Bad Wurzach (Leserbrief) - Die veröffentlichten Erklärungen von Wintershall zur geplanten Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen im Aufsuchungsgebiet Engelsberg führen in die Irre. Als ehemalig Betroffener fühle ich mich von der Aussicht auf *kooperativen* Umgang mit Anwohnern und Grundeigentümern geradezu verhöhnt.


Das Landesbergamt Baden-Württemberg weist das zu 25km² bemessene Erlaubnisgebiet Engelsberg als ausschließlich ölschieferhaltig (NUR-Ölschiefer) aus (Drucksache 18/2984 Deutscher Bundestag). Bekanntermaßen ist die Förderung von Kohlenwasserstoffen aus Ölschiefer nur mit mechanisch-chemischen Verfahren möglich (Aufbrechung von Gestein unter extremer mechanischer Belastung und anschließende Lösung bzw. Freisetzung der eingeschlossenen Kohlenwassertoffe mit Förderchemikalien) und erfordert deshalb die Anwendung der Fracking-Technologie. Auf die Unterscheidung der Fördertechnik nach *konventionell* bzw. Fracking kommt es dabei gar nicht an, zumal Wintershall nicht schlüssig und abschließend erklärt, was aus Unternehmenssicht unter *konventioneller* Förderung zu verstehen ist. Sehr ankommen wird es hingegen auf die absehbare Bedrohung von Bad Wurzach als Standort für Kurbetriebe. Spätestens, wenn Laborbefunde zu Grundwasserverunreinigungen im Internet kursieren, dürften die Tage heimischer Kureinrichtungen gezählt sein und das Kurpersonal seiner Entlassung entgegensehen. Welcher Kurinteressent aus In- oder Ausland wird schon in Chemikalien- angereicherte Bäder eintauchen wollen ? Nicht weniger düster dürfte bei dieser Sachlage die Perspektive für die heimische Landwirtschaft werden, weil der Lebensmittelmarkt nicht willens ist, potentiell verunreinigte Güter aufzunehmen.

Aller Erfahrung nach dürfte schon der Verdacht auf Lebensmittelverunreinigungen ausreichen, um Konsumenten vom Verzehr heimischer Produkte abzuhalten. Folglich werden dann auch viele Landwirte ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren. Die Bürgerinnen und Bürger von Bad Wurzach und Umgebung sollten sich fragen, ob sie willens sind, heimische Arbeitsplätze und Lebensqualität den Ertragsinteressen von Wintershall unterzuordnen.

Unsere Nachbarn in Fronhofen und Illmensee beantworteten diese Frage jüngst einmütig mit *Nein* und waren mit ihrer abwehrenden Haltung gegenüber dem dortigen Konzessionsinhaber PEG schließlich auch erfolgreich. Der Erfolg unserer Nachbarn sollte uns ermuntern, auch unsere Heimat gegen die Ertragsinteressen von Wintershall zu verteidigen.


Hans-Peter Geromiller
Bad Wurzach
 

Antwort der Bundesregierung

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