Landschaftsschuetzer 01Bad Wurzach - Zur Wahl unserer neuen Bürgermeisterin -  Wir gratulieren Frau Alexandra Scherer zur Wahl unserer neuen Bürgermeisterin und wünschen ihr bei ihrem zukünftigen Wirken stets eine glückliche Hand!

 

Als Verein, der dem Landschafts- und Naturschutz dienen will, haben wir bestimmte Erwartungen an unser neues Stadtoberhaupt. Dazu gehört die Achtung der Vorgaben des Europadiploms und praktisches Handeln, das diesen Vorgaben gerecht wird. Kurz zusammengefasst, dürfen im Wurzacher Becken und seinen Randgebieten keine Windkraftanlagen, aber auch keine großflächigen Photovoltaikanlagen errichtet werden.
Außerdem soll auf alles verzichtet werden, das hässlich wirken kann. Da Frau Scherer ab Amtsübergabe laut Satzung auch „Vorstandsvorsitzende“ des Naturschutzzentrums ist, wird sie über die Einhaltung dieser Vorgaben zu wachen haben.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir mit von der Stadt gemieteten Bussen zu den möglichen Standorten von Windparks rund um Bad Wurzach gefahren wurden und der Amtsvorgänger Visionen von (Windkraft)-Stadtwerken Bad Wurzach hatte. Die Vergewaltigung unserer Landschaft konnte – auch in unserer näheren Umgebung (Aichstetten, Haisterkirch/Bad Waldsee) – erfolgreich verhindert werden.

Vollständig ist „dieser Kelch“ noch nicht an uns vorübergegangen. Im Raum Arnach/Humberg ist eine Planung für 6 – 7 Windkraftanlagen „auf Eis“ gelegt worden. Was aus den relativ weit fortgeschrittenen Plänen für 4 Anlagen im Bereich Mangenwald geworden ist, darüber verweigert der Investor, „Das Grüne Emissionshaus“ aus Freiburg, jegliche Auskunft.

Kurz vor der Wahl wurde bekannt, dass sich der Amtsvorgänger an das „Energiebündnis Bad Wurzach/Bad Waldsee“, das sich für die Errichtung von Windkraftanlagen ausspricht, wegen der Errichtung von Photoivoltaikanlagen gewandt hat.

Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Errichtung von Photovoltaikanlagen. Doch gehören diese nicht in die freie Landschaft gestellt. Auch auf den Dächern von Kirchen und historischen Gebäuden sind sie fehl am Platz.

Rätselhaft ist, warum die Nutzung der Sonnenenergie nur mit der Stromerzeugung in Verbindung gebracht wird. Seit Jahrzehnten haben sich solarthermische Anlagen bewährt. Diese besitzen einen ungleich höheren Wirkungsgrad und befinden sich im Grenzbereich der Rentabilität. Sie besitzen das entscheidende Merkmal der problemlosen Speicherung der
Wärmeenergie in Wassertanks.

 

 

Der Gemeinderat hätte für Bad Wurzach wohl gerne den „Energie-Award“ verliehen bekommen. Warum soll dann das geplante Schwimmbad ein nicht belastbares Dach erhalten, das die Verwendung solarthermischer Kollektoren ausschließt? Es gibt kaum ein idealeres Speichermedium als das Wasser eines Schwimmbeckens. Dies ist auch der Grund, warum viele Bäder solarthermische Anlagen als Zusatzheizung nutzen. Auch die direkte Nutzung des Thermalwassers aus der nahegelegenen Bohrung wurde ausgeschlossen. Ist untersucht worden, ob wenigstens die Wärme des Thermalwassers über Wärmetauscher genutzt werden könnte?
Nach unserem Kenntnisstand soll das Bad mit Trinkwasser versorgt werden, das mit ca. 8 Grad Celsius aus der Leitung kommt und mit Erdgasbrennern aufgeheizt werden soll. Steigende Energiekosten könnten dazu führen, dass es in Bad Wurzach neben einem geschlossenen Kurhaus auch noch ein geschlossenes Bad gibt.

 

In die Übergangszeit des vorletzten zum letzten Bürgermeister fällt der Plan, das Wurzacher Becken und seine Ränder zum Landschaftsschutzgebiet zu erklären. Auf Grund des Widerstandes der damaligen Stadträte aus der Landwirtschaft wurde dieser Plan schnell beerdigt und sollte durch ein „Lebensraumkonzept“ für die Großgemeinde ersetzt werden. Doch dieser Alibibegriff verschwand ebenso schnell in tief verstaubten Aktenordnern.

Dabei hätte ein Landschaftsschutzgebiet oder eine ähnliche Konstruktion für die Großgemeinde durchaus Vorteile gebracht und hätte dazu geführt, dass manches Vorhaben besser auf die Landschaft abgestimmt worden wäre. Es ist technisch nicht zwingend, dass moderne Gewerbebauten den Eindruck hässlicher Fremdkörper vermitteln. Allerdings war eine Sorge aus Landwirtschaft und Gewerbe nicht unberechtigt, dass kleingeistige Griffelspitzer mit ideologieverbautem Horizont ihnen das Leben schwer machen könnten. Dennoch könnte sich eine Landschaftsschutzsatzung, unterstützt von Landschaftsarchitekten, die der Kreis oder das Land stellt, segensreich auswirken, sofern sich die zuständigen Behörden als Diener und nicht als Bevormunder sehen.

 

 

Bei allen Zwängen einer künstlich verursachten Wohnungsnot im Süden Deutschlands, wo gleichzeitig in einigen östlichen Bundesländern ganze Dörfer verwaisen, ist es bei uns dringend notwendig, rote Linien zu ziehen, wie weit sich Baugebiete noch ausdehnen dürfen. Gleiches gilt für Gewerbegebiete! Ein unbegrenztes Wachstum, bis das Becken voll ist, kann es nicht geben. Um diese Frage haben bisher alle Bürgermeister einen großen Bogen gemacht!

Leider geht nach den jetzigen Planungen mit dem Wachstum der Ortschaften nur selten eine Anpassung der dörflichen Versorgung einher. Kindergärten und Friedhöfe werden zu klein, in einigen Dörfern fehlt die Lebensmittelversorgung vollständig. Die Verhältnisse bei vielen Wohngebieten in der Nähe der Ballungsräume, wo diese Wohngebiete unter der Woche tagsüber menschenleer wirken, da sie nur noch Schlafstätten und nicht mehr Lebensraum sind, können kein erstrebenswertes Ziel sein.

 

 

Gewerbegebiete führen nicht zwangsläufig zur Verminderung der Auspendlerzahl
Es werden viele Auspendler einen gut dotierten und ggf. anspruchsvollen Arbeitsplatz in Ravensburg, Biberach, Leutkirch oder Memmingen nicht wegen neuer Gewerbegebiete in Bad Wurzach aufgeben, zumal, wenn hier nichts Gleichwertiges angeboten wird.

Neue Arbeitsplätze in Bad Wurzach können auch verstärkt zu Einpendlern oder zu Neubürgern führen, die den Siedlungsdruck auf unsere Landschaft noch verstärken, ohne dass die einheimische Bevölkerung Vorteile davon hätte.

Ein Beispiel für die Zunahme der Einpendler sind die großen weiterführenden Schulen. Von den inzwischen in dreistelliger Größenordnung tätigen Lehrpersonen wohnen die wenigsten in der Großgemeinde.

 

Gemeinderat und Bürgermeisterin tragen eine hohe Verantwortung, in welcher Weise sich der Lebensraum Großgemeinde Bad Wurzach entwickelt. Eine gute Entwicklung wird viel vorausschauende Weitsicht erfordern und darf sich nicht ausschließlich an den aktuellen
Bedürfnissen orientieren.

Hans-Joachim Schodlok

 

 

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