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Bad Wurzach - Fast auf den Tag genau 35 Jahre nach der Abreise einer Pilgergruppe aus Meckenbeuren nach Rom, der sich auch Hubert Gaupp angeschlossen hatte, wurde nun in der Kapelle des Leprosenhauses die Ausstellung seiner während des siebentägigen Aufenthalts in der Ewigen Stadt entstandenen Werke, eröffnet. Bild: Hubert Gaupp bei seiner Ansprache mit Pater Günter und Laudator Bernhard Maier (1. Reihe von Links).

 

Dass dies kein Zufall ist, dafür hatte Pater Günter Mayer, der damals die Reiseleitung durch Rom innehatte, gesorgt. Dieser hatte auch die Idee zu der Ausstellung, die ihn schon lange bewegt hatte, nachdem Hubert Gaupp acht Wochen nach der Reise mit seiner Mappe mit Zeichnungen vor seiner Tür gestanden hatte, wie er in seiner kurzen Ansprache schmunzelnd erzählt. Eine besondere Anekdote zur Reise, deren Anlass ein goldenes Priesterjubiläum war und an der etwa 100 Pilger teilnahmen, hatte Pater Günther ebenfalls parat. Weil unter den Reisenden ein Lokomotivführer a.D. war, hatte man bei der Deutschen Bundesbahn den Antrag auf einen Sonderzug mit drei Waggons gestellt... Innerhalb von fünf Minuten sei geklärt gewesen wann und wo die Ausstellung stattfinden sollte. „Und wenn ich die Schuld an der Ausstellung trage, dann will ich diese Schuld gerne tragen,“ erklärte er den zahlreichen Besuchern mit dem ihm eigenen Sinn für Humor.

 

Robert Stützle, begrüßte im Namen des Gastgebers, dem Verein der Freunde und Förderer des Leprosenhauses Bad Wurzach, der sich auch um die Hängung der Werke gekümmert hatte, die zahlreichen Vernissagebesucher. „Uns allen liegt Rom nahe“, so wie dem inzwischen 82jährige Künstler, der sich von historischen Gebäuden der Stadt zu seinen Werken habe inspirieren lassen, dessen Zugewandtheit zur Philosophie belegte er mit weltbekannten Zitaten wie „Alle Wege führen nach Rom.“

 

Für die Bürgermeisterin sprach deren erster Stellvertreter Karl-Heinz Buschle. Er freute sich, dass für diese Ausstellung „ein hellwacher Künstler“ gewonnen werden konnte. Nach einem Musikstück – für die musikalische Gestaltung der Vernissage sorgte Gregor Holzmann mit seiner „Steirischen“ – brachte Bernhard Maier, ehemaliger Deutsch und Englisch-Lehrer am Salvatorkolleg, den Besuchern die Ausstellung und den Philosophischen Hintergrund des Künstlers nahe.

 

Die jetzt gezeigten 30 Blätter belegten, dass da einer mit einem außergewöhnlichen zeichnerischen Vermögen am Werk war. „Die Motive seiner Skizzen nimmt Hubert Gaupp weitgehend aus dem antiken und barocken Rom: Vatikan mit Peterskirche, Petersplatz, Sixtinische Kapelle und damit zu verbindende Künstler wie Michelangelo und Bernini; die Engelsburg, das Kapitol, das Forum Romanum, der Konstantinsbogen und das Kolosseum. Das Forum Boarium und die Brücke zur Tiberinsel, die Piazza Navona und die Spanische Treppe.“ Mit Ausnahme zweier Blätter stelle Gaupp mindestens einen überraschenden Zusammenhang zu einem anderen Bereich, einer anderen Zeit, Wirklichkeit oder Welt her, „wobei die Untertitel eine wichtige Funktion übernehmen.“ So etwa bei der Nr. 1, den „Reiseskizzen“ die auf den Philsophischen Hintergrund verweisen, genauer auf den römischen Stoiker Epiktet (50-135 n. Chr.) von dem der Kernsatz stammt, den Gaupp als Leitsatz den Skizzen voranstellt: „Es sind nicht die Dinge an sich, die uns beunruhigen, sondern das, was wir über die Dinge denken.“

 

Oder wie Pater Günter es in seinem Begleittext des Ausstellungsflyers ausdrückt: „In Wirklichkeit verblüffen die bewusst und gezielt gewählten Motive der einzelnen Skizzen auf schalkhaft besinnliche Weise und zeigen, wie frei, unbekümmert, hinterfragend Gaupp sich den Objekten seines Handwerks nähert. Bei allem Respekt vor der römischen Architektur bewahrt Gaupps Zeichenstift eine fast übermütig tänzerische, geradezu kindlich unbekümmerte, entwaffnende Freiheit, während sein Geist aus ebenso spontan und übermütig hingeworfenen Untertiteln messerscharf und schnurgerade auf eine andere Realität hinführt, die verschmitzt augenzwinkernd und schelmisch lächelnd hinter den Dingen hervor blinzelt und den Betrachter schmunzeln lässt.“ „Einige Zeichnungen bringen verwirrende, witzige und scherzhafte Verbindungen und Zusammenhänge von bedeutsamen Sehenswürdigkeiten einerseits und alltäglichen Tätigkeiten wie essen, backen, stricken… andererseits.“

 

In allen Zeichnungen herrsche viel Scharfsinn, etwa in „Rom die Stadt der Obelisken“. Gaupp selbst hatte darüber einen Aphorismus verfasst: „Wer dem Bleistift die Schärfe der Spitze verschafft, hat ein Vielfaches an Holz zur Seite geschafft. Einen Gedanken in Schärfe auf Papier zu bringen, kann nur nach demselben Prinzip gelingen.“

 

Hubert Gaupp, erfolgreicher Architekt im Ruhestand, äußerte sich in einer kleinen Rede zu seinem Werk. Er freue sich, „dass Sie den Weg nach Rom über Bad Wurzach genommen haben.“ Wegen der Schnelligkeit und Spontanität der Umsetzung habe er „Skizzen zu Rom“ gemacht. Er entschuldigte sich bei Pater Günter, dass er seinen Erklärungen zum historischen Rom nicht gefolgt sei, sondern sich zum Zeichnen in eine Ecke gesetzt habe. Schöne Bilder zu zeichnen sei ihm dabei zu langweilig gewesen, daher sein spielerisch-freier Umgang mit Ideen. Wichtig sei ihm dabei gewesen, Ideen in Wort und Bild umzusetzen, was die besondere Qualität der Skizzen ausmache, deren Grenzen die Zeit gesetzt habe.

 

 

Bericht und Bilder: Ulrich Gresser

 

 

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