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Bad Wurzach – Passend zum Aktionsjahr „Armut – Reichtum – Soziale Ungerechtigkeit?!“ veranstaltet die evangelische Kirchengemeinde Bad Wurzach im Juli eine ökumenische Predigtreihe, die vergangenen Sonntag mit Betriebsseelsorger und Pastoralreferent Werner Langenbacher aus Ravensburg ihren Anfang nahm.

 

In seiner Predigt ging Langenbacher darauf ein, dass – obwohl wir uns in Zeiten von Vollbeschäftigung, mit jährlichen Export-Rekorden und erwirtschafteten Überschüssen befinden- es dennoch Menschen gibt, die nahe an der Armutsgefährdungsgrenze leben.

Auch im reichen Oberschwaben. Menschen, die trotz einer 40-Stunden-Woche nicht genug verdienen. Der Mindestlohn gibt 8,84 Euro vor. Ergibt bei einer Vollzeittätigkeit nicht einmal 1100 Euro; ab 1033 Euro gilt man in Deutschland als arm. Caritas und Diakonie fordern einen Mindestlohn von zwölf Euro. Und zudem kenne er genügend Fälle, bei denen der Mindestlohn auch noch unterlaufen wird, beispielweise indem zusätzliche Stunden ohne Entlohnung gefordert werden; oder in der Gastronomie, in der die Kost bis dato frei war, nun aber in Rechnung gestellt wird, und zwar zum Verkaufspreis.

Skandalös bezeichnete Langenbacher auch, dass man nach 45 Jahren Arbeit mit Mindestlohn eine Rente bekommt, bei der man auf Grundsicherung angewiesen ist. Langenbacher stellte die Frage, ob das nicht entwürdigend sei – sowohl für denjenigen, der trotz Arbeit kaum genug zum Leben hat, als auch für eine Gesellschaft, die dies toleriert. Und er kritisierte, welche Maßstäbe diese Gesellschaft anlege, in der ein Konzernvorstand 79-mal so viel verdient wie ein Arbeitnehmer mit Tariflohn.

Er zitierte das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, die nach ihrem Bedarf entlohnt wurden – von einem Silberstück konnte man sich und seine Familie damals einen Tag ernähren. Der Weinbergbesitzer hat seine Verantwortung den Arbeitern gegenüber wahrgenommen – auch heute habe das Kapital Verantwortung. Langenbacher schloss mit den Worten „ein gutes Leben braucht auch gute Arbeit“.

Der Gottesdienst wurde musikalisch bereichert vom Kirchenchor St. Verena unter Leitung von Robert Häusle, der auch an der Orgel sein Können zeigte. Es schloss sich ein Ständerling an mit lebhaften Diskussionen der ökumenischen Gottesdienstbesucher zum Thema.

 

 

Bericht: Patricia Gragnato

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