Bad Wurzach - Bei der Vorstellung der Kandidaten für die am 22. April stattfindende Bürgermeisterwahl in Bad Wurzach waren mit Alexandra Scherer, Joachim Schnabel, Marcel Melchiors, Günter Beer und Steffen Deutschenbauer fünf der sechs Bewerber in den Kursaal gekommen, um ihre Vorstellungen vom höchsten Amt der Stadt den Bürgern nahe zu bringen.

 

Zwei Sicherheitsleute sorgten am Eingang des Kurhauses dafür, dass nur die zulässige Anzahl von Bürger den Saal betreten konnten. Wer nicht bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Kandidatenvorstellung gekommen war, musste draußen bleiben.

Bürgermeister Roland Bürkle erklärte den Bewerbern und Besuchern zunächst die Regularien. Jedem Bewerber wurde dabei, in der Reihenfolge der Kandidatur eine Redezeit von 15 Minuten eingeräumt an die sich 10 Minuten anschlossen, in denen die Bewerber Fragen von Bürgern Beantworten konnten. Während ein Kandidat sprach, durften die Anderen nicht im Saal anwesend sein.

 

 

Alexandra SchererDen Auftakt machte Alexandra Scherer, die als erste ihre Bewerbungsunterlagen im Rathaus abgegeben hatte. Sie habe schon viele Bürger, Vereine und Institutionen der Stadt und der Ortschaften kennengelernt. Dabei habe sie besonders das hohe Maß an bürgerschaftlichem Engagement beeindruckt.

Die Entscheidung, sich für das „schönste Amt“ der Stadt zu bewerben, könne natürlich nicht ohne Familie getroffen werden. Im Falle ihrer Wahl werde sie sobald als möglich nach Bad Wurzach ziehen.

Als Bürgermeisterin werde sie ein Rathaus der offenen Tür praktizieren. „Der Bürger muss spüren, dass ihn im Rathaus ein offenes Ohr erwartet.“ Bad Wurzach und der Kurbetrieb gehören für Scherer untrennbar zusammen. Daher begrüßte sie die jüngst vom Gemeinderat beschlossenen Maßnahmen zur Modernisierung des Kurbetriebs, welche kritisch begleitet werden sollten. Auch die Marketing- und Werbemaßnahmen sollten auf den Prüfstand gestellt werden. Das Kurhaus solle so schnell wie möglich verpachtet werden.

Bei der wirtschaftlichen Entwicklung und Förderung werde man eng mit dem Landkreis zusammenarbeiten, die Breitbandförderung sei für eine Flächengemeinde wie Bad Wurzach ein wichtiger Standortfaktor. Sie versprach den Bürgerinnen und Bürgern, dass sie sich konsequent um den Erhalt von Fördermitteln Kümmern werde und den Schuldenabbau vorantreiben werde.
„Denn wer ernten will muss zuerst säen.“

Zum Thema Infrastruktur sagte die Bürgermeisterin von Erlenmoos: „Das geplante Hallenbad ist ein wichtiger Infrastrukturfaktor.“ Sie werde sich für den Erhalt und den Ausbau dieser Infrastruktur einsetzen (mit Leerstandmanagement, Verkehrskonzept, Radwegeausbau).

Sie werde neuen bezahlbaren Wohnraum schaffen, den ländlichen Charakter der Ortschaften erhalten. Eine Herzensangelegenheit sei ihr auch, dass alte Menschen auch dort in Würde alt werden könnten. Gleichzeitig müsse jeder Teilort für alle Altersstufen lebenswert bleiben mit Kindergarten, Schule und Vereinen. Scherer sagte den vielen ehrenamtlich Tätigen ihre Solidarität zu.

„Bad Wurzach ist eine Stadt voller Vielfalt. Ich möchte, dass sie wissen wofür ich stehe. Ich werde mit ganzem Herzen Bürgermeisterin sein.“

Die erste Frage aus der Bürgerschaft betraf ihr Verhältnis zu den erneuerbaren Energien nach der Energiewende. Photovoltaik und Biogas sieht sie in unserer Gegend als zukünftige Energieträger, Windenergie verortet sie eher im Norden der Republik.

Wie sie die Flüchtlingssituation sehe, lautete die nächste Frage. Die Flüchtlinge beträfen ja bereits jede Kommune, viele Ehrenamtliche seien in der Betreuung tätig. Die Integration der Flüchtlinge sei notwendig.

Bei ihren Besuchen in Bad Wurzach sei ihr aufgefallen, wie viel Durchgangsverkehr in der Stadt herrsche, sagte sie auf die Frage zur Verkehrssituation in der Innenstadt. Sie wolle als Bürgermeisterin aber die Rahmendbedingungen schaffen, die Interessen von Einzelhandel/ Gastronomie und Bürgern unter einen Hut zu bringen.

 

 

Jochen SchnabelJoachim Schnabel aus Arnach war der zweite Bewerber der seine Kandidatur abgegeben hatte. Der gebürtige Dresdner, der seit 29 Jahren in Bad Wurzach lebt, erläuterte in seinem in freier rede vorgetragenen „Bewerbungsgespräch“ die Gründe für seine Bewerbung: „Ich möchte etwas Bewegen, will vom gesunden Menschenverstand getragene Veränderungen schaffen.“ Was in Bad Wurzach fehle sei Transparenz in den Entscheidungen.

Bei seinen Bürgergesprächen seien oft Fragen zu bereits laufenden Bauvorhaben gekommen. Diese Fragen hätten bereits vom Bürgermeister oder einem Gemeinderat beantwortet werden müssen. Da habe er sich gefragt, warum läuft das so?„ Warum funktioniert diese Transparenz in anderen Städten?“ Warum könne man sich nicht mit diesen in Verbindung setzen, um von ihnen zu lernen.

5 Bürger – 5 Meinungen: Jeden Einzelnen mit ins Boot zu holen, die unterschiedlichen Meinungen zu moderieren, darin sehe er seine Aufgabe.

Mit der Jugend arbeiten habe im in seinem Beruf unheimlich Spaß gemacht. Das liege ihm auch als Bürgermeister am Herzen: „Ich möchte damit selbst im Herzen jung bleiben.“ Denn die Jugend sei die Säule „auf die wir uns verlassen müssen.“

Trotz Melap vermisse er in Arnach eine altersgerechte Infrastruktur, etwa eine Apotheke. Bei der Infrastruktur müsse die Frage lauten, „was ist uns das Wert, nicht was kostet uns das.“ Beim Thema kommunale Finanzen ärgerte sich Schnabel über seiner Meinung nach ungerechte Verteilung der Lohnsteuer, bei deren Verteilung kleine Städte oft ungerecht behandelt würden.
Ob er konkrete Vorstellungen zur Infrastruktur habe, lautete die einzige Frage aus dem Publikum. Er habe viele Ideen, wie die schon erwähnte Apotheke oder den Ausbau von Busverbindungen.

 

 

Marcel Melchiors 578Marcel Melchiors, der dritte der anwesenden Kandidaten, sieht sich mit seiner Bewerbung als Vertreter der Jugend. Vor 34 Jahren in Duisburg geboren, hatte nach seiner Ausbildung als Kfz-Techniker bei der Bundeswehr die Laufbahn als Feldwebel eingeschlagen, wo er schon sehr früh – bereits mit 21 Jahren Verantwortung übernehmen musste. „Beim Militär lernt man schnell, Erwachsen zu werden.“ Er könne als Junger die Probleme der Jugendlichen gut nachvollziehen.

In seiner Jugend und Unvoreingenommenheit sehe er gute Voraussetzungen für das hohe Amt, das er nun anstrebe.

Beim Thema Kurbetrieb vertrat er die Meinung, die jüngst vom Gemeinderat verabschiedeten Investitionen würden selbstverständlich getätigt, sollten sie jedoch nicht die gewünschte und erhoffte Wende bringen, würde er zukünftige Investitionen auf das nötigste beschränken.

Für das Kurhaus sieht Melchiors, falls sich nicht bald ein Pächter findet, die Möglichkeit, in Zeiten von Personalmangels in der Gastronomie, das Restaurant zu verkleinern und – mit entsprechend weniger Personal – als Café weiter zu betreiben. Er schlug auch vor, für das Kurhaus einen neuen Namen zu suchen, um auch die junge Generation besser anzusprechen.

Um mehr Wohnraum zu schaffen, schlägt Melchiors vor, in Wohngebieten verdichtet zu bauen und mehr Mehrfamilienhäuser zu schaffen.

Um die Eigenständigkeit der Ortschaften zu stärken, sollten diese partizpierende Haushaltspläne erhalten. Damit könnten sie kleinere Ausgaben selbsttätig ausführen, und damit die Stadtverwaltung entlasten.

„Parteipolitik hat in der Kommunalpolitik nichts zu suchen“, mit diesem Credo beendete er seine Vorstellung.

In der Fragerunde wurde er nach einem Konzept für eine schlüssige Jugendarbeit und zur Digitalisierung an Schulen gefragt.

Ein Jugendhaus sei nur für Jugendliche bis zum Alter von 14 Jahren sinnvoll, „denn dann werden sie rebellisch“ wusste er aus eigener Erfahrung zu berichten.

Bei der Digitalisierung an den Schulen, die dabei zwar mit vielen Geräten vollgestopft würden, werde aber oft vergessen, dass die Lehrer mit Fortbildungen für die neuen Herausforderungen fit gemacht werden.

 

 

Guenter BeerGünter Beer, seit annähernd 30 Jahren als Rechtsanwalt in Bad Wurzach tätig, war an diesem Abend der vierte Kandidat. Bevor er seine Vorstellungen für das Amt des Bürgermeisters präsentierte, zog er aus seinem mitgebrachten Karton eine Marionette und befestigte sie am Rednerpult.

„Was haben ein Rechtsanwalt und der Bürgermeister mit einer Marionette zu tun?“

„Als Bürgermeister leitet man auf der Grundlage der Gemeindeordnung den Gemeinderat mit seinen 24 Gemeinderäten. Dieser funktioniert nur, wenn alle Drähte wie bei der Marionette richtig zusammenlaufen.“ Was er im Gemeinderat vermisse, sei unter lauter stattlichen Menschen und vielen Berufsgruppen ein Jurist. In der Verwaltung habe der Bürgermeister gar rund 240 Fäden im Griff zu halten, auch hier fehle ein Jurist.

Mandanten hätten ihn angesprochen, ob er sich nicht als Bürgermeister bewerben wolle. Deren Sorgen und Probleme um die Stadt habe er als Auftrag für die Bewerbung gesehen.

Eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt sieht Beer als dringliche Aufgabe an, nachdem Bad Wurzach im Gegensatz zu anderen Städten – als 1996 die Möglichkeit dazu da war – einen Sonderweg gegangen war. Trotz Einschränkungen habe der Verkehr deutlich zugenommen, sodass vor allem ältere Fußgänger kaum eine Chance hätten, die Straßen zu überqueren. Dies müsse zwingend in Angriff genommen werden.

„Es gibt kein Recht für Kunden, direkt bis vor die Geschäftseingangstüre zu fahren, aber sehr wohl eines für Fußgänger, gesund eine Straße übergqueren zu können.“

Die Stadt brauche diese Verbesserung der Wohnqualität durch eine Fußgängerzone, auch wenn ihm bewusst sei, dass Geschäftsleute dagegen seien. Andere Städte hätten damit Erfolg gehabt.
Auch Beer wurde die Frage nach einem Jugendarbeitskonzept gestellt. Seiner Meinung nach sollten die Jugendlichen selbst aktiv werden, „sie wissen ja selbst am besten, was sie haben wollen .“ Die Stadt müsse dann prüfen, was für die Möglichkeiten bestehen. Bei der Frage nach der Digitalisierung in den Schulen sah Beer „einen deutlichen Bedarf.“

 

 

Steffen DeutschenbauerSteffen Deutschenbauer beschloss den Reigen der Kandidatenvorstellungen.

Der Vierzigjährige mit Bad Wurzacher Wurzeln sagte, vieles in Bad Wurzach sei gut, „vieles kann aber auch noch besser werden.“ Er wolle Bad Wurzach nicht nur ein Stück voran bringen. Er wolle die Politik in Bad Wurzach richtig gut machen. Dies könne jedoch ein langer, mühevoller Weg werden.

Zum Beispiel beim Kurbetrieb und das Problem Kurhaus. Vieles laufe richtig, es sei jedoch eine Neuausrichtung erforderlich, die aber nicht in ein oder zwei Jahren zu schaffen sei. Dabei wolle er aber das Ziel nicht aus den Augen verlieren, die Stadt voran zu bringen. Neue sich eröffnende Chancen sollten genutzt werden, nur so sei die Neuausrichtung zu schaffen.

Er sei Unternehmer und Berater, er habe daher gelernt Informationen schnell zu analysieren und zu verarbeiten. In Studium und Beruf habe er gelernt, Geld richtig auszugeben. Mit den Erfahrungen seiner Beraterfirma sehe er sich für die Politik bereit. „Diese Erfahrungen möchte ich nun in der Kommunalpolitik anwenden.“ Dafür habe er Fachleute in der Verwaltung, die diese Herausforderungen seit vielen Jahren meisterten.

Als Bürgermeister werde er drei Kernthemen anpacken: Wirtschaft, Kultur und Jugend. Bad Wurzach habe in der Vergangenheit vom wirtschaftlichen Wandel zu wenig profitiert, das zu ändern, dafür habe er viele gute Ideen.

Auch bei Deutschenbauer kamen die Fragen nach dem Jugendarbeitskonzept und der Digitalisierung der Schulen aus dem Auditorium. Mit jeder Generation müsse man das Gespräch suchen, auch mit den Jugendlichen. Dabei werde er den intensiven Kontakt mit ihnen suchen, sie allerdings auch mit in die Verantwortung nehmen. Er werde die Förderung der Schulen intensivieren, obwohl Bildungspolitik nicht vordringlich Aufgabe von Stadtpolitik sei.

Eine weitere Frage von Bürgern lautete wie er sich die Zusammenarbeit mit den Vereinen und Ehrenamtlichen vorstelle. Als Vermittler denke er da im Rahmen des Stadtmarketings an eine Person, welche die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und den vielen Vereinen koordiniere.

Auf die Frage wie er sich die Zukunft des Kurhauses vorstelle, sagte Deutschenbauer: „Ich sehe die Zukunft des Hauses nicht nur in der Gastronomie. Mir schwebt da eine Art Konferenzzentrum vor, wo Bürger auch andere Themen kennenlernen können.“ Dazu müsse man sich ehrlich die Frage stellen, warum sich kein Unternehmen finde, das Haus weiter zu betreiben.

Wie er sich die Zukunft des Kurbetriebs als dynamisches Unternehmen vorstelle? lautete die letzte Frage, die dem Kandidaten gestellt wurde.

Dazu sei es notwendig, sich von dem Begriff Kur zu verabschieden, diesen vielmehr als Gesundheitsunternehmen zu bezeichnen, mit Wellness und Gesundheit als Unternehmensfaktoren. Dabei gelte es, strategisch offen zu sein und natürlich die alljährliche Kostenentwicklung zu beobachten.

 

 

Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Bürgermeister Bürkle, bei den Kandidaten dafür, dass die Bürger am 22. April wirklich eine Wahl haben, bei den Bürgern, dass sie zu der Veranstaltung gekommen waren, um sich zu informieren.

Er bat darum, am Wahltag auch wirklich zur Wahl zu gehen und auch andere zum Wahlgang zu motivieren. Denn je höher die Wahlbeteiligung sei, um so besser sei dies für das Renommee der Stadt.

 

 

Bericht und Bilder von Uli Gresser

 

  • bild9760bild9760
  • bild9761bild9761
  • bild9771bild9771

  • bild9773bild9773
  • bild9779bild9779
  • bild9783bild9783

  • bild9784bild9784
  • bild9785bild9785
  • bild9787bild9787

  • bild9794bild9794
  • bild9795bild9795
  • bild9796bild9796

 

 
Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter