Flocki RockycanyBad Wurzach - Der Bad Wurzacher Sportkegler Arnold „Flocki“ Zapf erlebt gerade die Saison seines Lebens: Mit der Mannschaft der TSG in die höchste Württembergische Liga aufgestiegen, bei den Senioren B Baden-Württembergischer Vizemeister geworden und für die Deutsche Meisterschaft Ende Juni qualifiziert und vergangene Woche bei der 1. Ü-60 Europameisterschaft hat der Arnacher in Diensten der TSG-Kegler sowohl im Einzelwettkampf wie im Tandem-Mix einen TOP10 Platz erkämpft. Bild: Arnold Flocki Zapf trat im TSG Dress bei der Ü-60 Europameisterschaft an

 

„Flocki rockt Rockycany“ könnte die Überschrift über die Tage von Rockycany lauten. Denn das was der sympathische Ausnahmekegler dort leistete und erlebte war sensationell: Gemeinsam mit seiner ihm zugelosten Partnerin Anica Radacovic (Serbien) schrammte er nur haarscharf an einer Medaille vorbei. Denn nach einem souveränen Auftaktsieg, bei dem beide sich durch sehr konstante Leistungen auszeichneten, scheiterten sie im Viertelfinale an den späteren Europameistern Majda Luzar (Slowenien) und Zdenek Vymazal (Tschechien) ganz knapp am Extra Schub mit 10:14 Holz, nachdem sie ihnen zuvor einen Satz abgetrotzt hatten. Somit erreichten sie als zweitbestes Verliererpaar den sechsten Platz. Mit dem Erreichen des Halbfinales wäre ihnen eine Medaille sicher gewesen...

 

Doch die Ereignisse der Reihe nach: Nach der Anreise am Sonntag stand am Montagvormittag die Auslosung für die Qualifikation im Einzel und dem Tandem Mix auf dem Programm, wo ihm die sympathische, allerdings kein Wort Deutsch und kaum Englisch sprechende Serbin zugelost wurde. Aber mit Händen und Füßen gelang die Kommunikation dann doch. „Wir haben uns sportlich aber sehr gut ergänzt,“ lobt Flocki seine Partnerin.

 

Am Nachmittag stand dann die Qualifikation im Einzel an, wo Zapf es wie schon beim Qualifikationsturnier in Erfurt spannend machte: Als 15. kam er gerade noch als Vorletzter unter die 16 Finalisten. Schlimmer noch erwischte es seine Tandempartnerin Anica Radacovic: Sie schied als 21. von 24 Teilnehmerinnen aus und musste in die Platzierungsrunde gehen.

 

Ein weiterer Höhepunkt war am Montagabend dann die beeindruckende Eröffnungsfeier mit Fahneneinmarsch, Reden und einem tollen Showteil. Nach dem Viertelfinalaus beim Tandem Mix am Dienstag wollten Flocki und seine Frau Maggie sich am Mittwoch einen schönen Tag im nahegelegenen Pilsen machen, doch weil es wie aus Kübeln goss, gingen sie auch an diesem Tag in die Halle, um das Finale des Tandem Wettbewerbes an zu schauen und die Tandempartnerin bei ihrem Platzierungswettkampf anzufeuern. Mit Erfolg, denn diese gewann die Trostrunde mit demselben Ergebnis (586 Holz) wie die spätere deutsche Europameisterin Gitta Heym.

 

Obwohl Sportkegeln in Deutschland eine Randsportart ist, zeigte diese erste Ü-60 Europameisterschaft, dass Deutschland in dieser Altersklasse sehr gut mit Ländern wie Tschechien, Serbien, Kroatien, Ungarn oder Slowenien sehr gut mithalten kann, wo das Kegeln einen weit größeren Stellenwert einnimmt. Sowohl bei Frauen wie Männern erreichten fünf der jeweils sechs Deutschen, die sich in einem der vielen harten Qualifikationsturniere in ganz Europa für diese Meisterschaften qualifiziert hatten, das jeweilige Finale. Und auch der Titel bei den Männern ging mit Hans Dippold an einen Deutschen. Wie groß die Leistungsdichte auch in Deutschland ist, zeigte sich gerade an ihm: Wenige Wochen zuvor hatte er bei der Bayerischen Meisterschaft keine Chance gehabt, sich für die „Deutsche“ zu qualifizieren...

 

Dann stand Flocki also am Donnerstag in der ersten Runde des Finales wieder auf der Bahn, in der die schwächeren acht der Qualifizierten gegeneinander antraten. Angefeuert auch von den serbischen Anhängern und Anica Radacovic gelang es ihm, trotz seiner bekannten Schwächen beim Spiel in die Vollen – mit 378 Holz war er unter den Finalisten bei den Schwächsten, beim Abräumen jedoch mit 209 Holz bei den Besten – sich ihn dieser Runde auf Platz zwei zu platzieren. Und das obwohl er sich beim Abräumen im dritten Durchgang beim letzten Kegel einen Fehlschub leistete und damit keinen weiteren Schub in die Vollen mehr bekam. Natürlich war die Freude groß, denn damit war ihm der Top-Ten-Platz im Finale schon sicher. Zwar schoben sich noch fünf Kegler der stärkeren zweiten Runde an ihm vorbei, aber mit Platz sieben war sein Ziel: „nur nicht 24. werden“ übererfüllt.

 

„Kegeln ist zum Großteil Kopfsache,“ sagt Arnold Zapf. Das bekam auch der Fünftplatzierte der Qualifikation, der Ungar Ferenc Zelenyak zu spüren: er landete im Finale auf dem 16. Platz. „Der Modus, dass es nach der Qualifikation wieder bei 0 losgeht, war unter den Teilnehmern nicht unumstritten, machte aber auch einen Teil der Spannung aus“ ist sich Flocki sicher.

 

Und die Saison – „meine bisher längste“ – ist für ihn noch nicht vorbei. Denn bei der Württembergischen Meisterschaft war er als Zweitplatzierter zwar chancenlos gegen einen Kroaten, aber weil dieser keinen deutschen Pass besitzt, kann er nicht bei der „Deutschen“ starten, die am 29. und 30. Juni in Ludwigshafen-Oggersheim stattfindet. Damit fällt „Flocki“ Zapf die Ehre zu, bei den Deutschen Meisterschaften die Farben Baden-Württembergs zu vertreten. Sollte er es dort aufs Treppchen schaffen, würde er dies mit einer Baden-Württembergischen Fahne um die Schultern tun, verspricht er schon mal. Und so ist es nicht verwunderlich, was der erfolgreiche Sportler nach dem Interview macht: er geht trainieren.

 

 

Bericht: Ulrich Gresser

Bilder: Margret Zapf

 

 

Flocki 60 2Flocki (blaues T-Shirt) beim Einzelfinale unter den strengen Blicken der Schiedsrichter.

 

 

Flocki Ue 60 TandemFlocki und seine Tandempartnerin Anica Radacovic bei der Kugelübergabe.

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