17volkstrauer wurzachBad Wurzach - Zum Gedenken an die Opfer von Kriegen, Verfolgung und Terrorismus trafen sich am Volkstrauertag auch in diesem Jahr die Vertreter der Vereine, etwa der TSG oder der Landjugend Gospoldshofen und Hilfsdienste wie Feuerwehr und DRK mit ihren Fahnenabordnungen bei der Gedenkstätte an der Aussegnungshalle, um gemeinsam mit Bürgermeisterin Alexandra Scherer und den Gemeinderäten der Opfer der Weltkriege zu gedenken. Charlotte Heine, Abiturientin des Salvatorkollegs, sprach aus der Perspektive der Jugend zu Kriegen, Hass und Verfolgung. Bild: Die Redner bei der diesjährigen Gedenkfeier am Volkstrauertag. v.r. Bürgermeisterin Alexandra Scherer, Charlotte Heine, Pfarrerin Barbara Vollmer und Stadtpfarrer Stefan Maier (ganz links). Zweiter von links Klaus Amann als Vertreter des Salvatorkollegs

 

 

Wie bereits im Vorjahr musste die Prozession hinauf zur Gedenkstätte ausfallen, weil die Polizei wegen Personalmangels an diesem staatlichen Feiertag keinen Absicherungsdienst leisten konnte. Dafür wurde in St. Verena zuvor mit Pfarrerin Barbara Vollmer und Stadtpfarrer Stefan Maier ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, nach dessen Ende die Feierteilnehmer sich ähnlich wie bei Beerdigungen zu Fuß zur Gedenkstätte aufmachten.


Bürgermeisterin Alexandra Scherer eröffnete, nachdem die Stadtkapelle mit einem Choral die Feier musikalisch eingeleitet hatte, mit ihrer Ansprache über die Gräuel des Zweiten Weltkrieges, die Gedenkfeier. „Nur wer sich erinnert, kann aus der Vergangenheit lernen, um eine bessere Zukunft zu gestalten.“ Fast 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges falle es schwer, in den idyllischen Landschaften und den lebendigen Städten Europas die Schauplätze von Kriegen und totalitären Diktaturen zu erkennen. Nach dem Angriff auf Polen am 1. September 1939, der den Beginn des Zweiten Weltkrieges markierte, begann für unser Nachbarland eine Zeit unvorstellbaren Leides. Nach der Nazi-Rassenideologie sollten die Polen als Sklavenvolk gehalten werden, gleich nach dem Angriff wurden die Eliten systematisch umgebracht.


Die Deutschen führten eine Schreckensherrschaft mit Willkür, Terror und Gewalt. Die jüdische Bevölkerung wurde in Ghettos zusammengetrieben und später in den polnischen KZs, Auschwitz, Majdanek, Kulmhof, Belzec, Treblinka und Sobibor, fernab von den Augen der deutschen Bevölkerung, fast vollständig ausgelöscht. Mit dem Eingeständnis von Schuld und Verantwortung und deren Aufarbeitung– ein langer und schmerzhafter Prozess – seien wir weit gekommen, was gut und richtig sei. Ebenso gut und richtig sei es, mit dem Volkstrauertag nicht auf zu hören, uns der Geschichte zu erinnern und dabei allen Opfern zu gedenken. „Längst dient dieser Tag dem öffentlichen Gedenken, gegen das Vergessen, gegen die Selbstverständlichkeit eines Friedens.“


Wie in jedem Jahr steuerte der Liederkranz CHORioso mit „Fürchte Dich Nicht“ und dem musikalisch vertonten Friedrich Bonhoeffer Gedicht „Von Guten Mächten wunderbar geborgen“ das dieser kurz vor seiner Hinrichtung im KZ Flossenbürg – wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges schrieb, seinen Part zur würdigen Gestaltung der Trauerfeier bei. „Kriege beginnen nicht auf dem Schlachtfeld, Kriege beginnen nicht mit dem ersten Schuss, Kriege beginnen weit vorher, “ diese Erkenntnis setzte Charlotte Heine an den Beginn ihrer Gedanken über das Entstehen von Kriegen, Hass und Gewalt aus der Sicht einer jungen Frau in der heutigen Zeit. „Kriege wurzeln in Neid und Misstrauen, in Provokation und in Lüge, in dem willentlich bösen Wort.


Das verdrehte und missbrauchte Wort, trägt den Keim zu furchtbaren und menschenverachtenden Auseinandersetzungen in sich.“ Und dieses „willentlich böse Wort“ scheint gegen alle Anstandsregeln Konjunktur zu haben: Hassreden im Internet, bewusst angestachelte Shitstorms, durch Mobbing vergiftete Kommunikation in den sozialen Medien, Morddrohungen für Politiker als Einschüchterungssignale, Zerstörung des Anspruches auf Wahrheit durch Fake News und Lügen. „Das Wort, die Grundlage des menschlichen Kommunizierens, wird oft missbraucht, um Unfrieden und Hass zu schüren.“ Hilde Domin – als Jüdin in den 30er Jahren ins Exil gezwungen – wusste um die Bedeutung und Kraft des Wortes und verfasste das Gedicht „Unaufhaltsam“. Darin heißt es u.a.: „Ein Vogel käme Dir wieder, nicht dein Wort, das eben noch ungesagte, in deinem Mund. Du schickst andere hinterdrein, Worte mit bunten weichen Federn. Das Wort ist schneller, das schwarze Wort.“


Stadtpfarrer Stefan Maier gedachte mit seinem Gebet der Vielen Menschen, die wegen ihrer Rasse und Religion verfolgt wurden, an die Menschen die wegen Krankheit „als lebensunwert“ getötet wurden, an diejenigen die sich Regimen widersetzten, ganz allgemein den Opfern von Kriegen und Terrorismus, aber auch den Bundeswehrsoldaten, die bei Auslandseinsätzen getötet wurden.  „Wir teilen den Schmerz der Angehörigen und beten für Hoffnung und Versöhnung.“


Während die Stadtkapelle „Ich hatt´ einen Kameraden“ intonierte, verharrte Bürgermeisterin Scherer im stillem Gedenken vor dem Kreuz und dem niedergelegten Kranz für die Toten der Kriege. Mit Fürbitten für die Opfer setzte Pfarrerin Barbara Vollmer den verbalen Schlusspunkt, ehe die Stadtkapelle mit der Nationalhymne die Feier musikalisch beendete und alle Anwesenden Gelegenheit hatten, ihr Gedenken für alle Opfer vor dem Kreuz zum Ausdruck zu bringen.



Bericht und Bilder Ulrich Gresser





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