Leserbrief 300.jpgBad Wurzach (Leserbrief) - Greta, eine junge Frau, Schülerin, hat „Großes“ geleistet. Sie hat junge Menschen auf ein existenzielles Zukunftsproblem hingewiesen, uns alle zum Handeln aufgefordert. „Friday for future“, der Freitag für die Zukunft, man braucht zugkräftige Schlagworte, so ist es halt.

 

 

 

Daß man für hohe und wichtige Ziele auch mal an einem oder zwei Freitagen die „Schule schwänzt“ um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, ist verständlich und nachvollziehbar. Abgesehen davon, daß solche Aktionen Verstöße gegen geltendes Recht sind, verlieren sie als Dauerveranstaltung ihre Wirkung.

Peinlich wird es aber dann, wenn Lehrer auch das noch rechtfertigen. Und plötzlich kommen auch Prominente „aus den Büschen“, werden zu „Greta-Fans“.

 

Im Zusammenhang mit dem Klimawandel lohnt sich aber auch einmal der Blick zurück. Das Reaktorunglück von Fukushima im Jahr 2011 hatte die ganze Welt schockiert. In Deutschland hatte das dann auch weitgehende Folgen. „Atomkraft? Nein Danke“ - auch ein Slogan mit weitreichenden Folgen. Als Reaktion darauf wurde die „Energiewende“ eingeleitet. U.a. wurden Atomkraftwerke vom Netz genommen.

Im Grunde genommen ging es auch um Macht, Machterhalt, und in der Folge stiegen die CO2 Werte wieder an. So ganz nebenbei fand die „Energiewende“ schon Jahre vorher statt. So wurden 2010 bereits 7,5 Gigawatt Strom aus Solartechnologie produziert. In den vergangenen 8 Jahren gab es immer wieder einmal Hinweise auf die Klimaerwärmung mit all ihren schlimmen Folgen, getan hat sich aber sehr wenig.

 

Wo war die Weitsicht all derer, die plötzlich im Gefolge von Greta die Risiken und Gefahren einer weltweiten Fehlentwicklung korrigieren wollen? Nach Jahren relativer Ruhe plötzliche allerorts hektische Betriebsamkeit, mit ausgelöst durch den Streik einer Schülerin. Und, was zu befürchten war, unterscheidet sich das kaum von dem, was vor acht Jahren geschah: anstatt in Ruhe und mit Sachverstand endlich eine Energiewende einzuleiten, die auch volkswirtschaftlich „verkraftbar“ ist (der Anteil Deutschlands am weltweiten CO2 Ausstoß beträgt ca. 2%), treibt so ziemlich jeder „seine Sau durchs Dorf“. Auch tierisch: „Pupsende“ und „rülpsende“ Kühe“ produzieren bei uns scheinbar zu viel Methan und CO2.

Gleichzeitig wird aber der tropische Regenwald in einem nie gekannten Maße abgeholzt, weil dort Rinderweiden angelegt werden. E-Mobilität und massiver Ausbau der Digitalisierung sind u.a. auch vorrangige und oft genannte Ziele politischer Gestaltung. Dazu braucht man Strom, viel Strom, und Geld, viel Geld.

Was nach Fukushima nicht gelang, nun wird es angepackt – ohne Rücksicht auf Verluste. Daß nun auf einmal Benutzer eines bestimmten Autotyps regelrecht „angefeindet“ werden, ist nur ein Beispiel für fehlgeleitete Emotionalisierung. Der einzelne kann die Welt nicht ändern, wohl aber bei sich selbst einmal anfangen.

 

Ja, es muß dringend gehandelt werden, aber mit Weitsicht, Verstand und weltweit.

 


Otto Loser
Ziegelbach

 

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