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Bad Wurzach - Die Bruderschaft von der Todesangst unseres am Kreuze sterbenden Herrn Jesus Christus und seiner schmerzhaften Mutter Maria, gewöhnlich „Bruderschaft vom Guten Tode“ genannt, wurde auf Initiative von Stadtpfarrer Stefan Maier und des Kirchengemeinderates von St. Verena wiederbelebt. Gefeiert wird das Titular- bzw. Bruderschaftsfest der wiederbelebten Bruderschaft am 21. September. Bild: Superior Pater Konrad Werder und Stadtpfarrer Stefan Maier präsentieren stolz das Bruderschaftsbuch.

 

Gestiftet wurde die Todesangst Christi-Bruderschaft 1712 vom Wurzacher Grafenhaus. Vorausgegangen war die Genehmigung durch eine Bulle von Papst Clemens XI (4. August 1711), am 7. September 1712 wurde sie durch Erlass des bischöflichen Ordinariats Konstanz errichtet und am 30. Dezember 1712 auf dem Gottesberg eingeführt. Die Bruderschaft hat den Zweck, „die Heilige Andacht und Mitleiden der bitteren Todesangst unseres Liebsten Heilandes Jesus Christus am Kreuze zu verehren und dadurch die Fürsprache der schmerzhaften Mutter und Jungfrau Maria, eine glückliche Sterbestunde und ein seliges Ende zu erlangen...“

 

Bereits im ersten Jahr ließen sich 267 Personen eintragen, im zweiten sogar 551. In dem Bruderschaftsbuch sind weit über 300 Ortsnamen aus der näheren und weiteren Umgebung feststellbar. Sicher auch zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Bruderschaft von Anfang an Frauen wie Männern offenstand, eine Seltenheit in der damaligen Zeit.

 

Die Regeln der Bruderschaft, die vom Tag ihrer Stiftung an, beiden Geschlechtern offenstand, werden den Mitgliedern „ans Herz gelegt“, sind also nicht verpflichtend. Am Tag der Einschreibung die Sakramente Beichte und Kommunion empfangen, an jedem Freitag in Erinnerung an die Todesangst Christi ein Gebet um Erlangung einer guten Sterbestunde sprechen, ein tägliches Gebet für die Sterbenden zu beten und wenn ein Mitglied stirbt, dieses dem Gottesberg mitteilen, damit für das Mitglied gebetet wird.

 

„Wer eine der Regeln – aus welchen Gründen auch immer – nicht befolgen kann, begeht keine Sünde, “ erklärt Stadtpfarrer Stefan Maier, der gemeinsam mit dem Kirchengemeinderat die Initiative zur „Wiederbelebung“ der Bruderschaft ergriffen hat. Superior Pater Konrad Werder, der in dieser Funktion automatisch als Direktor der Bruderschaft fungiert, führt in dieser Eigenschaft das originale Bruderschaftsbuch, in das weiterhin alle Neumitglieder eingetragen werden. Die bis jetzt letzten Eintragungen datieren auf Anfang Mai 2019. „Die Pilgergruppe aus dem Salzburger Land bei Attersee wollte eigentlich bei der Eintragung dabei sein, erlitt aber bei der Fahrt nach Bad Wurzach eine Fahrzeugpanne, “ erzählt Pater Konrad.

 

Erstaunlich sei, finden Pfarrer Stefan Maier und Pater Konrad Werder, dass trotz dem die Bruderschaft damit bereits zum vierten Mal wiederbelebt wird – denn nach der Aufhebung des Kloster und dem Tod des letzten Paulanerbruders (1835) schlief die Bruderschaft erstmals ein, dennoch gab es immer wieder Initiativen zur Wiederbelebung 1860 und nach der Übernahme der Wallfahrt durch die Salvatorianer 1931 und 1949 – erstaunlich finden sie, dass trotz der vielen Jahre im „Dornröschenschlaf“ sich immer wieder Gläubige in das Bruderschaftsbuch eintragen ließen. Prominentestes Mitglied dürfte wohl Bischof Joannes Baptista Sproll gewesen sein, der sich 1931 in das Buch eintragen ließ.

 

Neben vielen Gläubigen aus ganz Süddeutschland und Österreich hatten auch viele Bad Wurzacher Kenntnis von der Bruderschaft und sind in dem Bruderschaftsbuch verzeichnet. Pfarrer Stefan Maier hatte im Zuge seiner Recherchen über die Bruderschaft auch Zugang zum Fürstlichen Archiv auf Schloss Zeil erhalten, wo die Original Stiftungsurkunde aufbewahrt wird und von der er eine Kopie erhielt. Pfarrer Anton Hagenauer, der das „Amtslatein“ mit seinen Fachausdrücken und Abkürzungen beherrscht, konnte die Kopie in mühevoller und langwieriger Arbeit übersetzen.

Dass die Bruderschaft vom guten Tod im 18. Jahrhundert nicht die einzige in Bad Wurzach war, zeigt das Deckengemälde von St. Verena, wo die Direktoren der Bruderschaften abgebildet wurden.

 

Pater Friedrich Emde, Schulleiter des Salvatorkollegs, setzte sich in einem teilweise in der kleinen Broschüre, die von der Kirchengemeinde St. Verena aus Anlass dieser erneuten Wiederbelebung der Bruderschaft herausgegeben wird, abgedruckten Aufsatz mit dem Ziel der Bruderschaft und der über die Jahrhunderte veränderten Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit dem Sterben auseinander. Ging es in früheren Zeiten darum, die natürliche Angst vor dem Sterben zu verarbeiten und den Tod zu akzeptieren, neigt man in der heutigen Zeit eher dazu das Sterben zu tabuisieren und überlässt das Thema Medizinern und ausgebildeten Sterbebegleitern. „Letztere zeigen im Geist der Hospizbewegung meistens wieder Verständnis , dass zu einem „guten Tod“ auch die Verwurzelung im Glauben gehört.“

 

Ihr Bruderschaftsfest feiert die Bruderschaft vom Guten Tod am Samstag den 21.09.2019 um 9.00 Uhr mit einem Gottesdienst auf dem Gottesberg und anschließend mit einem Vortrag im Pius-Scheel-Haus. Pfarrer Maier und Pater Konrad laden dazu alle Interessierten und Mitglieder ein.

 

 

Bericht und Bilder: Ulrich Gresser

 

 

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Die ersten Seiten des Buches.

 

 

 

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Die in Kalligrafischer Handschrift geschriebene Titelseite.

 

 

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