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Bad Wurzach - Die Schlossbläser eröffneten mit dem Lied zur Anrufung des Heiligen Geistes „Komm Schöpfer Geist kehr bei uns ein“ musikalisch den Wortgottesdienst, zu dem Superior Pater Eugen Kloos wieder zahlreiche Gläubige begrüßen durfte, darunter auch die zukünftige Bürgermeisterin Alexandra Scherer sowie die Zuschauer vom Privatsender K-TV, der sowohl das Pontifikalamt am Vormittag als auch die Bergpredigt live übertrug.

 

Er sei erstaunt gewesen, als Pater Eugen Kloos, der Superior des Gottesberges, ihn gebeten habe, die das Heiligblutfest abschließende Bergpredigt zu halten, sagte Pater Stefan Kling, Prior des Prämonstratenserklosters Roggenburg, am Beginn seiner Bergpredigt am Nachmittag auf dem Gottesberg. Bei ihnen im Land östlich der Iller sei das Heiligblut-Gen nicht so ausgeprägt wie in Oberschwaben. „Wir haben bei uns im Kloster Roggenburg zwar auch eine alte Hl.-Blut-Reliquie , aber mit deren Verehrung ist es lange nicht so weit her, wie hier.“ Erst seit dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit werde mit ihr wieder in der Fastenzeit am Sonntag wieder der Segen gespendet – was, wen wundert es – von einem Mitbruder aus Gutenzell, der zum Hl. Blut als Oberschwabe eine ganze andere und sicher irgendwie ererbte Beziehung hat, wieder eingeführt wurde.“ Dazu noch sei die Reiterprozession eine beeindruckende Premiere für ihn gewesen, bisher habe er so etwas nur aus dem Fernsehen gekannt. Mit einem Schriftwort aus dem Markus-Evangelium (Mk 5, 25-34), gelesen von Diakon Berndt Rosenthal versuchte Prior Stefan Kling sich dem Mysterium der Heiligblut-Verehrung zu nähern. „Ist sie wirklich echt, das echte Blut Christi? Komme ich da ganz nah an Jesus heran? Hat dieses blutgetränkte Tuchstück aus dem Privatbesitz Papst Innozenz XII., das seit 250 Jahren hier in Bad Wurzach ist, vielleicht die Wirkung, die Kraft, die sich die Frau im Evangelium verspricht und dann auch erfährt, wenn sie Jesus nur am Gewand berührt.“ „Wenn wir hier herkommen, drängen wir uns nicht auch in großer Menge um ihn, um ihn zu berühren, schleichen wir uns innerlich auch eher anonym von hinten an den Herrn heran, weil wir glauben, von dieser Reliquie geht doch irgendeine Kraft aus, die uns heil macht: „Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.“ - Die Frau im Evangelium will Jesus nur am Gewand berühren, um gesund zu werden.

Jesus der merkt, dass eine Kraft von ihm ausgeht, will es nicht dabei belassen, dass die Frau sich ihm anonym nähert, ihn quasi als Magier oder Gesundheits-Guru versteht, was er ja nicht sein will und ist, lässt die Verängstigte zu sich bringen, hört sich ihre Geschichte an und rückt alles zurecht mit dem einen Satz: „Dein Glaube hat Dich gerettet.“ Denn: „Du wirst nur heil, wenn Du an mich und meine Botschaft glaubst, wenn Du mich (an) erkennst als den Messias, den Sohn Gottes.“ Ähnlich sei es mit der Reliquie: „Heil und Segen wird nur dann richtig und vollkommen mit Euch sein, wenn Ihr an mich glaubt,“ sagt Jesus.

Nach biblisch-alttestamentlich-jüdischer Vorstellung ist das Blut der Sitz der Seele. Blut hat immer etwas Faszinierendes und etwas Erschreckendes zugleich an sich. Die Reliquienmonstranz versucht etwas zu fassen vom Innersten Jesu. Und doch wissen wir, dass sie das nicht kann.“ Heute fragten sich viele Menschen, ob es wirklich das Blut Jesu ist , das wir hier sehen?“ Entscheidend ist vielmehr, wie es angesichts dieser altehrwürdigen Hl.-Blut-Verehrung mit unserer persönlichen Beziehung zu Jesus aussieht. „Wäre es für uns als Christen nicht das Ziel, vielleicht gerade das Ziel dieses Wallfahrtstages, dass in unseren Adern Christi Blut fließt?“ Unser eigenes Blut habe manchmal durch Egoismus, Habenwollen und schlechte Gewohnheiten machten es dick, Arroganz, Einbildung und Stolz veränderten seine Farbe, „schlechte Werte“. Es sei gewissermaßen eine Bluttransfusion, die ER anbiete. Die allerdings nur dann wirken könne, „wenn DU sie annimmst.“ Unser Ziel als Christen sei kein geringeres, als so zu werden wie Jesus Christus. „Noch ein Zweites kann und soll Christi Blut in uns bewirken: SIE, DU und ICH und jeder Andere, der Jesu Blut empfängt, WIR werden Brüder.“ Durch Christi Blut sind wir – alle Christen – eine Familie. Mehr noch, wir gehören zur Familie Gottes, wir sind Brüder und Schwestern. Und noch an ein Drittes erinnert mich dieses Heilig-Blut-Fest: An die Märtyrer, die für den Glauben ihr Blut gegeben haben. Die Blutzeugen führen uns vor Augen, dass der Glaube an Jesus Christus nicht einfach nur eine Tradition ist, sondern dass der Glaube an Jesus Christus im wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährlich ist.

Lebendiges Christus- und Glaubenszeugnis geschieht auch, wenn Christen in unmenschlichen Situationen die Menschlichkeit nicht vergessen.

Das lebendige Zeugnis erleben wir, wenn Christen sich für das Wohl des Anderen einsetzen, auch wenn sie selbst nicht daran verdienen.

Das lebendige Zeugnis erleben wir, wenn Christen sich physischer und psychischer Gewalt, Mobbing im Betrieb und Scheinheiligkeit entgegenstellen. Das lebendige Zeugnis erleben wir, wenn in einer Gesellschaft, in der scheinbar nur immer die Leistung zählt, sich Christen ehrenamtlich engagieren, sich für Kranke Behinderte, Alte und Flüchtlinge einsetzen.

„Nach der Predigt intonierten die Schlossbläser das Heilig-Blut-Lied, das Gottesbergwallfahrtslied schlechthin. Mit der Litanei vom kostbaren Blute durch Pater Eugen Kloos und dem Segen durch Pater Stefan Ulrich Kloos mit der Heiligblutreliquie endete das diesjährige Heiligblutfest.

 

Text und Bilder von Uli Gresser

 

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