LandschaftsschuetzerBad Wurzach - Es ist üblich, bei einem Jubiläum das Verbindende hervorzuheben und das Geleistete angemessen zu würdigen. Aus dieser Sicht ist diese Veranstaltung vermutlich von allen Teilnehmern als gelungen empfunden worden.

 

In der bisherigen Berichterstattung hätte auf die kritisch-warnenden Hinweise in der Rede von Frau State-Masson noch deutlicher eingegangen werden sollen. Sinngemäß waren dies folgende Ausführungen: Das Europadiplom als höchste europäische Auszeichnung eines Gebietes im Natur- und Landschaftsschutz bedarf der unentwegten Bemühungen zu seiner Fortentwicklung. Das Diplom wurde auch schon entzogen, wenn sich die Beliehenen in ihrem Handeln dieser Auszeichnung nicht würdig erwiesen haben. Auch können nicht angemeldete Kontrolleure zwischen den festen Besuchsintervallen entsandt werden, sollte es Anzeichen von Entwicklungen geben, die das Diplom gefährden könnten. Frau State-Masson waren die mehr oder minder konkreten Windkraftpläne von Bad Waldsee, aus der eigenen Gemeinde (Raum Arnach-Humberg usw.) und die verhängnisvolle Entscheidung der Stadt Leutkirch, ein gemeindliches Vorranggebiet am Tor zum Wurzacher Becken nahe Bauhofen zu benennen, bekannt. Diese für eine Jubiläumsveranstaltung ungewöhnlichen Passagen ihrer Rede dürften auf diesen Umstand zurückzuführen sein.

Im Bericht von U. Gresser wurde Agrarminister Bonde als oberster „Naturschützer" unseres Bundeslandes bezeichnet. Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass Herr Bonde behauptet, hiesige Rotmilane würden sich nicht so weit vom Nest entfernen wie bayerische (nur 1000 m und nicht 1500 m), damit bei uns mehr Windkraftanlagen möglich sein sollen. Und wie ist es eigentlich in der Zeit der Revier(such)flüge, der Paarungsflüge und der Übungsflüge der Jungvögel, die über weite Strecken absolviert werden? Werden die Anlagen dann abgestellt? Diese „einsame" Grundsatzentscheidung des Herrn Bonde wird noch die Verwaltungsgerichte beschäftigen, hörte ich beiläufig in einem Gespräch einiger Teilnehmer der Wurzacher Veranstaltung. Lt . Herrn Bonde sollen in Baden-Württemberg Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete kein Ausschlusskriterium für Wind-„Parks" darstellen. Nach einem Bericht der Stuttgarter Nachrichten vom 16. April wurde Herr Bonde im Schurwald (zwischen Göppingen und Schorndorf) regelrecht ausgepfiffen, da sein „Wind"-Projekt gegen den Willen der betroffenen Bevölkerung umgesetzt werden soll. (http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.windkraft-auf-schurwald-lautstarker-protest-gegen-windraeder.9352d452-d45d-42eb-a7a9-9aaeb5f61ae6.html).

Herr Bonde hat die Staatsforstverwaltung angewiesen, Flächen für 120 Windkraftanlagen bereitzustellen, sechs bis zehn davon im Raum Schurwald. Interessant auch ein Stimmungsbild, das ein führender Beamter eines Landratsamtes einem Mitglied unserer BI bei anderer Gelegenheit übermittelt hat: „Noch nie in der Geschichte unseres Bundeslandes wurde von Seiten der Landesregierung ein solcher Druck auf die Genehmigungsbehörden ausgeübt wie heute, um möglichst schnell möglichst viele Genehmigungen zu erzwingen, die dann als erfolgreiche Politik verkauft werden". Ein für Verwaltungsbeamte, die sich in ihren Entscheidungen zuvorderst ihrem Gewissen verpflichtet fühlen, äußerst unbefriedigender Zustand. So gesehen ist das Europadiplom für das Wurzacher Becken und sein Umfeld ein wirklicher Glücksfall, denn ohne den Schutz des Europarates, mit dem sich auch eine grün-rote Landesregierung nicht anlegen will, würden auch bei uns die „Spargel" bald sprießen.

Hans-Joachim Schodlok

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Quelle: Center for Systems Science and Engineering der Johns Hopkins University

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