02saitenspurenBad Wurzach - Das Gitarrenduo „saitenspuren“ mit Edith Lehner und Norbert Neunzling faszinierte im Kapitelsaal von Maria Rosengarten mit ihrem virtuosen Gitarren- und Lautenspiel die in großer Zahl gekommenen Zuhörer.

 

Wer erst kurz vor Konzertbeginn den Kapitelsaal, das Herzstück der Stadtbücherei betrat, musste sich kurz gedulden, denn Veranstalter Rainer Uhl und sein Helferteam mussten erst noch zusätzliche Stühle besorgen. Neu war zusätzlich auch die Art der Bestuhlung: Die beiden Musiker platzierten sich mit ihren zahlreichen Instrumenten vor dem offenen Kamin, das Publikum saß im Halbkreis entlang der Längsseite des Saales.


Wer kennt nicht die Erzählungen aus 1001 Nacht? Aber wer weiß schon, dass die im Mitteleuropa von Renaissance und Barock sehr beliebte Laute von einem arabischen Ursprungs ist? Zur Zeit der Renaissance galt sie als Königin der Instrumente. „Doch als das Instrument in der Barockzeit bis zu 25 Saiten hatte, die alle bespielt werden wollten, sank der Stern der Laute: „Vielen Musikern wurde das zuviel und sie griffen lieber zur Gitarre.“ Solche Erklärungen zur europäischen Musikgeschichte gab es bei diesem Konzert der beiden studierten Musiker fast zu jedem Instrument, das sie bespielten.


Lehner und Neunzling studierten beide klassische Gitarre am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg und unterrichten seitdem an Musikschulen in Lechfeld, Mindelheim und Türkheim sowie auch privat. Sie konzertieren als Solisten, spielten in verschiedenen Ensembles, ehe sie 2014 das Duo saitenspuren gründeten. Die beiden legen ihr Hauptaugenmerk auf Originalkompositionen für Gitarre und Laute, also sehr selten zu hörender Musik von der Renaissance bis zur Moderne.


Das Konzert eröffneten die Beiden mit „Princess of Lykia“ des 1970 geborenen türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say, gespielt auf zwei Torres-Modellen des als „Stradivari“ des Gitarrenbaues im 20. Jahrhundert geltenden Richard Jacob Weißgerber. Mit dem Stück entführte dass Duo die Gäste musikalisch und emotional „unter die Sonne des Mittelmeeres“.


Die bereits erwähnte „Königin der Instrumente“ kam bei der Renaissancemusik des Engländers John Dowland, zum Einsatz. Ihre spezielle Bauart unterscheidet die wienerische von der französischen Gitarre mit denen die beiden Musiker klassisch-romantische Werke von Ferdinando Carulli und Johann Kaspar Mertz spielten, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts häufig an den Höfen und in den Salons gespielt wurden. Ein ganz besonderer Ohrenschmaus war dabei der Einsatz der Terz-Gitarre, die um eine Terz höher gestimmt wird als die anderen Instrumente. „Ich denke dein“ das Trauerlied klingt dabei typisch Wienerisch und dürfte ein Jahrhundert später den Komponisten zu der Filmmusik „Der Dritte Mann“ inspiriert haben.


Mit „Kamendja“ von Claude Gagnon führte der musikalische Weg von saitenspuren schließlich in den Okzident: Vom Treffen der beiden Protagonisten in einem hektischen afrikanischen Bazar (La recontre) über die Verführung (la séduction) und die Hochzeitsfeier (la célébration) wurden alle Emotionen musikalisch erspürbar fein nachgezeichnet.


Damit wollten die beiden Musiker das Konzert eigentlich beenden, ließen sich aber von dem langanhaltenden und begeisterten Applaus davon überzeugen, mit einem Gute-Nacht-Lied des russischen Komponisten und Gitarristen Nikita Koshkin noch ein weiteres Stück anzuhängen. Dies stellte zugleich einen kleinen Hinweis auf ihr nächstes Projekt dar, das saitenspuren in der nahen Zukunft beschäftigen wird.

 

Text und Bilder von Uli Gresser
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