11kirchenmusicalEintürnen - Am Tag des offenen Denkmals führte die Eintürner Kirchengemeinde zweimal ihr Kirchenmusical „Die Kirche wird verkauft“ in der Kirche St. Martin auf. Vom Jugendchor über Chortissimo und Liederkranz und Kirchenchor bis hin zur Musikkapelle beteiligten sich alle musikalischen Gruppierungen der Gemeinde an den Aufführungen, deren Erlös zum Erhalt des historischen Pfarrhauses beitragen werden.



Das Musical trägt unverkennbar autobiografische Züge: Während im Musical die Kirchengemeinde wegen Geldnot ihr Gotteshaus veräußern muss, geht es in der 620 Seelen umfassende Katholikengemeinde Eintürnen um das historische Pfarrhaus, das dringend saniert werden muss. Ortsvorsteher Berthold Leupolz und Vorstand des Liederkranz und Kirchenchores erläuterte vor der Vorstellung dem Publikum die Situation. Nachdem Wegzug des letzten ortsansässigen Pfarrers und der Verlegung des Pfarramtes nach Arnach war das Haus viereinhalb Jahre leer gestanden.


Die Diözese habe der Pfarrgemeinde dringend zum Verkauf geraten, gegen den sich der Pfarrgemeinderat jedoch mit guten Argumenten gesträubt habe. Denn umgeben von im Kirchengemeindebesitz befindlichen Gebäuden (Pfarrsaal, Kindergarten) und Grundstücken wäre ein Verkauf sehr problematisch gewesen. Auf einen Mieter könne man Einfluss nehmen, gegen einen fremden Besitzer habe man keine rechtliche Handhabe, wenn diesem zum Beispiel das Geläut der Kirchenglocken nicht gefalle. Auch Pfarrer Paul Notz, der anfangs skeptisch gewesen war habe sich auf die Seite der Pfarrgemeinde gestellt, nachdem er festgestellt hatte, wie sehr Gemeinde für das Haus bereit war zu kämpfen.


Schließlich habe die Diözese nach langem Verhandeln eingelenkt und sich bereit erklärt, Zweidrittel der Sanierungskosten zu übernehmen. Den verbleibenden Eigenanteil muss die Kirchengemeinde aus Eigenmitteln und Spenden selbst aufbringen und das obwohl sie gerade erst große Summen und viele Spenden in die Sanierung von Kirchturm und Kirchendach gesteckt hat und gerade dabei ist den Kindergarten auf zu stocken.


Da kam die Idee von Elke Kreck, seit Anfang des Jahres Leiterin von Kirchenchor und Liederkranz das Musical für den guten Zweck einzustudieren, gerade recht. Ab Juni wurde bis zu den Sommerferien intensiv geprobt, nach der Sommerpause ab der letzten Augustwoche noch einmal täglich. Aber: Die Mühen haben sich gelohnt, auch wenn dem einen oder anderen es in dieser Zeit fast zuviel wurde.


Zur Geschichte: Der Kirchengemeinderat hat keine andere Wahl: Durch eine (fiktive!) Gesetzesänderung fließt keine Kirchensteuer mehr in die Kasse der Kirche. Die Gemeinde ist pleite und muss notgedrungen ihr Gotteshaus veräußern. Auf das Inserat hin melden sich ein Künstlerpaar und ein Investor aus Berlin. Den Künstlern fehlt das nötige Kapital, der Investor kauft also „im Vorübergehen das Gotteshaus und hat schon Pläne, es in eine Disco umzuwandeln.


Inzwischen geht der Gemeinde auf, dass sie mit der Kirche den Gemeindemittelpunkt verlieren würden, vor allem die Jugend sucht nach Wegen, das zu verhindern. In Gesprächen mit den Älteren erfahren die Jungen viele Geschichten, in deren Mittelpunkt die Kirche gestanden hat. Zwei Mädchen gelingt es schließlich, den Investor, der sich nach einem traumatischen Erlebnis in seiner Jugend von der Kirche abgewendet hatte, umzustimmen. Er versöhnt sich mit der Institution Kirche, schenkt der Gemeinde das Gotteshaus zurück und hilft ihr sogar, nötige Sanierungen durchzuführen.


Mit stehenden Ovationen feierte das Publikum die Akteure, die alle „Eigengewächse“ waren. Besonders beeindruckten die vielen Solopartien der Jugendlichen, die agierten als würden sie schon seit Jahrzehnten nichts anderes machen. Elke Kreck als Spielleiterin und der Dirigent der Musikkapelle Alexander Dreher als musikalischer Leiter dürften während der Probenzeit öfters als Motivator gefordert gewesen sein.


Ganz entrückt seien die Musicalbesucher nach der Vormittagsvorstellung zum Mittagessen in die Festhalle gekommen, erzählt Berthold Leupolz begeistert. Die dort arbeitenden Leute von anderen Vereinen mussten Schwerstarbeit verrichten. Und am Nachmittag wiederholte sich das Spiel noch einmal: Die Kuchentheke war so schnell leergeputzt, dass man sogar beim Reitturnier in Wolfegg Nachschub holen musste. Gerne hätten die „Arbeitsbienen“ in der Halle das Musical gesehen, nachdem die Besucher der Nachmittagsvorstellung ebenfalls sehr euphorisch zu Kaffee und Kuchen gekommen waren.


Und kein Zweifel, die (Kirchen-)Gemeinde Eintürnen wird es nach diesem Start mit Sicherheit auch schaffen, das erforderliche Maß an Eigenleistungen und Spenden aufzubringen. Das was im Musical den Dorfbewohnern klar geworden ist, ist auch den Eintürnern selbst bei diesem Projekt aufgegangen: Wie wichtig die Kirche als Dorfmittelpunkt ist. Und wie wichtig das Miteinander, um etwas zu erreichen.

 

 

Text und Bilder von Uli Gresser

 

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