Schick

Bad Wurzach - Bürgermeisterin Alexandra Scherer und Klaus Schütt, ihr erster Stellvertreter aus den Reihen des Gemeinderats, nahmen in ihren Ansprachen beim diesjährigen Neujahrsempfang im Kursaal zu Themen Stellung, welche für die Stadt in 2019 wichtig waren, warfen aber gleichzeitig auch einen Blick in die Zukunft von Bad Wurzach. Ein weiteres Thema bei der von der Stadtkapelle musikalisch begleiteten Veranstaltung war die Verleihung der Bürgermedaille an den langjährigen Kreis-, Gemeinde- und Ortschaftsrat Hansjörg Schick. Große Freude bei Hansjörg Schick, nachdem ihm Bürgermeisterin Alexandra Scherer die Ehrenmedaille der Stadt Bad Wurzach überreicht hatte

 

 

Die Stadtverwaltung mit Bürgermeisterin Alexandra Scherer an der Spitze hatte am Freitagabend wieder politische Prominenz, geistliche Würdenträger, Unternehmer und Vereinsvorstände zum traditionellen Neujahrsempfang in den Kursaal eingeladen. Rund 300 Gäste waren der Einladung gefolgt, um gemeinsam mit der Bürgermeisterin und ihrem ehrenamtlichen Stellvertreter auf das abgelaufene Jahr zurück zu blicken und einen Blick in die nahe Zukunft im Jahr 2020 zu werfen.

 

Erstes großes Thema in der Neujahrsansprache der Bürgermeisterin war die Einführung der Dachmarke Bad Wurzach. Die Vielfalt und Größe der Stadt und ihrer Ortsteile sei beeindruckend, wie sie aus eigener Erfahrung feststellen konnte.

Die Absicht bei der Einführung der Dachmarke sei es, durch einen gemeinsamen, starken Auftritt, diese Vielfalt samt ihren positiven Eigenschaften heraus zu stellen.

2019 war Spatenstich für das neue Hallenbad, eine der größten Baumaßnahmen in den nächsten Jahren, über dessen Bau lange und intensiv diskutiert wurde. Bei einer Besichtigung im Herbst konnte sich die Öffentlichkeit ein Bild von den Baufortschritten machen.

 

In das Lob für die örtlichen Handwerker schloss sie auch die neuen Betreiber des Kurhauses mit ein, für das nach mehr als dreijähriger Vakanz nun wieder Pächter gefunden wurden, die sich auch darüber im klaren seien, das es zur Bewirtschaftung des Hauses eines langen Atems bedürfe. „Wir freuen uns, dass Sie da sind, dass der Anfang gemacht ist und wir freuen uns auch schon auf die offizielle Eröffnung Anfang Februar mit PommFritz, einem musikalischen Highlight unserer Region!“ sprach sie an die Pächter und deren Mitarbeiter direkt an.

An die Bürger appellierte sie, das gastronomische Angebot auch anzunehmen.

 

Eine weitere Baustelle – im doppelten Sinn – werde 2020 mit dem Umbau des Kurhotels in Angriff genommen. Dazu begrüßte sie auch den neuen Kurgeschäftsführer Markus Beck, der ab März seine Arbeit aufnehmen werde.

 

Bedingt durch die Teilschließung des Kurhotels während der heißen Bauphase, setzt die Stadt auf die privaten Vermieter, welche die Bürgermeisterin aus diesem Grunde ebenfalls als große und wichtige Personengruppe zu diesem Empfang eingeladen hatte.

Bad Wurzach als Tourismusstandort zu stärken hat sich auch die Bürgermeisterin auf die Fahnen geschrieben: Das an Sehenswürdigkeiten mit Schloss, Gottesberg, Maria Rosengarten mit Naturschutzzentrum reiche Bad Wurzach solle demnächst um eine weitere Attraktion erweitert werden: einem Turm im Wurzacher Ried.

 

Nach Markus Beck gab es aber noch weitere personelle Neuigkeiten bei städtischen Einrichtungen: 2019 übernahm Petra Springer, die seit vielen Jahren bereits erfolgreich die Stadtkapelle leitet, die städtische Jugendmusikschule. Mit Markus Brandstetter hat die Stadt nun wieder einen Jugendbeauftragten, der die Städtische Jugendarbeit voranbringen werde.

 

Neue Baugebiete in Bad Wurzach, in Arnach, Haidgau und Ziegelbach würden die Stadtentwicklung voranbringen. Scherer freute sich auch, dass die Sprachheilschule in Arnach sich mit der Übernahme des ehemaligen Kindergartens in Arnach sein Angebot vergrößere.

Durch die Kommunalwahlen im Mai 2019 habe es eine kommunalpolitische Zäsur gegeben. „Aber wir haben nun neue, diskussions- und entscheidungsfreudige Gremien erhalten, mit denen die Arbeit für das Gemeinwohl richtig Freude macht.

 

Und meine sehr geehrten Damen und Herren Rätinnen und Räte, wir haben noch einiges mit Ihnen vor.“ Dazu zählte Scherer den demnächst zu beschließenden Haushalt, um die geplanten Projekte schnellstmöglich auf den Weg zu bringen.

Die Konjunkturlage in der Raumschaft stufte sie als „noch gut“ ein, weil die Region nicht in großem Maße von der Automobilindustrie abhängig sei. Für die in den letzten Jahren gute Gewerbe- und Einkommensteuereinnahmen dankte sie den Unternehmern und Bürgern für ihre Verbundenheit zur Stadt.

Mit den Steuern könne die Flächengemeinde Bad Wurzach die vielfältige Infrastruktur wie Straßen, Wege, Schulen und Kindergärten erhalten bzw. ausbauen. „Deshalb tut es uns gut, dass der landespolitisch diskutierte Flächen-Finanzausgleich kommt, Bad Wurzach wird als drittgrößte Kommune in Baden-Württemberg am meisten davon profitieren.“ Ein Beispiel dafür sei der Ausbau von Glasfaser, inzwischen ein nicht unbedeutender Standortfaktor. Hier müsse Bad Wurzach anders denken als kompaktere Kommunen.

 

Neben dem ELR-Schwerpunkt in Seibranz wird auch das mögliche Nahwärmenetz zur Nutzung der Abwärme der Glasfabrik im Jahre 2020 ein wichtiges Thema werden. Mit der Beschreibung von Klimaschutz-Maßnahmen werde die Kommune daneben auch durch die Umsetzung vorgeschriebener Maßnahmen bei den Bushaltestellen insbesondere beim Postplatz gefordert sein. Außerdem stehe ein Verkehrskonzept für die Innenstadt, um die Verkehrssituation für Anwohner, Fußgänger und Autofahrer in der Innenstadt zu verbessern, auf der Agenda.

Sie schloss ihre Rede mit dem Dank an den alten und neuen Gemeinderat, an ihre ehrenamtlichen Stellvertretern Karl-Heinz Buschle und Sybille Allgaier. Ein besonderer Dank galt ihrem ersten Stellvertreter Klaus Schütt, der während der Suche nach einem neuen Kurgeschäftsführer viele und oft auch sehr kurzfristige Termine für sie habe wahrnehmen müssen.

 

 

Klaus Schütt dankte in seiner kurzen Ansprache im Namen der 22 gewählten Gemeinderätinnen und Gemeinderäte für das entgegengebrachte Vertrauen. Mit in den Dank schloss er alle Kandidaten für deren Bereitschaft zu kandidieren ein.

„Nur durch ihre Bereitschaft zu einer Kandidatur war eine Wahl möglich.“

„Sie sind die Menschen, die unsere Demokratie braucht,“ sagte er bezugnehmend auf ein Zitat aus der Weihnachtansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Jetzt leben wir seit 30 Jahren in Einheit, Freiheit und Demokratie. Nur: Nehmen wir das bitte nicht als selbstverständlich! Wir brauchen die Demokratie - aber ich glaube: derzeit braucht die Demokratie vor allem uns!“

 

Er machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, dass sich bei der Gemeinderatswahl in einigen Ortschaften trotz dreier Listen nur jeweils ein Kandidat fand und damit keine richtige Wahl stattfand. er fragte sich: „Wie können wir die Bürgerinnen und Bürger begeistern, sich für eine Kandidatur bei Kommunalwahlen zur Verfügung zu stellen und kommunalpolitische Verantwortung zu übernehmen?“ Er dachte aber auch laut nach:

„Müssten wir nach 45 Jahren Eingemeindung auch einmal über notwendige strukturelle und politische Veränderung nachdenken?

Nur wer Veränderungen zulässt, kann auch bestehendes bewahren.“

 

Schütt erklärte die derzeit im Amtshaus durchgeführten und für das Rathaus geplanten Umbaumaßnahmen für zeitgemäße Arbeitsplätze als wichtigen Faktor im Wettbewerb um kompetentes Personal. Er dankte den Mitarbeitern der Stadt, des Kurbetriebs, der Kindergärten, Schulen und Ortsverwaltungen sowie des Städtischen Betriebshofes für ihre sie oft an die Belastungsgrenze führende Arbeit.

„Unsere dezentrale Struktur, ich möchte hierbei zum Beispiel unsere Kindergärten, Schulen, Ortsverwaltungen und den Städtischen Betriebshof nennen, erfordert einen erheblichen personellen Mehraufwand und natürlich Kosten, wenn man dies in Relation zu unserer Einwohnerzahl setzt.

„Liebe Mitarbeiter, wir wissen, ihre Arbeit zu schätzen.“

Ein Lichtblick für die aufgrund der dezentralen Struktur der Stadt entstehenden Mehrkosten sei der nunmehr eingeführte Flächenfaktor bei der Zuteilung von Landesmittel. Dies sei auch mit der Verdienst von Bürgermeisterin Alexandra Scherer, die sich intensiv dafür stark gemacht habe.

 

 

Nach einem weiteren, von den Gästen des Empfangs begeistert aufgenommenen Musikstück der Stadtkapelle unter ihrer Dirigentin Petra Springer folgte ein weiterer Höhepunkt:

Der langjährige Kreis-, Gemeinde- und Ortschaftsrat Hansjörg Schick erhielt aus den Händen von Bürgermeisterin Alexandra Scherer die Bürgermedaille der Stadt verliehen. Schick erhielt die Ehrung aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses zuerkannt.

 

Hansjörg Schick war von 1975 bis 2019 kommunalpolitisch in Arnach, Bad Wurzach und im Kreistag Ravensburg aktiv. Von 1975 bis 2009 war er Ortschaftsrat in Arnach, von 1975 bis 1984 und von 1999 bis 2019 Gemeinderat in Bad Wurzach, von 1999 bis 2014 war er ehrenamtlicher Stellvertreter des Bürgermeisters. Von 1989 bis 2014 gehörte Schick dem Kreistag des Landkreises Ravensburg an.

Darüberhinaus war lange Zeit auch Vertreter des Gemeinderats im Stiftungsrat des Naturschutzzentrums, in der Verbandsversammlung der OSG und der Verbandsversammlung OGI. Beim Neujahrsempfang 2015 wurde ihm die Ehrung für 40 Jahre kommunalpolitische Tätigkeit seitens des Gemeindetag Baden-Württemberg zuteil.

 

In ihrer Laudatio verwies die Bürgermeisterin auch auf Schick´s vielfältige ehrenamtliche Tätigkeiten, z.B. als Gruppenführer der Blutreiter Arnach, beim Liederkranz Bad Wurzach oder als Gründungsmitglied des Partnerschaftsvereines.

Dass dieser nie mit seiner Meinung – freundlich aber bestimmt – hinter dem Berg hielt, davon konnte sie selbst aus ihrem Bürgermeisterwahlkampf eine Geschichte erzählen.

 

Hansjörg Schick tat dies auch an diesem Abend. Er zog sein persönliches Fazit über seine Zeit als Kommunalpolitiker. Er stellte dabei den Gästen des Empfanges die Quizfrage, wie umfangreich die größte Sitzungsvorlage gewesen sei (500 Seiten!), berichtete von der Skepsis auch im Gemeinderat, als der erste Supermarkt (Super 2000, jetzt Edeka) in Bad Wurzach gebaut wurde und ließ auch die Entscheidungen des Kreistages zur Gründung des OSK-Klinikverbundes und der damit verbundenen Schließung der kleineren Kliniken noch einmal Revue passieren. Er ärgerte sich auch über die mangelnde Bereitschaft der Bürger vor der Kommunalwahl, sich als Kandidat zur Verfügung zu stellen. Deshalb erklärte der 79jährige, wenn es bis zur nächsten Wahl damit nicht besser werde, dass er als 84jähriger bei der nächsten Wahl noch einmal kandidieren werde.

 

Wie üblich schafften die Gäste nach dem offiziellen Teil des Empfanges gemeinsam die Stühle zur Seite, um sich dem gemütlicheren Teil des Empfanges zu widmen.

 

 

Text und Bilder von Uli Gresser
 

 

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