Bad Wurzach/Eintürnen - Steffen Deutschenbauer war der letzte Kandidat, der seinen Hut in den Ring für die Nachfolge von Roland Bürkle geworfen hat. Am Dienstagabend hatte er im Rahmen seines Wahlkampfes die Bürgerinnen und Bürger in den Ochsen in Weitprechts eingeladen. Nach fast zwei Stunden Dialog

 

 

Rund 20 interessierte Bürger waren gekommen, um sich anzuhören, was der Allgäuer Oberschwabe (O-Ton Deutschenbauer) ihnen über neue Strategien und Namensgebungen, über hartes Identitätsdenken und den prognostizierten Bevölkerungszuwachs von Bad Wurzach zu sagen hatte.

 

Der 39jährige in Ravensburg geborene und bis vor kurzem in Rieden bei Füssen lebende Deutschenbauer sieht sich in der Rolle des Problemlösers, wie er das in seinem bisherigen Beruf als Personalberater im Gesundheitssektor bereits erfolgreich getan habe. Denn in Bad Wurzach seien in der Vergangenheit Fehler gemacht worden und Chancen ungenutzt geblieben.

Er wolle vieles besser machen, so dass es einmal heißen werde, „wir haben von Bad Wurzach gelernt.“ Das gelte insbesondere für die Stadt als Gesundheitsstandort. Da er aus dieser Branche kommt, nahm das Thema Kur und Gesundheit einen großen Raum in seine Ausführungen ein. „Probleme zu lösen mache ich jetzt schon in meinem Beruf.“ Zuhören – Miteinander sprechen – Nachbearbeiten und Lösungsansätze suchen, so umschreibt er sein Rezept dafür. Mit seiner 2011 gegründeten Firma arbeitete Deutschenbauer, der Politikwissenschaften und Wirtschaft , u.a. auch in Oxford, bereits für Einrichtungen in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland.

„Die Kur im herkömmlichen Sinne gibt es seit der Seehoferschen Gesundheitsreform, die viele Kurorte Kopf und Kragen gekostet hat, nicht mehr,“ so begründet Deutschenbauer was ihm an der Bezeichnung Kurbetrieb stört. Mit ihm als Bürgermeister würde Bad Wurzach „seine letzte Chance“ auf diesem Gebiet nutzen, ist er aufgrund seiner beruflichen Fachkompetenz überzeugt. Die Stadt sei auf den Kurbetrieb mit seinen rund 170 Arbeitsplätzen angewiesen. Daher gebe sie jetzt viel Geld dafür aus. „Ein Versagen ist Verboten.“ Damit nicht untergehe was sich in 70 Jahren entwickelt hat.

Der Kandidat sieht auch im Seniorenbereich einen Standortvorteil für die Stadt. Die demographische Entwicklung zeige, dass es immer mehr ältere Menschen in Bad Wurzach geben wird, Anlagen für betreutes Wohnen seien hier sehr wichtig.

Aber darüber dürfe man auch die Jungen nicht vergessen: Schulen, Kindergärten und Kita´s seien ein wichtiger Faktor. Diese dürften nicht nur als Pflichtaufgabe gesehen werden, sondern sollten mit Herzblut betrieben werden. Diese seien auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, wenn die Mitarbeiter glücklich sind. Für die nächsten Jahrzehnte verspricht eine Prognose für Bad Wurzach einen Bevölkerungszuwachs von 800 - 3.000 Einwohner.

„Wir müssen für die Zukunft sehr genau überlegen: Wo wollen wir hin?“ Die Stadt habe mit dem neuen Hallenbad, Gewerbegebieten und Straßen viele Pflichtaufgaben. „Vieles ist uns in der Vergangenheit durch die Lappen gegangen.“

Derzeit finde eine rasante Veränderung statt, wie gewirtschaftet wird. Auf dieser Erkenntnis möchte Deutschenbauer auch für Bad Wurzach Kapital schlagen: „ Wir wollen Anderen voraus sein, haben dazu jetzt durch den Wandel eine enorme Chance.“ Start-UP´s, Gründer und Dienstleistungen brauchten weniger Fläche wie produzierendes Gewerbe. „Unsere Stärken erkennen und uns gut verkaufen,“ so sieht Deutschenbauer Bad Wurzach in der Zukunft. Wenn Kernstadt und Ortschaften in Zukunft gut zusammenarbeiten und mit einer Stimme sprechen würden, werde das gelingen.

 

Die erste Frage aus den Reihen der Bürger betraf seine Einschätzung zu den Ortsverwaltungen. Deutschenbauer sagte dazu: „Entscheidungen sollen dort getroffen werden, wo die Menschen betroffen sind.“ Allerdings könne aus Kostengründen im Ort nicht die ganze Infrastruktur der Verwaltung vorgehalten werden. Er sagte allerdings auch, man müsse sich vom harten Identitätsdenken ( hier Eintürnen, dort Kernstadt usw.) verabschieden, die Identitäten hätten sich vermischt.

Ortsvorsteher Berthold Leupolz hakte nach und wollte wissen, wo Deutschenbauer die Zentralität für sinnvoll halte und wie seine generelle Einstellung dazu sei. Die Strukturen sollten tragfähig gehalten werden, das sei wichtiger als jeden Pfennig umzudrehen. Es sei wichtig Strukturen mit Augenmaß zu erhalten. Dabei könne er sich gut vorstellen, dass z.B. Eintürnen mit Ziegelbach oder Haidgau zusammenarbeiten könne, weil diese Ortschaften nahe beieinander liegen.

Dabei sei Transparenz wichtig: Wo gibt es was usw. müsse den Bürgern klar gezeigt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten sich die Ortschaften einig sein.

Leupolz fragte auch nach, wie er sich den Tourismus („wir brauchen auch Rad- und Wanderwege“ ) vorstelle. Deutschenbauer könnte sich da durchaus eine Vermarktung des Wurzacher Beckens vorstellen. Eine weitere Frage vom Ortsvorsteher betraf die Sonderstellung von Eintürnenberg, wo zwar wenige Einwohner lebten, aber alle öffentlichen Gebäude wie Rathaus Schule, Kirche usw. seien. Derzeit präsentiere sich das Ganze jedoch nicht als „modernes Zentrum“ der Ortschaft. Der Kandidat, versprach sich kundig zu machen und erklärte, diese Angebote müssten für jedermann leicht zugänglich sein.

Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, werden über die Zukunftsfähigkeit der Stadt entscheiden. So auch , darauf angesprochen beim Breitband: Hier forderte er absolute Ehrlichkeit bei der Aufarbeitung der gemachten Fehler und daraus zu lernen.

Er wolle als Bürgermeister etwas anschieben, langfristige Strategien für die nächsten 8-16 Jahre entwickeln. „Mit mir als Bürgermeister bekommen sie Pläne und Strategien auf längere Sicht.“

Rund zwei Stunden sprach und diskutierte Deutschenbauer mit den Interessierten seine Vorstellungen, und schob dabei auch Diskussionen an, die noch andauerten, als der Kandidat bereits auf dem Heimweg war.

 

Bericht und Bild Uli Gresser

 

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter