterte das Projekt in erster Linie wegen seiner Unvereinbarkeit mit dem Schutz der Landschaft.

 

Es wird also notwendig sein, eine Klärung herbeizuführen, ob die geplante PV-Anlage im Wurzacher Becken mit der Zielsetzung des Europadiploms und mit dem Landschaftsschutz vereinbar ist. Auch die Beauftragung eines Landschaftsarchitekten mit einer Sichtbarkeitsstudie der geplanten PV-Anlage von den Höhenzügen aus, hätte dem Gemeinde- und dem Ortschaftsrat eine neue, aber dringend notwendige Perspektive als Entscheidungsgrundlage bieten können.

 

 

Bei der gemeinsamen Sitzung wurden auch die Vorteile der Photovoltaik im Vergleich zur Biogaserzeugung genannt, wobei behauptet wurde, der Energie-Flächenertrag bei der Photovoltaik sei ca. 20 mal so groß wie bei der Biogasverstromung. Vergessen wurde dabei, dass nachts keine Sonne scheint und somit, ähnlich wie bei der Windkraft, eben nicht von der „Versorgung“ von Haushalten mit Strom gesprochen werden darf, während die Stromversorgung aus Biogasanlagen ganztägig möglich ist und über die Steuerung der Abgabe auch bedarfsgerecht betrieben werden kann.

 

Wie werten wir Landschaftsschützer die verschiedenen Formen der Stromerzeugung und Energieerzeugung durch „erneuerbare“ Energielieferung? Wir sind nicht, wie man uns schon vorgeworfen hat, gegen alles und jedes!

 

Aus unserer Sicht ist die sinnvollste und die Landschaft am wenigsten belastende Nutzung die Photothermie, d.h. die Nutzung der Sonne zum Aufwärmen von Trink- und Brauchwasser und zur Unterstützung von Warmwasserheizungen. Der entscheidende Vorteil: Diese Anlagen können unschwer mit ausreichenden Speicheranlagen (Wasserbehälter) versehen werden. Außerdem ist hier die Belastung der Landschaft am geringsten.

 

Danach kommt die Nutzung der Dächer für die Photovoltaik. Solange es noch genügend geeignete freie Dächer gibt, sollte Photovoltaik auf landwirtschaftlich nutzbarem Grund unterbleiben.

 

Windkraftanlagen zerstören eine Landschaft und bringen für alle in ihrer Nähe wohnenden Menschen schwere gesundheitliche Belastungen und werden deshalb von uns konsequent abgelehnt. Außerdem fehlt es auch hier an einsetzbarer, erprobter und finanzierbarer großtechnischer Speicherung.

 

Imaginäre Speicherkonzepte gibt es allerdings genügend, doch befindet sich deren großtechnische Verwirklichung in weiter Ferne, zumal heute niemand eine realistische Kostenberechnung vorlegen kann.

 

Bei der Biogasnutzung besteht wie bei der Flächenphotovoltaik der Gegensatz von Teller und Tank. Wir sind der Ansicht, die wirkliche Aufgabe des Bauernstandes ist die Nahrungsversorgung der Bevölkerung. Gegen die ursprüngliche Nutzung landwirtschaftlicher Abfälle und die Nutzung des Energiegehalts der Gülle wäre auch nicht viel einzuwenden. Erst mit der systematischen Nutzung von „NawaRos“ (nachwachsenden Rohstoffen) zur Stromerzeugung begann der Sündenfall.

 

Hans-Joachim Schodlok

 

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