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Haidgau - Die Nummer Eins auf dem Stimmzettel bei der Bürgermeisterwahl am 22. April in Bad Wurzach, Alexandra Scherer, derzeit Bürgermeisterin in Erlenmoos, machte auf ihrer Wahlkampf-Tour an diesem Donnerstagabend in Haidgau im Gasthaus Engel Station, um sich für die anstehende Wahl zu empfehlen.

 

Als die Kandidatin um viertel vor Acht das Gasthaus betritt, hat gerade eine Vielzahl interessierter Besucher denselben Weg eingeschlagen, sodass sie Kandidatin beinahe übersehen werden konnte. Alexandra Scherer, die in Begleitung in ihres Mannes und Wahlkampfmanagers Erwin gekommen ist, geht aber sofort auf die Gäste zu und begrüßt jeden Einzelnen per Handschlag ehe sie um 10 nach Acht die Veranstaltung mit einer Entschuldigung eröffnet: „Normalerweise fange ich immer pünktlich an, aber ich möchte später Dazugekommenen noch Gelegenheit geben, sich einen Platz zu suchen.“

 

Mit der Beantwortung der Frage, wie sie auf die Bewerbung auf die Stelle als Bürgermeister in Bad Wurzach gekommen sei eröffnete sie ihre persönliche Vorstellung. „Der Entschluss dazu ist nach und nach und in enger Absprache mit der Familie gereift. Wir haben das Geschehen in Bad Wurzach schon längere Zeit verfolgt.“

 

Sie freute sich, dass so viele zu dieser Veranstaltung gekommen seien. Dies zeige das große Interesse an der Wahl und ihrer Auswirkungen auf die Ortschaften.

 

Aufgewachsen in Emerfeld („einem 140 Seelendorf, fast auf der Alb“) habe es sie nach dem Abitur in die Welt hinausgezogen. Nach dem Studium zur Diplomverwaltungswirtin (FH) an der Fachhochschule des Bundes für Öffentliche Verwaltung in Köln und Dieburg habe diese für sie zunächst Postamt 1 in Stuttgart geheißen, wo mit 250 Mitarbeitern buchstäblich „die Post abgegangen sei.“

 

Danach war sie sieben Jahre im Bundespostministerium und nach dessen Auflösung im Bundeswirtschaftsministerium für internationale Telekommunikations- und Postpolitik sowie die Umsetzung internationaler Verträge in nationales Recht zuständig gewesen. Zahlreiche Dienstreisen hätten sie dabei in die ganze Welt geführt.

 

Den Umzug des Ministeriums nach Berlin wollten sie und ihr Mann dann nicht mitmachen, es zog sie wieder, auch der Kinder wegen wieder nach Süddeutschland zurück. So bauten sie in Obersulmetingen ihr Haus, die wegen Elternzeit beurlaubte Alexandra Scherer wurde vor der anstehenden Kommunalwahl 2004 gefragt, ob sie nicht für den Ortschaftsrat kandidieren wolle und weil der alte Ortsvorsteher aufgehört hatte, war sie gleich noch in dieses Amt hineingewählt worden „Die Neue hat ja Zeit und könnt´des scho macha.“

 

Für Alexandra Scherer ist der Ortschaftsrat ein ganz wichtiges Gremium, die Arbeit mit diesem machte ihr immer unheimlich Spaß. Und sie war erfolgreich.

 

Scherer begründet auch, warum sie in die Kommunalpolitik gewechselt ist: Sie sei immer lösungsorientiert, könne sich dort Ziele setzen und diese auch umsetzen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit habe sie früher nie gesehen.

 

Zu ihrer Bewerbung in Bad Wurzach erklärte Scherer: „Bad Wurzach ist eine tolle Stadt, weil sie mit ihren neun Teilorten bäuerlich geprägt ist. Man kennt sich und spricht miteinander.“ Sie habe als Besonderheit und Alleinstellungsmerkmal den Kurbetrieb, dessen Sanierung, das sei ihr schon klar, kein Selbstläufer werde. Aber sie wolle ja diese Herausforderung. Die vom Gemeinderat beschlossene Modernisierung findet sie gut. Man müsse die Sanierung begleiten und schauen ob sie in die richtige Richtung geht. „Darüberhinaus ist er ein großer Wirtschaftsfaktor, es ist daher keine Zukunftsoption, nichts zu tun.“

 

Was ihr auch noch besonders aufgefallen war, sei das große bürgerschaftliche Engagement, das lobenswert sei und gefördert werden müsse.

 

Bad Wurzach habe im Bereich Bildung und Schule für Familien mit Kindern eine gute Infrastruktur, Stichwort „Kurze Beine, kurze Wege“. Infrastruktur ist aber auch eine Daueraufgabe, man muss immer etwas dafür tun.“

 

Mit Blick auf den anstehenden Hallenbadbau erklärte Scherer sich für eine Befürworterin von Bäderbauten, damit Kinder schwimmen lernen können. Sie sagte aber auch: „Diese Infrastruktur wird nie kostendeckend sein.“

 

Mit Blick auf die seit einigen Jahren eingeführte Doppik-Abrechnung bei der Kämmerei: „Die Abschreibungen z.B. für ein solches Bad müssen erwirtschaftet werden. Dafür haben wir die Kommunale Selbstverwaltung: Wir sagen wir wollen das und erhalten das.“

 

Um dem für Bad Wurzach prognostizierten Bevölkerungszuwachs Rechnung zu tragen seien Baugebiete wichtig. Aber die Ausweisung müsse maßvoll geschehen.

 

Die Finanzen der Stadt seien gut, aber das könne und werde nicht so bleiben. Daher sei der Rückbau von Schulden wichtig und müsse mit Maß und ziel angegangen werden. Nebenbei erwähnte sie in diesem Zusammenhang , dass Erlenmoos seit dem vergangenen Jahr nahezu schuldenfrei ist. „Betriebe die wachsen wollen, werden wachsen, im Zweifelsfall woanders.“ Die Ansiedlung und Erweiterung von Gewerbebetrieben sei Chefsache.

 

Neuralgischen Punkte ging Alexandra Scherer in der anschließenden Diskussion nicht aus dem Weg. Das Thema Kurhausgastronomie treffe alle Bürger der Stadt, auch die in den Ortschaften sagte Alois Fimpel, langjähriger Stellvertreter von Bürgermeister Morczinietz im Gemeinderat. Alexandra Scherer meinte dazu, es sei sehr wichtig, dass das Kurhaus „wieder in Betrieb gehe.“ Der Vorstand des Stadtseniorenrates, Heinrich Stauß sprach die Moblitätsprobleme älterer Mitbürger gerade auch in den Ortschaften und damit die Probleme beim ÖPNV an. Die Kandidatin erklärte, der Nahverkehrsplan müsse mit dem Landkreis besprochen und das Verkehrskonzept überprüft werden, um gegebenenfalls gegen zu steuern. Allerdings appellierte sie auch an die Bevölkerung, die Angebote wahr zunehmen, „nicht dass die Busse nur warme Luft spazieren fahren.“ Ein Nahverkehrskonzept sei nur so gut, wie seine Nachfrage.

 

Franz Ritscher, der ehemalige Ortsvorsteher von Haidgau, wollte von Alexandra Scherer wissen, wie sie die Zukunft der Ortsverwaltungen einschätze. Sie antwortete ihm, Sie halte den Ortsvorsteher für sehr wichtig: Dieser sei im Ort für die Anliegen der Bürger ansprechbar und quasi der verlängerte Arm des Bürgermeisters. Sie appellierte aber auch an die Bürger dieses Angebot anzunehmen. Ritscher sprach auch das Thema L300 als Zubringer zur B30 an. Er sagte, Ortschaftsrat und Gemeinderat hätten einen Antrag gestellt, die Verkehrsbelastung aufzuteilen. Dieses Ziel bat Ritscher die Kandidatin im Falle ihrer Wahl weiter zu verfolgen. Er verwies auch darauf, dass Haidgau bereits viel Schwerverkehr habe, der sich nach den geplanten Maßnahmen noch verstärken werde. Die Häuser ständen in Haidgau sehr nahe an der Straße, im Gegensatz z.B. von Mittelurbach. Scherer machte deutlich, dass in dieser Angelegenheit die betroffenen Ortschaften Einigkeit demonstrierten, damit Berlin reagieren müsse.

 

Die aktuelle Haidgauer Ortsvorsteherin, Ernestine Frick, fragte an, wie sie die unterschiedlichen Interessen von Alt und Jung in der Dorfentwicklung unter einen Hut bringen wolle. Scherer erklärte dazu, die Stadt habe dazu nicht viele Stellschrauben, an der sie drehen könne. Sozialer Wohnungsbau etwa sei Sache eines Investors; die Stadt könne dazu nur die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

 

Franz Fugunt, Geschäftsstellenleiter der Volksbank Allgäu-Oberschwaben, wollte wissen, was Scherer unternehmen wolle um das Defizit bei den Kurbetrieben abzubauen. „Auf dem Selbstzahler-Markt wollen die Gäste, dass alles gut ist. “ Die Gäste müssten zufrieden sein, hier müsse angesetzt werden, die eigenen Stärken zu erkennen und auszubauen. Sie freue sich, dass über die Kosten des Kurbetriebes ein allgemeiner Konsens da sei, alle hätten erkannt, dass der Kurbetrieb eine Zukunftsaufgabe sei, was ebenfalls für die Stadt spreche. Sie forderte alle Beteiligten etwa beim Stadtmarketingprozess auf, positiv zu denken, die guten Seiten der Stadt hervor zu heben, „und die Stadt hat viel Gutes , das man herausheben kann“.

 

Auf die Frage von Gemeinderat Stephan Kirschbaum, ob sie eine Idee habe wie der Kurbetrieb attraktiver gemacht werden könne, gab sie zurück: „Die eine Lösung habe ich sicher nicht. Aber es wäre gut und sinnvoll, die Angelegenheit einmal aus der Perspektive des Gastes zu betrachten.“

 

Über die Zusammenarbeit mit dem Naturschutz sagte sie, diese müsse mit Maß und Ziel geschehen. Dabei hob sie auch die Rolle der Landwirtschaft hervor.„ Sie gehört zu unserer Landschaft dazu.“

 

Sie dankte Besuchern zum Abschluss des offiziellen Teiles für die „intensive Diskussion“, ehe sie sich zu persönlichen Gesprächen mit den Besuchern an die verschiedenen Tische setzte.

 

Text und Bilder von Uli Gresser

 

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