06Schüler im SeniorsuitBad Wurzach - Wie fühlt es sich an, wenn man durch Alter und Gebrechlichkeit im Alltag eingeschränkt ist? Und wie kann ein Altenpfleger/eine Altenpflegerin bei dessen Bewältigung unterstützen? Diese Erfahrung durften die Achtklässler der Werkrealschule am Institut für soziale Berufe IfsB in Bad Wurzach machen. In einem kurzen theoretischen Teil erfuhren die Jugendlichen, wie vielseitig der Beruf des Altenpflegers/der Altenpflegerin bzw. des Altenpflegehelfers/-helferin ist. Im IfsB ist sowohl durch die Lehrerinnen als auch durch die Auszubildenden vermittelt worden, wie viel Freude und Erfüllung dieser Beruf geben kann.

 


Die Schülerinnen und Schüler des Instituts hatten sich zusammen mit den Lehrkräften extra einen Workshop mit drei unterschiedlichen Stationen ausgedacht. Denn anhand von praktischen Erfahrungen lässt sich vieles genauer verdeutlichen. So konnten die Jugendlichen zum Beispiel mit Gewichtsmanschetten an Armen, Beinen und über der Schulter sowie einer speziellen Brille und Kopfhörern versehen durchs Schulhaus gehen. „Ich war sehr erstaunt, wie sehr eingeschränkt alte Menschen teilweise sind“, so ein Jugendlicher der Werkrealschule. „Alles fiel mir mit dieser Ausrüstung so schwer und ich konnte gar nicht mehr richtig sehen und hören.“


Bei der zweiten Station erklärten die angehenden Altenpfleger/innen wie die verschiedenen Werte beim Blutdruck entstehen und wie man ihn misst. Auch das Messen des Glucosewertes im Blut wurde demonstriert und darauf hingewiesen, wie wichtig das Einhalten von Hygienestandards ist. Ganz mutige Schüler durften unter fachkundiger Anleitung sogar selber Hand anlegen und bei einem freiwilligen „Patienten“ eine kleine Menge Blut abnehmen und mit dem Gerät messen. Gar nicht so einfach war es, fremden Menschen Blut abzunehmen. Doch der ein oder andere Schüler überwand mutig seine Berührungsängste. Hier konnten die Fachleute beruhigen: „Andere Menschen anzufassen wird im Laufe der Zeit zur Gewohnheit.“


An der dritten Station war das Thema Nahrungsaufnahme, wenn ein Mensch selber nicht mehr in der Lage dazu ist. Die Jugendlichen lernten, dass die Unterstützung beim Essen nicht „füttern“ heißt, denn dies ist der Begriff bei Tieren. In der Pflege nennt man es „eingeben“. Einige Schüler bekamen die Augen verbunden, während andere ihnen verschiedene Breis oder Joghurt reichten.


Die Erkenntnis war, dass sehr viel Vertrauen in das Gegenüber notwendig ist, wenn man nicht sieht, was man als Essen gereicht bekommt. Und zusätzlich war es gar nicht so einfach, nur anhand des Geschmacks sofort herauszufinden, um welche Speise es sich handelte. Zur Abrundung des Workshops hatten die Altenpflegeschüler noch ein Beispiel für die so genannte Aktivierung vorbereitet. Hier mussten die Jugendlichen eine vorgezeichnete Blume mit einer Schere nachschneiden. Die Herausforderung war, dass Rechtshänder die linke Hand benutzen sollten. Als Erschwernis kam hinzu, dass ein Klassenkamerad/eine Klassenkameradin das Blatt halten musste.


Die beiden Unterrichtsstunden vergingen wie im Flug und der Tenor unter den Schülerinnen und Schülern war: „Richtig cool!“ – Durch die Möglichkeit der Selbsterfahrung wurde den Jugendlichen ein ganz anderer Blick auf das Alter und den Beruf des Altenpflegers/der Altenpflegerin ermöglicht. Im Workshop wurde den Achtklässlern jugendlichengerecht veranschaulicht, wie vielseitig dieser Beruf ist.



Bericht und Bild Hildegard Mühler Karrierebegleitung Stadt Bad Wurzach

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