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Bad Wurzach - Nach der Präsentation der Wurzacher Passion in der Spitalkapelle und der anschliessenden Filmpräsentation über die Entstehungsgeschichte des Werkes  im Salvatorkolleg hatte an jenem 24.Januar einfach die Zeit gefehlt, die Begleitausstellung mit Skizzen und Studien zum Werk in der Galerie im Amtshaus  noch genügend zu würdigen. Aus diesem Grund fand nun am vergangenen Donnerstag als Vernissage-Ersatz „Ein Abend mit Beatrice“ statt, an dem der Künstler Manfred Scharpf Fragen der Besucher beantwortete. Foto: Der Künstler erklärt den Besuchern eine der ausgestellten Skizzen.

Doch bevor Scharpf diese Fragen beantwortete, sprach Bürgermeister Roland Bürkle noch über den Künstler, über seine Zusammenarbeit mit den Schülern des Salvatorkollegs und  die Diskussion über das Werk an seinem jetzigen Platz.

„In Bad Wurzach wird über Kunst diskutiert.“ Mit dieser fast fragenden Feststellung eröffnete er seine Ansprache. Das Werk sei Thema im Gemeinderat gewesen. Und wem habe man das zu verdanken: Dem Künstler Manfred Scharpf, Pater Friedrich, den Schülern und Lehrern des Salvatorkollegs und „a bissle auch der Stadt“, weil die Stadt die Spitalkapelle zur Verfügung gestellt hatte. Er habe deswegen sogar zwei Briefe bekommen. „Was darf die Stadt machen, wie weit darf eine katholische Schule gehen?“ Die Bürger beschäftigten sich mit Kunst, Einzelstimmen seien kritisch, die Resonanz aber überwiegend positiv. „Kritik ist wichtig für die Schule und den Künstler, Kritik ist ein Anreiz sich weiter mit Kunst auseinanderzusetzen.“ In jeder Kritik stecke auch ein Körnchen Wahrheit.

Der Künstler hat eine Verbundenheit zu Wurzach, diese Verbindung gelte es darzustellen. Das Projekt war die Gelegenheit für die Schüler, sich mit Kunst in auseinanderzusetzen. Die Jugend habe einen eigenen Blickwinkel auf das Werk, denn „wann machen sich junge Leute heutzutage Gedanken zum Glauben?“ Zwei Schulklassen hätten sich bereits in der Kapelle mit dem Werk auseinandergesetzt. Die Entscheidung, beim Verkauf des Spitals die Kapelle zu behalten sei eine emotionale gewesen. Da stellte sich dann die Frage was macht man damit? Inzwischen habe er bereits eine Anfrage, eine einzelne, berühmte Skulptur dort auszustellen, womit ein erster Ansatz erreicht sei. Er jedenfalls könne sich gut vorstellen, dass dort weiterhin Kunst ausgestellt wird.

Wenn man heute die Entstehung des Werkes beleuchte, könne man sagen, dass die Schüler feststellen konnten, dass richtig Arbeit hinter dem Kunstprojekt stecke. Diese Ausstellung zeige dies und die Entwürfe seien ja schon eigene Kunstwerke geworden. Er dankte dem Künstler für die Bereitschaft, an diesem Abend Rede und Antwort zu stehen. Und er dankte der Organisatorin der Ausstellung, Rosemarie Stäbler,  für die Bereitschaft diese Ausstellung kurzfristig ins Programm aufzunehmen.

Nach einem weiteren Musikstück des Gitarrenduos Rainer Uhl und Gisela Hecht-Huber, das den Abend musikalisch begleitete, erzählte Manfred Scharpf auf die Frage eines Besuchers nach seiner künstlerischen Prägung, von seiner Ausbildung als Kirchenmaler. Früher habe er seine Ausbildung eher verschämt erwähnt, bis er drauf gekommen sei, was für ein Schatz diese Ausbildung war:  Von Altar- Decken und Freskomalerei bis zur Schnitzerei, man konnte alles lernen. „Das ganze Repertoire kann man in einem Leben gar nicht ausnützen.“
Er sei in Bad Wurzach aufgewachsen, sein Vater war hier Landjäger und habe selbst gemalt; er habe bestimmt, dass er die Ausbildung machen sollte. Es sei für ein etwas besonderes gewesen, das Werk im Schloss auszuführen, dort wo vor rund zweihundert Jahren einmal eine der grössten Kunstsammlungen Europas hing. Viele Anregungen und Ideen für das Werk seien ihm  in Mähren gekommen, lange bevor es in die Projektphase ging. Die Sprachlosigkeit des Publikums bei der Präsentation des Werkes im Treppenhaus, sei Entschädigung für die „Monsteraktion“ gewesen.
Das Modell Amina,  ein palästinensisches Mädchen aus Lindau, habe ihm ihr Gesicht geliehen, eines der Bilder in der Ausstellung war die letzte Studie für den Gesichtsausdruck.
Interessante Diskussionen hätte es mit den Schülern über die Nacktheit der männlichen Hauptfigur gegeben: Die Mädchen hätten sich für Boxershorts ausgesprochen, die Jungen für Nacktheit. Am Ende habe er es so gemacht, wie er es wollte. Im Mittelalter sei die Jesusdarstellung ganz nackt gewesen. Vorbild der Jesusfigur sei Junge aus dem Jugendknast gewesen, der sich mit Drogen umgebracht hatte.

Mit einem Gläschen Sekt und anregenden Gesprächen endete der „Abend mit Beatrice“ in der Galerie im Amtshaus, an dem sich Bürgermeister Bürkle als Gastgeber sichtlich wohl fühlte.

Text und Bilder: Ulrich Gresser

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Renata und Manfred Scharpf

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Jochen Martiny (2.v.l.) stellte einige Fragen an den Künstler

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Das Gitarrend-Duo Rainer Uhl und Gisela Hecht-Huber

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Bürgermeister Bürkle bei seiner Rede

 

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