Evangelischekirche WurzachBad Wurzach (pag) - Vortrag von Paul Sägmüller zieht die Zuhörer in seinen Bann. Einen Abend mit Schauer-Garantie hatte die evangelische Kirchengemeinde versprochen, als sie vergangenen Dienstag zu einem Vortrag mit dem Titel „Freitag der Dreizehnte – Aberglauben in Oberschwaben“ eingeladen hatte. Was die Zuhörer dann erlebten, wird ihnen unvergesslich bleiben; denn der Referent Paul Sägmüller erwies sich als Unikum mit einem unglaublichen Wissensschatz, der schier aus ihm heraus sprudelte.



Mit ungeheurem Sprachwitz brachte er viele Geschichten und Sagen zum Besten, die die Zuhörer mal erschauern ließen, mal zu herzhaftem Lachen brachten. Dabei ist bemerkenswert, dass er auch von Geschehnissen zu berichten wusste, die in der jüngeren Vergangenheit vorgefallen sind; es gibt sie also noch, die Hexen, Schrättele und Werwölfe. Denn sonst könnte man ja nicht nach wie vor Devotionalien wie Benediktuspfennige, Judenbäumchen, Neidfeigen oder Hasenpfoten kaufen, die alle gegen Dämonen oder den bösen Blick wirken.


Eine Hasenpfote bringt übrigens laut Albertus Magnus nur dann Glück, wenn es die linke hintere Pfote eines Hasen ist, der an einem Freitag den Dreizehnten zwischen 15 und 16 Uhr bei strömendem Regen auf einem Friedhof mit einer silbernen Kugeln von einem Werwolf erschossen wurde. Man lernte aber auch sehr viel dazu. Beispielsweise warum der Freitag ein Unglückstag ist: an einem Freitag starb Jesus; an einem Freitag verführte Eva den Adam mit der Frucht des Baumes der Erkenntnis. Die „13“ hat ihre negative Bedeutung daher, dass der dreizehnte Teilnehmer des letzten Abendmahls Jesus verraten hatte; außerdem verursachte eine dreizehnte Ase neben den zwölf Hauptasen, nämlich Loki, den Tod des Lichtbringers Baldur und löste so die Götterdämmerung aus.


Selbst in unserer aufgeklärten Zeit gibt es in Flugzeugen keine Reihe, keinen Platz mit dieser Zahl, in Hochhäusern fehlt oft der 13. Stock, in Hotels oft das entsprechende Zimmer, in Krankenhäusern wird die Zahl selten Patientenzimmern zugeordnet, meist ist es ein Abstellraum. Beim Staatsbesuch der Queen 1965 wurde im Bahnhof Duisburg sogar das Gleis 13, an dem der Sonderzug der Queen ankommen sollte, in 12a umbenannt. Sägmüller erklärte, was ein Werwolf (der älteste Sohn einer Frau, die sieben Jungen geboren hatte) und was ein Schrättele ist (die älteste Tochter einer Frau, die sieben Mädchen zur Welt gebracht hatte), erzählte unglaubliche Geschichten von Erlebnissen mit Schrättelen, die ihm zugetragen worden sind, und wie man sich davor schützen kann.


Noch lange nachdem sein Küchenwecker geklingelt hatte, den er sich zur Erinnerung, dass seine Redezeit vorbei ist, mitgebracht hatte, zog Sägmüller seine Zuhörer in den Bann. Und Pfarrerin Barbara Vollmer, die sich herzlich bei ihm bedankte, stellte in Aussicht, dass es eine Neu-Auflage geben würde.



Bericht Particia Gragnato

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