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Bad Wurzach - Friedhelm Enz macht nach einer Hirnblutung wieder Musik – gelernt hat er das während der neurologischen Reha Bild: Ein Konzert der besonderen Art fand am Freitag, dem 7. Juni, in der Rehabilitationsklinik Bad Wurzach statt. Patient Friedhelm Enz verabschiedet sich nach mehreren Wochen Reha. Nach einer Gehirnblutung kann er nun wieder gehen, sprechen, seinen Alltag selbständig gestalten – und Klavier spielen. Für Chefarzt Dr. Schlomm, Patienten und Therapeuten ein außerordentliches Erlebnis!

 

 

Durch das Foyer der Rehabilitationsklinik Bad Wurzach schwirren Jazzklavierklänge: Chick Corea`s „Children´s Songs“. Das Publikum, Patienten auf dem Weg von der Therapie in die Mittagspause und viele Therapeuten, wippt mit. Am Klavier: ein Duo – das grüne T-Shirt weist die Pianistin als Therapeutin aus. Doch kein ganz normales Unterhaltungskonzert?

 

Es ist das Abschiedskonzert von Friedhelm Enz, seit anderthalb Monaten Patient in der Fachklinik für Orthopädie, Neurologie und Altersmedizin. Verena Jungwirth und Friedhelm Enz haben am gleichen Tag in Bad Wurzach begonnen. Sie als Musiktherapeutin, er als Patient. Drei Wochen lag er nach einer Hirnblutung im Februar im Koma. In die Rehabilitationsklinik kam er nach drei Monaten Krankenhausaufenthalt als Patient der Phasen C und D, erläutert Chefarzt Dr. Markus Schlomm. Patienten in dieser Phase sind in der Regel sehr eingeschränkt mobil und meist in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt, so Dr. Schlomm. Enz, gelernter Werkzeugmacher, spielte vor seiner Erkrankung in drei Bands Klavier und Gitarre. Durch die Erkrankung war er schwer betroffen. An Musizieren war zunächst gar nicht zu denken. „Dabei hat mir Musik immer geholfen“, berichtet er. „Umso schlimmer war, dass ich nun überhaupt keine Musik mehr machen konnte.“

 

Gerade für neurologische Patienten wie Friedhelm Enz habe man in der Waldburg-Zeil Klinik die Musiktherapie aufgebaut, so Chefarzt Dr. Schlomm. Denn sie bietet umfassende Impulse in den Bereichen Sprache, psychisches Befinden, kognitive Fähigkeiten, Koordination und Motorik. Musiktherapeutin Verena Jungwirth ergänzt: „Viele Patienten können zum Beispiel nach einem Schlaganfall nur eingeschränkt oder gar nicht sprechen, weil das Sprachzentrum in der linken Hirnhälfte gestört ist. Singen aktiviert jedoch beide Seiten des Gehirns.“ Das ermöglicht Menschen, wieder sprechen zu lernen. Denn die von der Musik angesprochenen Zentren im Gehirn knüpfen neue Verbindungen. Hinzu kommt die Möglichkeit von Klangreisen und die emotionale Seite von Musik, über die sich Patienten ausdrücken können, selbst, wenn ihnen die Wörter fehlen. So ergänzt die Musiktherapie in Bad Wurzach alle anderen angebotenen Behandlungsmöglichkeiten.

 

Auch Friedhelm Enz berichtet, dass er nach der Gehirnblutung keine Stimme mehr hatte. Stimulierend wirkten bei ihm auch Logopädie, Ergo- und Physiotherapie. Zusammen mit Verena Jungwirth tastete er sich langsam über rhythmische Übungen zum Beispiel mit dem Shaker mit vielen kleinen Schritten an „sein“ Klavier heran. Die erfahrene Therapeutin half ihm, seine Hände zu koordinieren und Bewegungen über den Rhythmus wieder fließender auszuführen. Die hörbaren Fortschritte am Klavier und die Atmosphäre in der Klinik motivierten ihn besonders. Da lag es für den Vollblutmusiker nahe, zusammen mit Verena Jungwirth zu musizieren und schließlich erstmals seit der Gehirnblutung wieder aufzutreten.

 

„Ich möchte allen meinen Therapeuten und Ärzten hier in Bad Wurzach mit meinem Abschiedskonzert Dankeschön sagen“, so Friedhelm Enz. „Und ich möchte anderen Mut machen, zeigen, was dank der Therapie alles wieder funktionieren kann.“ Was alles möglich ist, davon hat er sein Publikum überzeugt. Gemeinsam haben sie den „Drunken Sailor“ gesungen und Chick Corea gelauscht. Nun heißt es für Friedhelm Enz mit einem letzten Song von John Denver „All my bags are packed… I’m ready to go“. Natürlich freut sich Enz nach so langer Zeit auf sein Zuhause in Kochstetten bei Hayingen auf der schwäbischen Alb. Dort warten neue Herausforderungen auf den 61jährigen: der oft unebene Untergrund der Dorfwege, die Verbindung von ambulanter Therapie und Alltag. Und irgendwann wieder Beruf und Band.

 

 

Mehr als eine Viertelmillion Deutsche erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall. Auch wenn seit 1990 nur noch halb so viele Menschen daran sterben, sind Schlaganfälle nach wie vor gefährliche Ereignisse. Selten gleicht das Leben danach dem Leben davor – denn ein Hirninfarkt ist immer noch die häufigste Ursache für eine schwere Behinderung bei Erwachsenen. Nach der Behandlung auf einer Stroke Unit, beginnt die eigentliche „Arbeit“ während der Reha. Die einzelnen Behandlungsphasen werden nach Schwere in die Phasen B bis F eingeteilt.

In den Waldburg-Zeil Kliniken in Bad Wurzach und Wangen werden Patienten in den so genannten Phasen B, C und D behandelt. Eine Reha dauert in Abhängigkeit von der Schwere der erlittenen Schädigung sowie deren Rückbildung meist wenige Wochen bis ca. drei Monate. Ärzte, Physio-, Musik- und Ergotherapeuten, Logopäden, Neuropsychologen und –pädagogen sowie die Pflegekräfte kennen die speziellen Bedürfnisse von Schlaganfallpatienten. Sie gehen behutsam auf jeden einzelnen Patienten ein, um seinen individuellen Stärken herauszufinden und die Defizite gezielt zu behandeln. So wird jeder Patient optimal gefördert. In der Rehabilitationsklinik Bad Wurzach betreuen 210 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 3300 Patienten jährlich in 210 Betten.

 

Bericht und Bilder
Waldburg- Zeil Kliniken
Rehabilitationsklinik Bad Wurzach

 

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