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Bad Wurzach - Die Verlängerung des Europa-Diplom für das Wurzacher Ried steht im nächsten Jahr an, für die Evaluierung war nun der Experte des Europarates Robert Brunner zwei Tage im und um das Ried herum unterwegs.

 

Robert Brunner, wohnhaft in Wien, ist ausgebildeter Raumplaner. Nach mehrjähriger Tätigkeit an der Uni Klagenfurt und in einem Wiener Planungsbüro war er ab 1990 mitverantwortlich für die Planung und die Vorbereitung der Nationalparke Donauauen und Thayatal. Beide Nationalparke haben die internationale Anerkennung durch die Weltnaturschutzunion erlangt. Von 1999 bis 2013 war er Direktor des Nationalparks Thayatal.

Er ist Experte des Europarates und in der Schutzgebietskommission der IUCN engagiert. Seine fachlichen Schwerpunkte sind grenzüberschreitender Naturschutz und Schutzgebietsmanagement sowie in letzter Zeit verstärkt die Frage erneuerbarer Energien und die Auswirkungen auf Schutzgebiete.

Auf dem Programm des Experten stand nach dessen Eintreffen in Bad Wurzach am Montagnachmittag zunächst im Naturschutzzentrum ein Einführungsvortrag mit einer Gebietsbeschreibung und einer Vorstellung der Schutzkonzeption.

Beim Überblick über den westlichen Teil des Riedes von der Grabener Höhe aus kamen Themen wie die die Entstehung aus dem Gletschersee, Die Moorzonierung und das Naturschutz und Pflegekonzept zur Sprache. Nach dem Besuch der Quellseen ging es in östlicher richtung weiter mit Zwischenstopps bei den Riedhöfen und bei Dietmanns, wo die Themen Vertragsnaturschutz im Niedermoor  und die verschiedenen Pflegezonen vor Ort diskutiert wurden.

Mit dem Torfbähnle ging es am Dienstagvormittag zum Haidgauer Torfwerk und zu Fuß in das ehemalige Torfabbaugebiet. Dort wurden dem Experten die Wiedervernässungsmaßnahmen und die Hochmoorrenaturierung vor Augen geführt. Von Willis / Tannespitz aus bekam der Experte des Europarates Einblick in den Hochmoorkern und das Wiedervernetzungskonzept der B 465 erläutert.

Mit dem Überblick vom Alberser Riedhang über Alberser und Dietmannser Ried und der Erläuterung des Radweg und Pflegeflächenkonzeptes wurde die Vorort-Besichtigung abgeschlossen.

Beim Abschlussgespräch im Naturschutzzentrum legte Robert Brunner den anwesenden Vertretern der verschiedenen zuständigen Umweltbehörden  und des Umweltministeriums als Vertreter des Eigentümers und Empfänger des Europa-Diploms, dem Land Baden-Württemberg, dar. Neben Horst Weisser und Elsa Löffler vom Naturschutzzentrum, sowie Bürgermeister Roland Bürkle als Stiftungsvorsitzender, waren dies  Heinz Reinöhl, Sonja Lempp und Dr. Marion Zobel, die Vertreter des Umweltministeriums, Dr. Burkhard Schall, Daniel Masur und Mathias Broghammer vom Referat Naturschutz beim Regierungspräsidium, sowie Walter Sieger vom Umweltdezernat des Landkreis Ravensburg.

Dr. Burkhard Schall vom Regierungspräsidium Tübingen verwies auf die besondere Kategorie des Schutzgebietes: Außer dem Wurzacher Ried hat nur das Wollmatinger Ried in Baden-Württemberg das Europa-Diplom erhalten. Für das Referat Naturschutz im RP, das gemeinsam mit dem Naturschutzzentrum für das Gebiet und die Maßnahmen die Verantwortung trägt, ist  das Diplom eine besondere Motivation und Anforderung. Vor der Vergabe galt es Bedingungen und Empfehlungen um zusetzen Grundbedingung für den Erhalt des Diploms war die Beendigung des Torfabbaues. Nachdem dieser eingestellt worden war, seien nur noch Empfehlungen für die Weitervergabe ausgesprochen worden, die man jedoch auch umsetzen wolle

Robert Brunner zeigte sich beeindruckt davon, welche Maßnahmen umgesetzt wurden und noch geplant sind. Er war sich bewusst, dass viele der Maßnahmen sehr viel Zeit erforderten. Daher glaube er, dass das Gebiet auf einem sehr guten Weg ist. „Ich sehe keinen Anlass für irgendwelche Auflagen.“ Ihm war beim Thema B465, das  bei den Evaluierungsexperten immer Fragen aufwarf, nur wichtig dass die durch die Straße getrennten Teile ökologisch verbunden werden. Zu diesem Thema sei eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden, bestätigte Schall, dass auch diese Empfehlung in die „To-do-Liste“ aufgenommen worden sei.

Brunner begrüßte den Bau eines Aussichtsturmes zum Zwecke der höheren Akzeptanz bei den Besuchern. Er sagte auch, dass die Schutzgebiete durchaus im Wettbewerb zu einander stehen. Beeindruckend fand er auch, dass das Naturschutzzentrum mitten im Ort steht. Meistens stehe es am Rande des Schutzgebietes. Windkraft-  und PV-Anlagen mit ihren „supergrauen Flächen“ in der Nähe des Wurzacher Beckens lehnt Brunner auch aus ästhetischen Gründen ab.

Auch die Kunstflüge über dem Naturschutzgebiet stören den Experten: „Es muss doch möglich sein, diese besonders für die Vogelwelt des Riedes so störenden Einflüsse abzustellen.

Bürgermeister Roland Bürkle hegte die Hoffnung, dass das Zertifikat, das an das Land Baden-Württemberg verliehen wird, weiter als Lohn und Motivation für die Mitarbeiter des Naturschutzzentrums an das Naturschutzgebiet Wurzacher Ried vergeben wird. „Die Stadt hat auch wirtschaftlichen Nutzen von dem Diplom. Wir sind guten Mutes, dass es gelingt.“ Ministerpräsident Kretschmann sei jedenfalls von den getroffenen Maßnahmen bei seinem Besuch beeindruckt gewesen und habe zum Thema Aussichtsturm Zeit zum Nachdenken erbeten. „Und wenn der Ministerpräsident von etwas überzeugt ist, sind es bald auch die zuständigen Behörden, “ ergänzte Bürkle mit einem Lächeln. Auf die eher rhetorische Frage: „Wer kommt als nächstes noch: der Bundespräsident?“ nachdem Regierungspräsident, Umweltminister und Ministerpräsident schon dagewesen sind, träumte Horst Weisser schon von einer ganz besondere Person: „Bei der Stallwächterparty in Berlin hat Kretschmann Bundeskanzlerin Angela Merkel von seinem Besuch im Wurzacher Ried vorgeschwärmt...“

Der weitere Zeitplan für die Zertifizierung: Brunner legt seinen Bericht dem Europarat vor, der eine Stellungnahme vom Land Baden-Württemberg einholen. Anschließend beraten zunächst das Standing Comitee und eine Gruppe von Fachbeamten aus sechs Mitgliedsstaaten (Group of Specialists) über die Verlängerung, ehe das Comitee of Ministers die endgültige Entscheidung trifft. Dies wird spätestens im kommenden Frühjahr  der Fall sein. Das Europapdiplom läuft am 18. Juni 2019 aus.

 

 

Foto: Mathias Borghammer (RP Tübingen, Referat Naturschutz) 

Bericht: Ulrich Gresser

 

 

 

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