Bad Wurzach - Die Stadt Bad Wurzach erwartet weitere Flüchtlinge. Sie sollen am Mittwoch, 20. Mai, in der Riedstadt ankommen und haben dann eine lange und sehr strapaziöse „Reise“ hinter sich: Die 48 zu erwartenden Asylbewerber kommen allesamt aus Gambia.

Ihre vorübergehende Unterkunft sind Wohncontainer neben dem Hallenbad. Diese hat der Landkreis aufstellen lassen. Für etwa 450.000 Euro.

Darauf angesprochen, ob der Landkreis Ravensburg allmählich an seine Grenzen stoße, was die Unterbringung von Flüchtlingen betrifft, sagt Franz Hirth, Pressesprecher beim Landratsamt: „Es ist weiterhin unsere Aufgabe, Flüchtlinge, die dem Landkreis zugewiesen werden, unterzubringen.“ Hirth: „Wir sind nur ein Glied in einer langen Kette.“ Der Flüchtlingsstrom habe aber dazu geführt, dass man beim Landratsamt bereits personell aufgestockt habe.

Der Treffpunkt Asyl in Bad Wurzach möchte am Mittwoch die Asylbewerber bei ihrer Ankunft in Bad Wurzach begrüßen. „Wir bieten Tee, kalte Getränke und Kuchen an“, sagt Sabrina Blini vom Treffpunkt Asyl. Sie und ein paar weitere Mitglieder des Treffpunkts Asyl, darunter auch Diakon Berndt Rosenthal, wollen vor Ort sein, aber erst sollen die Asylbewerber in Ruhe ihre Unterkunft beziehen. Blini bittet die Bad Wurzacher Bürger, den Neuankömmlingen Zeit zum Ankommen zu lassen und sie nicht zu belagern. Gaffer vor den Wohncontainern seien wenig hilfreich.

Diakon Berndt Rosenthal ist etwas bange, wenn er daran denkt, wie die Arbeit im Treffpunkt Asyl weitergehen soll. Die Stadt Bad Wurzach beherberge bald mehr als 100 Menschen, die ihre Heimat in fernen Ländern verlassen und dadurch nahezu alles aufgegeben haben. „Alleine können wir die Aufgaben nicht mehr lösen“, ist sich der Leiter des Treffpunkts Asyl sicher. „Die ehrenamtlichen Helfer stoßen an ihre Grenzen.“ Rosenthal erhofft sich Unterstützung. „Wir brauchen dringend Sprachlehrer“, betont er. Aber auch Bürger, die sich ganz gezielt um Asylbewerber kümmern, seien gewünscht. „Vielleicht können Bad Wurzacher sogar Patenschaften für Flüchtlinge übernehmen“, sagt Rosenthal, der bei seiner Flüchtlingsarbeit sehr von Sabrina Blini unterstützt wird. Ganz wichtig ist für ihn, dass die Asylbewerber einen „geordneten Tagesablauf“ haben, eine Struktur in den Alltag bekommen. Das falle natürlich umso leichter, wenn sie Arbeit haben. Daher ist Rosenthal allen Bad Wurzacher Arbeitgebern dankbar, die bereit sind, Flüchtlinge, die schon länger als drei Monate in Deutschland leben, einzustellen.

Auch Paul Riß von der Bad Wurzacher Stadtverwaltung wird die 48 Gambier am Mittwoch willkommen heißen. Er zeigt Verständnis für die Anliegen des Treffpunkts Asyl und verweist auf ein Gespräch, das Anfang Mai zwischen Stadtverwaltung, Landratsamt und Treffpunkt Asyl stattgefunden hat. Dabei sei vereinbart worden, über die Volkshochschule den Asylbewerbern Sprachkurse anzubieten. Das Geld dafür stelle der Landkreis aus einem Fördertopf zur Verfügung. Die Finanzen, so Riss weiter, seien bislang nicht das große Problem. Es bereite vielmehr immense Schwierigkeiten Bürger zu finden, die sich bereiterklärten Sprachunterricht zu geben.

Wenn die Afrikaner am Mittwoch aufgenommen worden seien, dann habe Bad Wurzach die Quote für 2015 erfüllt. Mit anderen Worten: Mehr Flüchtlinge müsse die Stadt Bad Wurzach in diesem Jahr nicht beherbergen. Aber 2016 müsse man damit rechnen, dass das Land der Stadt weitere Asylbewerber zuweisen werde. Riß: „Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.“

 

Text: Jürgen Spöcker

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